SCC Laufcamp 2016 an der Costa de la Luz (Andalusien)

Von diesem Laufcamp hatte ich bei meinem diesjĂ€hrigen Sportleistungstest beim SMS Sportmedizin Berlin (SMS Medical Institute) erfahren. Das Angebot beinhaltete die Option noch einen Startplatz fĂŒr den Berlin-Marathon zu bekommen, was den Ausschlag gab, weil ich es versĂ€umt hatte rechtzeitig zu buchen. Meine Hoffnung war, hiermit auch einen guten Start in die diesjĂ€hrige Laufsaison zu haben. Mit bald 65 Jahren habe ich mir vorgenommen im Herbst meinen ersten Marathon zu laufen. In den letzten beiden Jahren hatte ich jeweils einen Halbmarathon absolviert und mich zum Aufbau fĂŒr dieses Jahr bereits fĂŒr die BIG25 in Berlin im Mai angemeldet.

Freitag 26.02. Anreise mit Germanwings von Berlin ĂŒber DĂŒsseldorf nach Jerez de la Frontera. In Berlin hatte ich zwei Bordkarten ausgedruckt bekommen und mich in DĂŒsseldorf zu dem angegebenen Gate A 46 begeben. WĂ€hrend ich mich schon wundere, dass man noch nicht mit den Vorbereitungen zum Boarding beschĂ€ftigt ist, bekommen ich einen Telefonanruf, wĂ€hrenddessen ich nebenbei meinen Namen ĂŒber den Flughafenlautsprecher ausgerufen höre, mit der Aufforderung mich unverzĂŒglich zum Gate A 49 zu begeben. Dort bin ich dann der Letzte, der an Board geht. Wenn das mal kein Ohmen ist 


In Jerez habe ich einen Fiat 500 Leihwagen bestellt, weil Taxifahrten zum ĂŒber 60 km entfernten Hotel fast genauso teuer geworden wĂ€ren. Bei der Fahrt stelle ich fest, dass ohne einen lokalen Telefonvertrag das GPS in meinem Handy nicht funktioniert. So frage ich an zwei Tankstellen nach dem Weg und komme dann doch noch, wenn auch spĂ€ter als nötig, an.

Der Pool
Foto: Axel Kieser

Das Hotel IBEROSTAR Royal Andalus liegt mit anderen Hotels direkt am Strand der Costa de la Luz in der spanischen Region Andalusien. An der Rezeption spricht die Dame lieber Deutsch als Englisch mit mir und hĂ€ndigt mir die TĂŒrkodekarte fĂŒr mein Zimmer aus. Es liegt im obersten Stockwerk, welches der zweite Stock ist, weil hier die HĂ€user nicht höher als die BĂ€ume gebaut werden dĂŒrfen. Das Zimmer hat einen Balkon, von dem aus ich das Meer zwar rauschen hören, aber nicht sehen kann. Ich tröste mich damit, dass ein Balkon zum Meer und Pool durch die Leute sicher lauter gewesen wĂ€re.

Zum Abendesse ist ein umfangreiches Buffet aufgebaut, von dem ich als Veganer nur einen Bruchteil in Betracht ziehe, aber trotzdem gut speisen kann, denn es gibt auch reichlich rohes GemĂŒse und einfache Salate. Das Hotel scheint ein Rentnerparadies zu sein. Ich höre, dass unter den GĂ€sten vorwiegend Deutsch gesprochen wird. Ob das wirklich ein guter Ort fĂŒr Sportler ist?

Der Wetterbericht hatte vor einer Woche fĂŒr die ersten zwei Tage Regen vorhergesagt und Recht behalten. Es gießt zeitweise in Strömen, aber so gĂŒnstig, dass ich in den Pausen gut mein GepĂ€ck ausladen kann. Der Regen prasselt auf das Plastikdach des Hotelganges und erzeugt so einen erheblichen LĂ€rm. Unten im Foyer wird bis spĂ€t in die Nacht Musik gemacht und gesungen. Trotz dieses ungewohnten GerĂ€uschpegels schaffe ich es frĂŒh ins Bett zu gehen und einzuschlafen.

Samstag 27.02. Nachdem ich die Nacht zuvor nur vier Stunden und etwas unbequem geschlafen hatte, weil ich schon um fĂŒnf Uhr frĂŒh am Flughafen sein musste, habe ich heute bis um acht durchgeschlafen. Es regnet nun nicht mehr und sogar die Sonne ist zu sehen. Also ziehe ich Laufshorts, mein Vegan-Runners-Laufshirt und Laufschuhe an und mache mich auf den Weg. An der Rezeption frage ich nach einem Jogging Trail und erfahre, dass es an der Straße markierte Gehwege gibt. Superleistung fĂŒr ein Viersterne-Hotel, in dem regelmĂ€ĂŸig Laufcamps stattfinden.

PinienwÀldchen
Foto: Axel Kieser

Von meinem Balkon aus hatte ich eine Holz­treppe gesehen, die in ein Pinien­wĂ€ldchen fĂŒhrt. Die nehme ich und komme schon nach kurzer Zeit zu einer Anhöhe, von der aus ich das Meer sehen kann. Hier blĂ€st nun aber ein kalter Wind, der mich umkehren und wĂ€rmere Laufkleidung anziehen lĂ€sst. Unter zehn Grad und Böen mit bis zu 65 km/h sind so besser auszuhalten. Am Strand ange­kommen entscheide ich mich zunĂ€chst nach Norden gegen den Wind zu laufen, um es auf dem RĂŒckweg einfacher zu haben. Der Sturm treibt die Gischt auf den Strand, wo sie vom Sand schnell aufgerieben wird. Trotz Jacke und langer Hose ist es recht kalt und so laufe ich nur etwas ĂŒber drei Kilometer und drehe dann um. Plötzlich ist kein Wind mehr zu spĂŒren und es lĂ€uft sich ganz leicht. Nach etwa einem Kilometer legte der Wind dann doch zu und trieb zu einem flotten Trab an. Bei einem Tempo von unter 4:30 Minuten pro Kilometer fĂŒhlt sich das Laufen fast so schön wie Fliegen an.

Nach den blumigen Beschreibungen des Strandes in den Werbe­texten des Hotels, war die Wirklichkeit doch eher ernĂŒchternd. Teilweise ist der Strand ĂŒbersĂ€ht mit Steinen und Muscheln, sodass ich aufpassen musste mit meinen Barfußlaufschuhen (VIBRAM Fivefingers) nicht draufzutreten und evtl. umzuknicken. Auch ist der Sand teilweise sehr weich, sodass man tief einsinkt, aber dicht am Wasser gibt es kaum Steine und der Sand ist zum Laufen schön fest.

Ich hatte gelesen, dass Mann im Restaurant lange Hosen tragen soll und hoffte, dass ich auch mit meiner Sporthose in den Speisesaal darf. An der TĂŒr stand ein Hotelbediensteter, den ich freundlich mit Ola begrĂŒĂŸte und so anstandslos passieren durfte. Dann schaute ich mich nach einem Buffet mit FrĂŒchten um und fand frische, aufge­schnit­tene Orangen, Wasser- und Honigmelonen, frische Ananas, sowie eingelegte Pfirsiche und Mandarinen. Letztere schmeckten leider vergammelt und auch die Wassermelone war nicht von guter QualitĂ€t. Es gab auch acht verschiedene SĂ€fte und mindestens sechs weitere Buffets mit Sachen, die fĂŒr mich zumindest zum FrĂŒhstĂŒck nicht in Frage kamen. Leider wurden außer KĂŒrbiskernen weiter keine Samen oder NĂŒsse angeboten bzw. ich habe sie an diesem Morgen nicht gefunden.

Am Nachbartisch sitzen drei sportlich aussehende jĂŒngere MĂ€nner und eine Frau. Zwei davon tragen Shirts vom 41. Berlin-Marathon. Ob die zum Team des SCC-Laufcamps gehören? Die sind gut mit sich selbst beschĂ€ftigt, sodass ich die Frage zurĂŒckstelle, aber spĂ€ter als ich einen von ihnen an der Rezeption anstehen sehe, frage ich doch. Er bestĂ€tigt meine Vermutung und stellt sich als Srdan (Dr. Srđan Popović) vor, meint aber der Einfachheit halber dĂŒrften alle ihn Serge nennen. Er war auch schon am Strand laufen gewesen, sodass wir uns kurz ĂŒber das Wetter unterhalten. Dann sagt er mir, dass wir uns um 19 Uhr im Konferenzraum zur Vorbesprechung und offiziel­lem Beginn des Camps treffen wĂŒrden.

Wir habe mit dem Hotel FrĂŒhstĂŒck und Abendessen gebucht, sodass wir uns mittags selber versorgen können/mĂŒssen. DafĂŒr habe ich mir am Vorabend bereits einen Becher mit Studentenfutter einge­weicht. Leider musste ich dabei feststellen, dass das Leitungswasser hier chloriert ist, sodass ich dann doch lieber ein paar Flaschen Wasser im Supermarkt einkaufen werde. Neun Liter sollten fĂŒr die Zeit hier reichen.

Der aktuelle Wetterbericht kĂŒndigte bis Sonntag in einer Woche keinen weiteren Regen an, dafĂŒr ab morgen 15 °C und in den Folgetagen teilweise bis 18 °C. Gute Aussichten also.

Um 19 Uhr treffen sich alle im Konferenzraum des Hotels. Die vier Coaches stellen sich vor: Claudia als Physiotherapeutin (Claudia Helmstorf), Serge als Biomechaniker, Benny als Lauftrainer (Benja­min Schalanda) und Nico als Spezialist fĂŒr Stabilisierungs- und KraftĂŒbungen. Insgesamt haben sich 32 LĂ€ufer*innen eingefunden, von denen ca. zehn bereits im Jahr zuvor, beim ersten Laufcamp des SMS Medical Institutes dabei gewesen waren.

Der Strand am Morgen
Foto: Axel Kieser

Sonntag 28.02. 7:30 Uhr auf zum leichten Galopp am Strand mit nachfolgenden DehnĂŒbungen. Dann gibt es FrĂŒhstĂŒck: Orangen, Honigmelone, Pfirsiche (ein­gelegt), Wasser­melone, Ananas und dann eine SchĂŒssel mit Samen (Leinsaat, Sesam, Mohn, Sonnenblumenkerne, KĂŒrbiskerne), Haferflocken und Soja­milch. Das werde ich mir morgen frĂŒh vor dem Lauf zusammen­mischen und dann lĂ€nger einweichen lassen, damit es sich besser kauen lĂ€sst.

Um 10:30 Uhr ging es dann zu einem Intervalltraining: 1.000 m im Halbmarathontempo, zwei Minuten gehen, dann 800 m etwas schneller, gefolgt von wieder zwei Minuten gehen, dann 600 m noch schneller, gefolgt von wieder zwei Minuten gehen, dann 400 m so schnell es (dann noch) geht. Das ganze zwei Mal und dann im leichten Trab zurĂŒck.

FĂŒr um 14:50 Uhr hatte ich mich zur Physiotherapie bei Claudia angemeldet, die alle 20 Minuten jemanden von uns durchwalkte. Ich hab mir heute eine Behandlung meiner Schulterprellung erbeten. Sie machte das sehr gut, meinte aber, ich solle mir dafĂŒr zuhause noch mehr Physiotherapie verschreiben lassen.

Um 15:30 Uhr ging es dann im leichten Trab in einen nahe gelegenen Park und von dort am Strand zurĂŒck zum Hotel. Dort folgte dann noch eine Dehnungssession.

Alles zusammengerechnet bin ich heute 19,5 Km gelaufen.

Montag 29.02. Um 10:30 Uhr fand der Y-Test und dann LaufformÂ­ĂŒbungen am Strand statt. Beim Y-Test sollten wir zunĂ€chst einen Schieber auf einer Art Metermaß mit jeder Fußspitze soweit wie möglich nach hinten schieben. Dann mit einem Fuß so weit wie möglich nach rechtshinten und danach mit dem gleichen Fuß so weit wie möglich nach linkshinten, und dann das gleiche mit dem anderen Fuß. Die Werte wurden addiert und durch die dreifache SchrittlĂ€nge geteilt. Daraus soll sich ein allgemeines Verletzungsrisiko und ein Rechts-/Linksvergleich ableiten lassen. Bei mir erschien alles im positiven Bereich und relativ ausgeglichen.

Um 15 Uhr sollte eine Laufstilanalyse auf dem Laufband stattfinden, aber die LichtverhĂ€ltnisse spielten nicht mit, denn die Sonne schien jetzt direkt in das Fitnessstudio. Die Analyse wurde daher auf den frĂŒhen Morgen verschoben. Statt dessen fanden dann noch weitere LaufformĂŒbungen am Strand statt. Abends hat Serge einen Lichtbildvortrag zum Thema Laufkoordination gehalten. Fazit: „Forget almost everything“, but remember Form and short Steps.

MotionMetrix Laufanalyse
MotionMetrix Laufanalyse

Dienstag 01.03. 7:30 Uhr: Es steht zwar nicht im Plan, aber ich mache trotzdem einen leichten 20-minĂŒtigen Jog am Strand. Zuvor hatte ich mir ein MĂŒsli gemischt und eingeweicht. Um 8:20 Uhr bin ich dran zur verschobenen Laufstildiagnostik. 30 Sekunden bei 12 Km/h auf dem Laufband joggen, in bester Haltung. Dabei von zwei Kame­ras gefilmt werden, wobei mit einer Software Markierungspunkte auf die Aufnahme projiziert werden, die meine Gelenke kennzeich­nen sollen und durch verbindende Linien meine Haltung leichter beurteilbar machen soll. Es gibt eine Auswertung wie beim KĂŒhl­schrank von A bis E, wobei A die beste Note ist. Bei mir reicht es nur zum E, wobei Serge meint, nicht alle Indikatoren wĂ€ren zuverlĂ€ssig und mein Ergebnis eigentlich nicht schlecht.

Um 9 Uhr geht es schon weiter zur Aqua-Power-Gymnastik im beheizten Pool. Vor der regulĂ€ren Öffnungszeit ist der Spa-Bereich fĂŒr uns reserviert, wo wir in drei Gruppen jeweils 30 Minuten lang Aqua-Jogging und -Gymnastik machen. Hinterher noch schnell in die Dampfsauna und dann ist frei bis um Drei. Da das Spa tĂ€glich schon um 19 Uhr schließt und 90 Minuten Aufenthalt 15 Euro kosten, fĂ€llt das Spa fĂŒr mich im Folgenden aus.

FĂŒr um 15:30 Uhr ist fĂŒr 50 Minuten Tempowechsel-Dauerlauf angesetzt, gefolgt von StrechingĂŒbungen. Insgesamt bin ich heute 15 Km gelaufen.

Zum Abendessen hatte ich bei der KĂŒchenleitung angefragt, ob sie nicht mal Hummus anbieten kann. Die Reaktion war sehr freundlich und aufgeschlossen, und ließ mich hoffen. Es hieß ich solle ihnen zehn Minuten Zeit geben. Nach zehn Minuten bekam ich eine SchĂŒssel mit einer hellbraunen Masse ĂŒberreicht. Hocherfreut und mit einem Ausdruck sĂŒdlĂ€ndisch ĂŒberschwĂ€nglicher Dankbarkeit, nahm ich die SchĂŒssel mit zu meinem Platz, schnitt mir ein paar Scheiben des einzigen etwas dunkleren Brotes ab und bestrich es mit dem „Hummus“. Zu meiner Überraschung und EnttĂ€uschung zeigte sich, dass es lediglich pĂŒrierte Kichererbsen waren, ohne irgendwelche WĂŒrze. Also organisierte ich mir Zitrone, Paprika und etwas Salz, und machte mir die Masse etwas schmackhafter.

Nach dem Abendessen schrieb ich ein einfaches Rezept fĂŒr Hummus auf und gab es der KĂŒchenleitung als Anleitung fĂŒr den nĂ€chsten Versuch. Wieder zeigte sie sich sehr aufgeschlossen und zuvor­kommend, und fragte, was sie sonst noch tun könnten. Ich bat um gebratenen Tofu und SĂŒĂŸkartoffeln, sowie wenigstens einen von vier Salaten ohne tierische Produkte. Das mit dem Salat klappte dann leider nur an einem der Folgetage.

Mittwoch 02.03. Die HĂ€lfte des Camps liegt schon hinter uns. Ich hab zwar eine leichte Achillessehnenreizung, bin aber sonst froh, dass ich mich bisher nicht verletzt habe und auch meine Gelenke mir nicht die befĂŒrchteten Schmerzen bereiten. Nachdem ich Anfang des Jahres vermehrt Gelenkschmerzen hatte, habe ich meine DiĂ€t radikal umgestellt und auf Kaffee, Alkohol, Zucker und Weißmehl komplett verzichtet. Das scheint nicht ohne Wirkung zu sein, also weiter so.

Um 7:30 Uhr ist wieder allgemeines Joggen am Strand mit folgen­dem Stretching angesetzt. Die Coaches haben immer wieder neue und ĂŒberraschend wirkende Übungen parat und haben uns versprochen, uns diese in einem Script nachzusenden. Da freue ich mich schon drauf, denn dieses Camp soll einen bleibenden Einfluss auf mein Training haben.

Um 10:30 Uhr ist Krafttraining angesetzt, das wir in drei Gruppen absolvieren. Claudia zeigt uns ein paar sehr effektive Pilates-Übungen. Serge hat GummibĂ€nder mitgebracht, die uns bei einigen BeinĂŒbungen zusĂ€tzlichen Widerstand aufbĂŒrden. Benni hat dann auch noch eine Reihe KraftĂŒbungen fĂŒr uns, die auch ohne Hilfsmittel durchgefĂŒhrt werden.

Um 14:10 Uhr bin ich wieder bei Claudia zur Physiotherapie dran. Diesmal geht es mir an die Beine. Insbesondere in den Oberschenkeln vorne spĂŒre ich Muskelkater. Claudia walkt mich richtig schön durch, sodass hinterher alles wieder wie neu ist.

Zu um 15 Uhr ist ein Long Jog angesetzt. Im PinienwĂ€ldchen von Novo Sancti Petri ist dafĂŒr von den Coaches ein fĂŒnf Kilometer-Parcours abgesteckt, den wir in 50 Minuten soweit durchlaufen sollen, wie wir können. Ich lasse mich von meiner neuen Laufuhr derart irritieren, dass ich die aktuelle mit der Durchschnitts­geschwindigkeit verwechsle und so zunĂ€chst schneller laufe als gut fĂŒr mich ist. In der dritten Runde werde ich darum merklich langsamer, aber schaffe sie doch noch bis zu Ende. Wir sollten dann wieder die drei Kilometer zum Hotel zurĂŒcktraben. Irgendwie bin ich jetzt der letzte LĂ€ufer und als die verletzte Alex mit unserem Begleitfahrzeug und zwei anderen geschafften LĂ€ufer*innen mich ĂŒberholt und fragt ob ich mitfahren will, nehme ich dankbar an. Insgesamt binich heute 19,5 Km gelaufen.

Um 17:30 Uhr gibt Benny dann einen Workshop zur Trainings­planung, der zwar einiges Grundwissen vermittelt, aber nicht ausreicht einen brauchbaren eigenen Trainingsplan aufzustellen. Da wartet noch einige Arbeit auf mich 


In der Bodega Luis PĂ©rez
Foto: Axel Kieser

Donnerstag 03.03. 7:30 Uhr findet der obli­gatorische Jog am Strand mit nachfolgendem Stretching statt. Nach dem FrĂŒh­stĂŒck folgt dann ein lockerer Dauerlauf im Park. Mittags fahren wir mit einem gecharterten Bus zu einem Winzeranwesen – der Bodega Luis PĂ©rez – wo wir von einer sehr engagierten und begeisterten jungen Dame in die Besonderheiten dieses Anwesens und deren Anbaumethoden eingefĂŒhrt werden. Darauf folgte eine Weinprobe dreier Rotweine, die alle ganz hervorragend schmeckten. Zum Neutralisieren der Geschmacksnerven gab es nicht nur Weißbrot und ein sehr aromatisches Olivenöl, sondern fĂŒr uns drei Veganer sogar vegane Buscettas und GemĂŒsebĂ€llchen. Die anderen bekamen Schinken und KĂ€se serviert. Dazu erhielt jeder eine Flasche Olivenöl zum Mit-Nachhause nehmen. Wer wollte konnte sich auch noch ein paar Flaschen Rotwein dazukaufen.

Freitag 04.03. Der letzte Tag! Um 7:30 Uhr mache ich wieder meinen Morgenlauf, der nicht auf dem Plan stand, sodass ich alleine war. Um 10 Uhr sind wir dann zur sog. Camp-Challenge in den Park getrabt. Dort hat uns Serge zunĂ€chst mit einem Lauf-ABC aufgewĂ€rmt. Die Coaches hatten einen 250-Meter-Rundkurs mit Tape markiert. Dann wurden wir in zehn gemischte Teams eingeteilt und sollten als Dreierstaffel diesen Kurs in 60 Minuten so oft durchlaufen wie wir können. Nach dem Ende der Zeit wurde Maß genommen, wie weit jedes Team gekommen war. Ich hatte das GlĂŒck mit Sonja und Antje zu laufen, die beide sehr gute LĂ€uferinnen sind. Es ging heiß her und einige entwickelten etwas ĂŒberzogenen Ehrgeiz. Als Joker hatte sich Benny bereit erklĂ€rt, auf Wunsch je einmal fĂŒr ein Team zu laufen, sodass die LĂ€ufer*innen eine etwas lĂ€ngere Pause hatten. Die Ergebnisse wurden bis zum Abschlusstalk am Abend geheim gehalten. Insgesamt bin ich heute 10 Km gelaufen.

Um 14:50 Uhr hatte ich meine letzte Physiotherapiesession bei Claudia. GlĂŒcklich das Camp erfolgreich und unverletzt beendet zu haben, lasse ich meine Beine und diesmal auch die Achillessehne durchwalken. Um 15:30 Uhr gibt es noch eine Stretch- & Relax-Session, in der wir u. a. von Bennie lernen uns mit der Faszienrolle zu maltrĂ€tieren. Serge zeigt uns weitere neue Dehnungen, von der eine ein Sofa als Hilfsmittel vorsieht und Benny leitet die dritte Gruppe beim Krafttraining an.

Zum Abendessen gibt es wieder pĂŒrierte Kichererbsen, die ich mir mit Knoblauchöl, Zitronensaft und Paprika etwas schmackhaft mache. Dazu gab es panierten und gebratenen Seidentofu, es geschmacklich auch nicht ĂŒberzeugen konnte. Zudem hatte man ein paar fast quadratische Scheiben SĂŒĂŸkartoffeln angegrillt. Ich einem Viersterne-Hotel sollte man etwas mehr erwarten dĂŒrfen.

Nach dem Abendessen findet auf den Sofas in der Hotellobby der Abschlusstalk und die VerkĂŒndung der Ergebnisse der Challenge statt. Unser Team hat einen guten fĂŒnften Platz geschafft.

WĂ€hrend der letzten Tage hatte Gloria – die einzige vegane Frau – heimlich von uns Geld gesammelt und fĂŒr jeden Coach ein kleines Geldgeschenk und eine sehr anrĂŒhrende und wertschĂ€tzende Rede vorbereitet und gehalten.

Samstag 05.03. Morgens fand ein letzter Auflocker­ungsjog am Strand statt, zu dem sich diesmal ca. zehn Teilneh­mer*innen einfanden. Wir verabschieden uns innerlich von Strand und Meer, und dann auch voneinander.

Sonnenuntergang an der Costa de la Luz
Foto: Axel Kieser

Da mein Flug erst am nĂ€chsten Morgen zurĂŒck­ging, machte ich mit zwei Lauf­kame­rad*innen einen Ausflug nach CĂĄdiz, wo uns die zentrale Markthalle (Mercado Cen­tral) mit den vielen verschie­denen kleinen StĂ€nden und dem regen Treiben beeindruckt. Danach besuchten wir noch den einzigen Bioladen der Stadt (La Huerta de San Miguel). Ein zweiter ist erst in ca. 50 Km Entfernung zu finden. So ganz nebenbei konnten wir einen Abschiedsappell auf dem Viermastschoner der spanischen Marine „Juan SebastiĂĄn de Elcano“ beobachten, welcher dann mit BöllerschĂŒssen verabschiedet wurde und in See stach.

Auf dem RĂŒckweg wĂ€hlen wir die Route less traveled und fuhren ĂŒber die Dörfer zurĂŒck zum Hotel. Danach machten sich dann auch die Letzten von uns auf den Heimweg.

Fazit: Das Training war super, aber fĂŒr uns drei Veganer war das Essen eine EnttĂ€uschung. Vielleicht gibt es ja mal irgendwo ein veganes Laufcamp …

Fotos von dem Camp sind auf der Facebook-Seite vom SMS Medical Institute zu finden.