Trail Uewersauer, 19.11.17

Nun schon zum 4. Mal (2013, 2014, 2016 & 2017) bin ich beim „langen“ Rennen des Trail Uewersauer in Luxemburg dabei.
WÀhrend es das erste Mal noch 50,1km zu bewÀltigen gab, ist die Strecke des UltraTrail seit 2014 53km lang.
Letztes Jahr wegen eines Missgeschicks einige Minuten nach dem Feld gestartet, habe ich es dieses Jahr zeitig an den Start geschafft. Rund um waren die Bedingungen dieses Jahr ideal.
Das Wetter war wunderbar klar, wenn auch ein wenig kalt. Ich war gut vorbereitet und zuversichtlich. Und dementsprechend lief es. Meine Taktik sich ca. alle 10km ein Zuckergel zu gönnen und an den Verpflegungsstationen mit BrĂŒhe und Banane zu Versorgung lief reibungslos. Das Koffein aus den Gels und die wunderschöne Landschaft sorgten dafĂŒr dass die ersten 35km wie im Flug vergingen. Und auch die Zeit stimmte: 10km: ca. 49min. bei km 35 stand die Uhr bei ca. 3 Stunden. Ich liebĂ€ugelte mit einer Zeit unter 5 Stunden.
Erst ungefĂ€hr bei Kilometer 42 wurde es „anstrengend“. Der Weg zurĂŒck hielt, zwar gewusst, aber dennoch immer wieder erstaunlich, harte Bergaufpassagen bereit. Ich hatte fĂŒr ca. 3 km zu kĂ€mpfen, was fĂŒr meine bisherigen VerhĂ€ltnisse sehr in Ordnung war.
Am Ende finishte ich in 5:01:30. Eine Bombenzeit. fast 30 Minuten besser als noch vor einem Jahr.
Gerne hÀtte es unter 5 Stunden sein können aber dennoch war ich sehr zufrieden.
Und als ich dann noch in der Ergebnisliste sah, dass der nette Belgier mit dem ich eine ganze Weile lief und spÀter ca. 6 min nach mir in Zeil kam, Axel Zeebroek war konnte ich es kaum fassen.
Einen Profitriathleten, Ironmangewinner und Olympiateilnehmer hinter sich zu lassen, machte mich zurecht stolz.

NĂ€chstes Jahr dann gerne wieder. Oder vielleicht setze ich ja noch einen drauf und gönne mir ein verrĂŒckteres Rennen. Mal ĂŒberlegen.

39. Berliner 1/4 und 1/2 Marathonlauf (21,1km Einzel)

Kleinmachnow
In der Vorbereitung auf meinen dritten Über-20-km-Lauf lief ich den 40.
Friedrich-Ludwig-Jahn-Lauf in der Hasenheide und den 18. Hohen Neuendorfer Herbstlauf. In der Hasenheide konnte ich meine Zeit vom letzten Jahr deutlich unterbieten. In Hohen Neuendorf wurde wegen SturmschÀden eine andere Strecke als letztes Jahr gelaufen. Dort blieb ich unter 48 Minuten, Durchschnittsgeschwindigkeit: 13,166km/h. Dieses Ergebnis konnte ich im Training bestÀtigen.

Bei der Veranstaltung in Britz gibt es vier Rennen: Viertel- und Halbmarathon jeweils Einzel und Mannschaft. Die MannschaftslĂ€ufe dĂŒrften fĂŒr Laufen gegen Leiden, Spreeganer und Vegan Runners interessant sein.
Jede Mannschaft besteht aus vier LĂ€ufern/LĂ€uferinnen. Die Mannschaften starten im Abstand von 20 Sekunden. Nur Mannschaften, die geschlossen ins Ziel kommen, kommen in die Wertung.

Der Start fĂŒr die EinzellĂ€ufer war um 10 Uhr. Zum Halbmarathon traten 58 LĂ€uferinnen und LĂ€ufer an. SpĂ€ter startete u.a. der aus frĂŒheren Laufberichten bekannte Robert Boyde-Wolke. Er lief wieder in Nadelstreifenanzug und Zylinder und kam mit seiner Mannschaft beim Viertelmarathon auf Platz 3.

Ich hatte mir eine Zeit unter 100 Minuten erhofft. Aber es war nicht mein Tag. Vielleicht lag es an der KÀlte, vielleicht an den Windböen.
Ein paar Abschnitte der Strecke waren matschig. FĂŒr die erste Runde brauchte ich 51 Minuten. Meine zweite Runde war noch langsamer. Im Ziel wurden 1:44:12 fĂŒr mich gestoppt. Damit war ich deutlich langsamer als in Finsterwalde. Immerhin konnte ich die Aufmerksamkeit des lustigen Stadionsprechers erregen. Er fand, dass mein Hemd gut zum Rasen passte; er konnte nur Vegan Runners nicht richtig aussprechen.

Ich denke, das Rennen ist fĂŒr Mannschaften wirklich besser geeignet, und es gibt sicherlich schönere Laufveranstaltungen. StartgebĂŒhren, UmkleiderĂ€ume und Duschen waren in Ordnung. Im Ziel gab es Äpfel, Bananen und heißen Tee. Wenige Siegerehrungen. Urkunden zum Herunterladen im Internet.

Mein Abschluss 2017
8 WettkÀmpfe in der zweiten JahreshÀlfte. 5 Rennen in Brandenburg:
Trebbin, Hennigsdorf, Finsterwalde, Kleinmachnow, Hohen Neuendorf; 3 Rennen in Berlin: MÀrkische Aue, Hasenheide, Britz. 3 der 8 Rennen waren lÀnger als 20km: Trebbin, Finsterwalde, Britz. Ein 1. Platz in der AK
M45 am 17.09. in Kleinmachnow (Foto).

Solidarische GrĂŒĂŸe
Karsten

RĂŒckblick der Veranstalter:
http://www.stolpertruppe.de/2017/11/mannschaftslauf-2017/#more-5540
Bilder: http://www.stolpertruppe.de/bilder-vom-39-mannschaftslauf-2017/

Finsterwalder Dutzend, 09.09.17

Ein Bericht von Karsten Meyer.

In der Vorbereitung auf meinen zweiten Über-20-km-Lauf lief ich den Hennigsdorfer Citylauf (10,8 km in 50:17) und den Friedrichsfelder Gartenlauf (10,16 km in 47:09). Der Gartenlauf, bei dem ich meine Zeit um mehr als zweieinhalb Minuten verbessern konnte, fand leider zum letzten Mal statt. Der Citylauf in Hennigsdorf wechselte ungenau zwischen Straßen und Gehwegen, wobei die Straßenabschnitte nicht immer autofrei waren. Stefanie von Laufen gegen Leiden (Foto) wurde dort Zweite in ihrer Altersklasse. Im Training lief ich 12 km unter 57 Minuten.

Finsterwalde liegt in der Niederlausitz. Per Zug brauchte ich vom Bahnhof Lichtenberg mit Umstieg in Calau etwa eine Stunde und 45 Minuten. Vom Bahnhof Finsterwalde bis zum Stadion des Friedens waren es zu Fuß 20 Minuten.

Die Veranstaltung heißt Finsterwalder Dutzend, weil sie normalerweise zwölf Wettbewerbe umfasst. Die Marathonstrecke verlĂ€uft wohl auch durch zwölf Orte. Auch diesmal sollten es wieder zwölf Wettbewerbe sein, aber das Skating wurde wegen zu geringer Teilnahme abgesagt.

Start des Halbmarathons war um 15:45 Uhr MESZ. Nur 47 LĂ€uferinnen und LĂ€ufer traten an. Das Wetter war angenehm, nicht zu warm, nicht zu kalt.
Es nieselte leicht. Bei dem Wetter musste ich unterwegs nichts trinken.
An den meisten Verpflegungsstellen lief ich einfach vorbei. Ich nahm nur zwei ApfelstĂŒcke, die ich wĂ€hrend des Laufens langsam zerkaute.

Die Strecke war einfach, die Höhenunterschiede gering. Die meiste Zeit blieb ich locker und versuchte, gleichmĂ€ĂŸig zu laufen. Ich hĂ€tte mir die Kilometerzahlen der Verpflegungsstellen nicht merken mĂŒssen, denn an der Strecke wurden die restlichen Kilometer bis zum Ziel angezeigt. So wusste ich immer ungefĂ€hr, wie schnell ich war. Im Schlussteil der Strecke vermischte sich die Halbmarathon-Gruppe mit den Gruppen der anderen LĂ€ufe. Das war kein Problem. Auf dem letzten Kilometer, kurz vor dem Stadion, ging es noch ĂŒber matschigen Boden. Das fiel nicht mehr ins Gewicht. Meine Verfolger konnte ich auf Abstand halten. Obwohl ich niemanden mehr ĂŒberholen konnte, zeigte ich einen Endspurt auf der Tartanbahn. Ich liebe Endspurts auf Tartanbahnen.

Mit der Zeit von 1:42:37 bin ich zufrieden. Sie lÀsst auf eine 25-km-Zeit unter zwei Stunden hoffen. Die werde ich vielleicht nÀchstes Jahr laufen.

Die Veranstaltung ist sehr empfehlenswert. Da der Start am Nachmittag ist, muss man nicht allzu frĂŒh aufstehen, um pĂŒnktlich da zu sein.
StartgebĂŒhr fĂŒr den Halbmarathon: 16 Euro. Start und Ziel im Stadion des Friedens. Mehrere Verpflegungsstellen an der Strecke. Weitere Verpflegung im Ziel. Medaillen, Urkunden, Siegerehrungen. UmkleiderĂ€ume, Duschen. Finsterwalde ist nicht finster. Vielleicht werde ich nĂ€chstes Jahr dort die 28 km laufen.

Solidarische GrĂŒĂŸe
Karsten

Halbmarathon-Staffel in Potsdam, 30.08.17

Gruppenbild 1

2017 sind wir mit fĂŒnf Staffeln angetreten und haben großartige Erfolge erzielen können, unter anderem einen Sieg der Mixed-Staffel.
Dazu gab es ein reichhaltiges und köstliches selbstorganisiertes Buffet, sehr viel Spaß und gute Laune.

Sieger Mixed Staffel

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1. Trebbiner Naturlauf, 09.07.17


Trebbin liegt zwischen Ludwigsfelde im Norden, Zossen im Osten, Luckenwalde im SĂŒden und Beelitz im Westen. Von mehreren Berliner Bahnhöfen fahren RegionalzĂŒge (RE 3) dorthin. Vom U-Bahnhof Friedrichsfelde mit Umsteigen am Alex und am Potsdamer Platz brauchte ich etwas mehr als eine Stunde bis zum Bahnhof Trebbin. Zu Fuß vom Bahnhof Trebbin bis zum Start-/Ziel-Bereich an der Goethestraße waren es
15 Minuten.

Aus mehreren GrĂŒnden war mein Wintertraining schlecht bis gar nicht verlaufen. Im FrĂŒhling hatte ich lange gebraucht, um wieder in Form zu kommen. Anfang Juni hatte meine 10-km-Zeit noch ĂŒber 50 Minuten gelegen.
Ende Juni hatte ich die fĂŒr einen Halbmarathon geeignete Form erreicht.
Doch in den letzten Junitagen war mein Training gestört worden – erst durch einen KriebelmĂŒckenbiss am rechten Knie (Histamin im Speichel der KriebelmĂŒcke, geschwollenes Knie wegen HistaminunvertrĂ€glichkeit) und dann durch Dauerregen.

Der Naturlauf in Trebbin war meine erste Laufveranstaltung in diesem Jahr und mein erster Halbmarathon ĂŒberhaupt. Das Wetter passte: weniger als 20°, kaum Wind, starke Bewölkung. WĂ€hrend der zweiten HĂ€lfte des Rennens nieselte es leicht. Start war um 10 Uhr MESZ. Mehr als 100 LĂ€uferinnen und LĂ€ufer traten an. Ein bekannter aus frĂŒheren Laufveranstaltungen, Winfried, war dabei, aber ich war der einzige Vegan Runner.

Ich hatte das Profil der Strecke vorher im Internet gesehen, aber nicht den Boden. Böse Überraschung: feinster mĂ€rkischer Sand auf mehr als der HĂ€lfte der Strecke. Es war nicht nur ein Halbmarathon. Es war ein Crosslauf. Wald- und Feldwege und immer wieder Sand. Auf den letzten acht Kilometern musste ich ein paar Gehpausen einlegen. Aufmunternde Worte von LĂ€ufern, die an mir vorbeizogen.

Vor dem Start hatte ich gemeint, ich wĂŒrde etwa die gleiche Zeit wie Winfried laufen können. Ich wĂŒrde schneller angehen, aber er wĂŒrde mich am Ende wahrscheinlich einholen. So kam es dann auch. Auf dem letzten Kilometer zog er an mir vorbei. Winfried siegte in seiner Altersklasse.
Nach ĂŒber zwei Stunden kam ich endlich ins Ziel, total kaputt, dreckige Waden, Sand in den Schuhen. Platz 60 von 109. Ein Platz im mittleren Drittel. Immerhin.

Winfried hatte 22,3 km gemessen. Na toll! Auch noch mehr als ein Kilometer zu viel! Meine Zeit von 2:01:52h ist nicht als Maßstab fĂŒr meinen nĂ€chsten Halbmarathon-Versuch geeignet. Ein Vorteil ist, dass mir die TrainingslĂ€ufe auf festem Boden ab jetzt leichter fallen werden.

Die StartgebĂŒhr betrug 18 Euro. Die Veranstaltung war vorbildlich organisiert. Vor dem Start gab es einen Starterbeutel mit kleinen Überraschungen. Mehrere VerpflegungsstĂ€nde an der Strecke. Weitere Verpflegung im Ziel. Siegerehrungen, Pokale, Medaillen, Urkunden.
UmkleiderrÀume und Duschen. Empfehlen kann ich den Lauf aber nur jenen, die gerne auf Sand laufen.

Solidarische GrĂŒĂŸe
Karsten

 

Veranstalter: sc-trebbin.de

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Marathoncamp, 30.06.- 02.07.17

Nicole im Marathoncamp

Marathoncamp 30.06.- 02.07.2017

Ein besonderes Geburtstagsgeschenk


Wer hĂ€tte das gedacht, dass ich dieses Jahr beim 44. Berlin Marathon starte? Ich sicherlich am wenigsten. Letztes Jahr fieberte ich nach einem ErmĂŒdungsbruch noch vorm TV mit und kĂ€mpfte mich Anfang dieses Jahres mental und körperlich wieder zurĂŒck.
Das Highlight war fĂŒr mich der Halbmarathon beim BIG 25, den ich das erste Mal unter 2h finishte. Danach hat es mich wieder gepackt und ich war fast etwas traurig, dass ein Marathon dieses Jahr nicht mehr möglich war. Denn mein erster Marathon sollte natĂŒrlich der meiner Herzheimat sein und in Berlin ist es bekanntlich nicht so einfach einen Platz zu ergattern. Vor allem 4 Monate vorher
 Doch dann kam mein Geburtstag und meine bessere HĂ€lfte schenkte mir das Marathoncamp vom SMS Medical Institute, inklusive Startplatz
 Ihm lag viel daran mir damit eine Freude zu bereiten, aber auch mich gut vorbereitet zu wissen. Und das wurde ich definitiv


Das Camp ging drei Tage lang und begann mit einem Kennenlernen der weiteren 14 Teilnehmer*innen und der Vorstellung des professionellen Teams, das uns in den nĂ€chsten Tagen begleitete: Natalie Baron – Assistenz und Pacerin beim Laktattest, Dr. Matthias KrĂŒll – Fachmann fĂŒr PrĂ€vention und medizinische Fragen, Dr. Srdan Popovic – Coach und Biomechanik-Fachmann, Matthias Jaworski – Coach und Fachmann fĂŒr Leistungsdiagnostik und Lennart Sponar – Coach und Campleiter.

Hier seht ihr das komplette Programm:

Danach ging es zum Laktatfeldtest auf der Tartanbahn. Die Ergebnisse bekamen wir noch am selben Abend per Mail zugeschickt wodurch jeder zeitnah wusste, wo man in Bezug auf den Marathon leistungsspezifisch steht. Hierzu wurden wir auch entsprechend beraten. Alle Coaches hatten wĂ€hrend dem Wochenende, aber auch per Mailkontakt danach, immer ein offenes Ohr und gaben wertvolle Tipps in Bezug auf einen individuellen Plan, Laufstil, PrĂ€vention/ Vermeidung von Verletzungen sowie den richtigen Schuh. Auch ErnĂ€hrung rund ums laufen war natĂŒrlich ein Thema. Aber auch hier gab es ein gutes Miteinander und positive GesprĂ€che. Bei den Teilnehmer*innen waren einige dabei, die schon etliche Marathons und/oder UltralĂ€ufe bestritten hatten. Auch hieraus ergaben sich interessante GesprĂ€che, die mich fesselten und mich in meinem Vorhaben noch mehr bestĂ€rkten.

WĂ€hrend dem gesamten Wochenende fĂŒhlte ich mich ernst genommen in meinen Fragen und entsprechend wirklich gut beraten. So konnten viele Fragezeichen in meinem Kopf durch das Camp geklĂ€rt werden, was mich mental noch mehr stĂ€rkte und mir in Bezug auf die nĂ€chsten 12 Trainingswochen und den Marathon Sicherheit gegeben hat. Auch wurde ich in meiner Vorliebe in Bezug auf das nĂŒchtern laufen beim LDL bestĂ€rkt. Im Gegensatz dazu werde ich mich in den nĂ€chsten Wochen bei TempolĂ€ufen an selbstgemachte Gels herantasten.

Besonders beeindruckt hat mich der Vortrag zur Lauftechnik und der intensive Trainingsnachmittag hierzu. Aber auch der letzte Tag, der als aktives Element „nur“ ein LDL beinhalten sollte, ĂŒberraschte mich sehr und war letztendlich ein guter Abschluss. Hier ging es zum Tiergarten auf eine 3km Strecke was mich befĂŒrchten lies, dass es etwas eintönig werden wĂŒrde. Denn zunĂ€chst gaaanz langsames Pulstraining fĂŒr mich (nach Puls laufen fĂ€llt mir sehr schwer) und das 90-120min auf einer 3km Strecke. Doch auch hier kamen die Coaches bei jedem jeweils eine Runde mit und besprachen nochmal individuelle Themen und wiesen auf weitere wichtige Schwerpunkte im Training hin. Den LDL beendete ich nach knapp 90min da mein rechter Fuß anfing zu schmerzen. Ein leichtes zwicken bemerkte ich bereits einen Tag zuvor beim rĂŒckwĂ€rtslaufen. Denn auch das wurde mir wieder bewusst: Lerne auf deinen Körper zu hören und handele danach!

Rundum war es ein wirklich informatives, intensives und anstrengendes Wochenende bei dem ich jederzeit wieder teilnehmen wĂŒrde und somit nur empfehlen kann 😊.

Liebe GrĂŒĂŸe
Nicole

Die erste Leistungsdiagnostik


Die erste Leistungsdiagnostik

Das Marathontraining steht bevor, man sucht sich einen Trainingsplan heraus, sinnt ĂŒber neue Laufschuhe nach und ĂŒberlegt, die Energiegele nun doch endlich mal selbst herzustellen. Nachdem ich nun mehrere Monate, bzw. etwa ein halbes Jahr, eher gemĂŒtlich vor mich hintrainiert habe, mehr oder weniger regelmĂ€ĂŸig, hatte ich jetzt beschlossen, es mal wieder richtig anzugehen. Doch wo stehe ich nun, nach so langer Pause? Um das herauszufinden habe ich einen Termin im Zentrum fĂŒr Sportmedizin (Standort Olympiapark) gemacht und heute war es dann soweit.
FĂŒr mich war es die allererste Leistungsdiagnostik und entsprechend aufgeregt war ich. Da einige mich gefragt haben, wie so eine Diagnostik ablĂ€uft, versuche ich im Folgenden die wesentlichen Punkte grob darzustellen. Nach einer kurzen EinfĂŒhrung was mich heute erwartet, begann die Untersuchung mit einer Urinprobe. Es folgte dann das erste GesprĂ€ch mit dem Sportmediziner, in meinem Fall Frau Dr. Utsch. Sie checkte zunĂ€chst den Fragebogen (Erkrankungen in der Familie, Medikamente, Trainingspensum, Beschwerden
), den ich zuvor ausfĂŒllen musste. Dann wurden Puls und Blutdruck gemessen, die Beweglichkeit getestet, der Brustkorb abgehört, die WirbelsĂ€ule abgetastet und eventuelle Fehlstellungen wurden notiert. Anschließend ging es rein in die Sportklamotten. Bevor es auf das Laufband ging, wurden aber zunĂ€chst noch KörpergrĂ¶ĂŸe, -gewicht und -fettanteil ermittelt, sowie ein Lungenfunktionstest durchgefĂŒhrt.
Dann endlich, das Laufband. Allerdings erst nachdem ich erst an allen Ecken und Enden verkabelt worden bin (Belastungs-EKG) und einen Brustgurt zur Pulskontrolle angelegt bekommen habe. Jetzt aber. Drei Minuten lang ging es in einem gemĂŒtlichen Tempo ganz langsam los (6:30 min/km?). Es folgte eine 30-Sekunden-Pause, in der dann zum ersten Mal Blut aus dem OhrlĂ€ppchen fĂŒr den berĂŒhmten Laktattest abgenommen worden ist. Weiter ging es mit dem nĂ€chsten Belastungsintervall fĂŒr drei Minuten, diesmal etwas schneller, und anschließend wieder eine 30-Sekunden-Pause fĂŒr die Blutabnahme. Dieses Schema wiederholte sich und das Tempo wurde pro Zeitintervall immer um 20-30 Sekunden weiter gesteigert. Das Ende des Belastungstests ist quasi dann erreicht, wenn man merkt, dass das jeweilige Tempo nicht mehr gehalten werden kann. Nach einem kurzen Cool-Down war dann eigentlich auch schon alles vorbei.
Es ging unter die Dusche und dann wieder ins Sprechzimmer zur Auswertung. Alle aufgenommenen Werte werden besprochen, man erfĂ€hrt wo das eigene GA1-, GA2- und Tempolauf-Tempo liegt und ob die gesetzten Ziele auch realistisch sind, bzw. ob nicht sogar mehr geht. Die komplette Auswertung bekommt man wohl nach einigen Tagen per Mail zugesendet. Es besteht auch die Möglichkeit, zusĂ€tzlich ein großes Blutbild anfertigen zu lassen. Diese Option habe ich allerdings nicht wahrgenommen. Das ganze Prozedere dauerte 2.5 Stunden und die Kosten lagen bei 153 Euro. Ich persönlich fand den Test sehr hilfreich. Nicht nur, dass ich jetzt weiß wo ich leistungsmĂ€ĂŸig stehe, sondern auch, weil ich nun sicher sein kann, dass mit Herz und Kreislauf alles tip top ist und dem Marathontraining nichts mehr im Wege steht.

Liebste GrĂŒĂŸe,
Jessi

Links:
Zentrum fĂŒr Sportmedizin

Tiergartenstaffel, 16.06.17

Nach mehr als einem Jahr komme ich dazu, einige Zeilen zur Tiergartenstaffel 2017 zu schreiben. Man möge mir verzeihen, dass mir das nicht frĂŒher gelang. Und weil das doch schon etwas her ist, halte ich es relativ kurz.

Wir hatten unseren Spaß. – Soweit ich mich erinnern kann, war das Wetter relativ stabil und es regnete kaum. Das Picknick war wieder ausgezeichnet und die Stimmung super.
Wir gingen mit 4 Staffeln an den Start. Laufen gegen Leiden war ebenfalls mit einer Staffel dabei. Ich selbst war angeschlagen und ruhte und stĂ€rkte mich auf meinen „TeamkapitĂ€n“-Platz aus, mit Picknick-Naschereien, die bestĂ€ndig in meinen Mund plumpsten.

Unser schnelles Team 1 belegte sehr erfolgreich den 12. Platz des Tages und in der Gesamtwertung aller drei Lauftage den 24. Platz von insgesamt 5301 Teams!!! Einfach nur gut. – Aber auch unsere anderen Staffeln konnten wie gewohnt begeistern und waren wie immer ein echter Blickfang auf der Strecke. 😉

Ich war am Ende total platt. 😛 – Umso schöner und fĂŒr mich ein absoluter GĂ€nsehaut-Moment, als wir noch unser Gruppenfoto machten und die anderen statt „Cheese“ in Richtung Kamera „Danke, Auge!“ riefen. Das war wirklich toll, vielen Dank dafĂŒr!
(Wenn es am besten ist, soll man Schluss machen. Bericht-Ende.)

🙂
Auge

Alle Fotos:

Getting Tough, 10.06.17

Steve Klockow in Aktion

Ein brennender Nachmittag in der sonnigen Hölle von Mellrichstadt.

Der Name: „Getting Tough“ steht an sich fĂŒr EiseskĂ€lte, Leiden und Schmerzen. Das ist es, was in mir so viel Leidenschaft erweckt. Manche Leute mögen Kegeln, Spazieren oder Fischen, ich mag es Menschen vor Schmerzen leiden zu sehen 😀

Es ist nicht das Leiden an sich, sondern mehr die Tatsache, dass diese Leute Schmerzen ertragen, sich aber trotzdem nach Vorne kĂ€mpfen. Dieses GefĂŒhl „nicht aufzugeben“ weckt in mir sehr viel Motivation und WĂ€rme. Und im Feuer von Mellrichstadt war da einiges möglich.

Nach anfĂ€nglichen Wartezeiten wegen NaturschĂŒtzern, die einen besonderen Uhu vor uns retten wollten, ging es los. Die Sonne brannte. Wie immer halb nackt, mit Flipflops oder barfuß ging ich mit den Sturmwölfen zur Startlinie.

Selbst dem Kalinator vielen meine dĂŒrftigen oder fehlenden Fußkleider auf und er fragte mich durchs Mikro, ob das tatsĂ€chlich mein Ernst sei. Meine Antwort Ă€ußerte sich in einem entspannten LĂ€cheln.

Wenn ich mich selbst frage, warum ich das immer tue, gebe ich mir immer wieder die selbe Antwort: „Ich liebe es unter den schwierigsten Bedingungen das Beste zu erreichen.“ Ich kam untrainiert, mit dickem Bauch, bei brennender Sonne, ohne Sonnencreme und ohne Schuhe. Meine Gedanken waren fokussiert. Niederlage, Aufgeben oder mich zu verletzen gab es in meinen Gedanken nicht. Ich wĂ€re auch weiter gelaufen, wenn ich mich verletzt hĂ€tte. So lange ich mich bewegen kann, komme ich durchs Ziel.

Der Startschuss fiel. Jetzt ging es los: Nun ist alles gefragt und es geht nur noch darum, wie hart du bist und was du ertragen kannst oder ob du zusammenbrichst. Was steckt in dir und wie weit gehst du wirklich?

Ich liebe es!

MĂ€nner, Frauen, alles von klein, dick, groß, schlank dabei. Die meisten natĂŒrlich muskulös, aber eben nicht alle. Und ich glaube, es zĂ€hlen nicht die Muskeln, sondern die Gedanken. Du stehst und fĂ€llst mit dem Kopf. Wenn du dich den Schmerzen ergibst, hast du verloren, egal, wie gut dein Körper trainiert ist.

Mein Geist ist stark. Mein Körper wird meinen Gedanken folgen. Und so krochen, rannten und sprangen wir in den Schlamm und die WassergrÀben.

Das ist schon alles nett, doch wie kann man einen Sommerlauf auch richtig hart machen?, wo in den WinterlĂ€ufen doch sonst die KĂ€lte das grĂ¶ĂŸte Hindernis ist.

Die Antwort war klar: „mit vielen harten und gemeinen Hindernissen“.

Nach gefĂŒhlten fĂŒnf Minuten war es soweit. Wir bekamen einen Sandsack auf die Schultern, der (wenn es mich nicht tĂ€uscht) 35 Kg schwer war. Nun ging es erstmal bergauf mit dem Sandsack, 1,9 Km lang.

Schnell machte sich bei mir das fehlende Training bemerkbar und ich schnaufte wahnsinnig wenn es hochging, und es ging sehr weit hoch.

Schritt fĂŒr Schritt. Ich versuche den Sandsack so auszubalancieren, dass ich so wenig Kraft wie möglich nutzen muss. Ein StĂŒck nach vorne zieht zu sehr nach vorn, zu weit nach hinten ist auch nicht so leicht, aber doch leichter als nach vorne, also trage ich ihn ein bisschen nach hinten geneigt.

Endlich auf dem Gipfel angekommen, ging es nun wieder bergab. Ich war jetzt schon ganz schön alle, wollte langsam gehen, hatte aber immer noch den Sandsack auf den Schultern. Ich beschloss also einen leichten Laufschritt einzulegen, um den kraftraubenden und verdammt schweren Sandsack schneller los zu werden.

Alle Wölfe außer mir waren trainiert, also alle schon lange weg.

Endlich sah ich das Ende dieser Etappe. Mein Schritt wurde schneller. Sandsack weg und weiter. „Jetzt wieder schneller laufen und die anderen einholen“. Einziges Problem: „Scheiße, ich bin total alle“. Ein unglaublich schönes PhĂ€nomen ist aber, dass man sich nach einer solchen Tortur sehr sehr leicht und befreit fĂŒhlt. Die Last auf meinen Schultern war weg und sie fĂŒhlten sich total geschmeidig an.

Nun lief ich was die Beine hergaben.

HolzwĂ€nde waren zu ĂŒberwinden, ca. 2,5 Meter hoch.

Die anderen LĂ€ufer waren von meiner fehlenden Fußbekleidung angetan und wĂŒrdigten es mit eilender Hilfe.

Nun war es fĂŒr mich an der Zeit wieder neue Menschen in mein Herz zu lassen.

Martin (mein neuer Held) rannte jedes Mal vor, wenn eine Wand kam und half mir mit einer RĂ€uberleiter drĂŒber zu kommen.

Beim ersten Mal bedankte ich mich, beim zweiten Mal lĂ€chelte ich schon mehr und beim dritten Mal nahm ich ihn in den Arm und dankte ihm herzlich, dass er mir diese MĂŒhe ersparte.

Ich liebe diesen Zusammenhalt. Wir haben uns vorher noch nie gesehen und helfen uns doch in den schwierigsten Situationen. Sowas verdient Respekt und Anerkennung.

Doch ich bin ein KĂ€mpfer und wollte mehr. Das Blut kochte in meinen Adern und ich musste mehr erreichen. Also rannte ich nach der dritten Wand nach vorn und nahm die kommenden WĂ€nde allein. Fuß an die Seite auf den StĂŒtzbalken und das andere Bein drĂŒber geschwungen. So ging es auch sehr schnell und vor allem allein. Jetzt kam der Wolf in mir zum Vorschein und ich rannte wie besessen.

Immer wieder kam ich in Situationen in denen der Boden so steinig war, dass ich am liebsten meine Flipsis angezogen hĂ€tte. Wenige Meter spĂ€ter sah ich aber wieder Schlamm und so ließ ich sie aus.

Ich liebe es barfuß zu laufen. Es ist wie eine Passion fĂŒr mich, mich natĂŒrlich zu bewegen. Viele Menschen mögen anders darĂŒber denken, aber ich liebe es. Die Haut der FĂŒĂŸe wird mit der Zeit auch immer hĂ€rter und so kann ich mittlerweile auch immer steinigere Strecken unten ohne laufen.

Nur fĂŒr besonders harte Stellen habe ich die Flipflops bei. Wenn es gefĂ€hrlich wird, weil die Steine im Untergrund durchgehend scharfkantig sind, zieh ich die kleinen Scheißer an um mich doch noch etwas zu schĂŒtzen.

Vom Ehrgeiz gepackt lief ich schneller und schneller. Nun kam ein neuer Gegner: „die Sonne“. Selbstredend habe ich vergessen, Sonnencreme aufzutragen. Ich creme mich so gut wie nie ein und dachte, es wird schon nicht so schlimm werden. Fazit: „es war die Hölle“. Meine Haut brannte von oben bis unten und ich war erst wenige Kilometer unterwegs. Da kam noch einiges und ich musste etwas tun.

Krebsrot dachte ich erst an Pflanzen. Spitzwegerich (sieht so Ă€hnlich aus wie Löwenzahn) bringt gute Heilung, aber nur, wenn man dann nicht mehr in der Sonne ist. Ich war aber noch ĂŒber Stunden in der Sonne unterwegs. Ich brauchte etwas, was die Haut abdeckt und kĂŒhlt. Klar, ich war ja im Wald.

Und was gibt es im Wald zur GenĂŒge? Schlamm!

Ich hielt an der nĂ€chsten PfĂŒtze an und rieb meine Schultern und meinen Hals mit Schlamm ein. Er kĂŒhlte fein. Die Haut war auch schon recht rot und heiß. Es war höchste Zeit zu handeln. Der Schlamm tat mir gut und ich rieb mich stark damit ein, damit keine Sonne mehr auf die Haut kam.

Wenn ich andere LĂ€ufer nun sah, waren die Reaktionen immer in zwei Kategorien aufgeteilt.

1. (verwundert) „Warum machst du das?“ – „Weil ich mir sonst die Haut stark verbrenne.“
2. (mit einem dicken Grinsen) „Cool, das machen die Wildschweine, Elefanten und sĂ€mtliche, andere Waldtiere auch.“

Egal, gelÀchelt und weiter, es gibt noch viel zu tun und wir sind noch nicht am Ziel.

Ich nehme die Hindernisse meist sehr schnell und leicht. Immer wieder merke ich, dass ich ziemlich gut mit den Hindernissen umgehen kann. Wenn andere Leute manchmal zwei Minuten dafĂŒr brauchen, bin ich meist in 20 Sekunden drĂŒber, dafĂŒr stinke ich total beim Laufen ab, regelmĂ€ĂŸiges Training ist eben noch nicht so meine StĂ€rke.

Ich konnte die meisten Hindernisse also sehr schnell nehmen und holte sogar meine Wölfe manchmal wieder ein. Aber einmal eingeholt, waren sie bei der nÀchsten Laufstrecke auch schon wieder verschwunden.

Nicht so schlimm, ich kann auch mal allein laufen. Der Matsch kĂŒhlte meine Haut und schĂŒtzte mich vor der brennenden Sonne. Ich fĂŒhlte mich wie ein Urmensch, aber es sah auch verdammt klasse aus 😀

Im Wald war es schattig, viele kleine, abgefuckte Übungen, Steine fĂŒr 100 Meter tragen, Holzscheiben 100 Meter tragen, SandsĂ€cke …, Kugeln …..

Mein Körper schrie nach Wasser und NĂ€hrstoffen. Zum GlĂŒck gab es Martin und seinen Freund Andreas, die mir eine dopingartig wirkende Kaumasse gaben. Andreas sagte mir: „einmal zerbeißen, in beide Backen legen und nicht weiter kauen, einfach zerlaufen lassen“. Gesagt, getan …, sofort hatte ich wieder Power und legte weiter los. Mit dicken Hamsterbacken (wegen dem Gummizeug) lief ich mit großen Schritten, gestĂ€rkt, weiter.

Endlich kam mal wieder ein Hindernis meines Geschmackes. Ein GerĂŒst mit quer liegenden Holzstangen. Über eine Stange drĂŒber klettern unter der nĂ€chsten unten durch (in 1,5 Meter Höhe), ohne runter zu fallen. Endlich durfte ich mal wieder etwas meinem Kopf einsetzen und mit relativ guter körperlicher Geschmeidigkeit glĂ€nzen 😀

Ich meisterte die Aufgabe phantastisch und scheiterte bei der letzten Stange. Schei… runtergefallen, 30 Burpees (in LiegstĂŒtzposition stehen, dann in die Hocke gehen und einen Hockstrecksprung machen)

Doch alles egal, es gab Wasser!

Kraftgetankt, weiter geht es, die HĂ€lfte ist geschafft. Der Wald zieht sich, doch die Wege sind mit viele kleinen Hindernissen wie Holz, Ästen und spitzen Steinen gefĂŒllt. Ich fokussiere mich auf die Grasnarben und laufe immer im weichen, wenn ich eine Stelle sehe.

Heute will ich mich mal nicht verletzen. Ich reiße mir oft genug die FĂŒĂŸe in den LĂ€ufen auf, damit soll heute Schluss sein. Heute will ich verletzungsfrei ins Ziel kommen. Doch selbst wenn es passiert, mache ich weiter.

Sowas kann theoretisch bei jedem Schritt passieren, also mache ich mir keine Gedanken darĂŒber und laufe einfach weiter.

Aus dem Wald geht es wieder in die Sonne und bald zum Steinbruch.

Was fĂŒr eine unfassbar schöne Umgebung. Tief beeindruckt laufe ich zu den Klippen, wo ich viele Leute warten sehe. Ich geselle mich zu ihnen und schaue was dort passiert.

Es ist eine Bergschlucht, an der man sich mit einem Seil ablassen muss. Einige LĂ€ufer sind sehr sehr schnell, andere sehr Ă€ngstlich und daher langsam. Die Schlucht ist steil und das Abseilen alles andere als alltĂ€glich. Ich verstehe jede Angst. Doch da mir der RĂŒcken von der Sonne brennt, drĂ€ngle ich mich höflich und mit einem freundlichen LĂ€cheln vor.

Ich lasse mich, ohne Schuhe, in die Schlucht hinab. Unten geht es zu einem steinigen Kreis von ca 100 Metern. Dort sollen wir eine Holzpalette mit zwei SandsĂ€cken (ca. 70 Kg) ziehen. Ich gehe zu einem LĂ€ufer, der fertig ist und sage ihm: „gib mal her, ich ĂŒbernehme ab hier“. Im nĂ€chsten Moment breche ich fast zusammen, weil ich so gut wie gar nicht voran komme. Schei… ist das Ding schwer zu bewegen. Ich kĂ€mpfe stark, weil ich mit den Flipflops nur schlecht auf dem Schotter weiter komme. Die Runde zieht sich sehr sehr lang, aber auch dieses Hindernis ist irgendwann geschafft.

Direkt danach geht es bergab, weiter in die Schlucht. Ich bin verwirrt, weil ich zwei Wege sehe, erst spÀter bemerke ich den Pfeil mit der Richtung, die wir nehmen sollen.

In der Schlucht angekommen, sehe ich einen der Helfer, der mir sagt, dass es nun nach oben geht.

Mit einem Blick nach oben fange ich gedanklich an zu stottern. Der scheiß Berg ist echt hoch und super steil. In solchen Situationen bekommt man sogar mich manchmal zum fassungslosen Staunen. Wenn ich mit einer Sache ĂŒberfallen werde, mit der ich ĂŒberhaupt nicht gerechnet habe.

Also bergauf und hoch hinaus.

Der Untergrund ist Gift fĂŒr meine FĂŒĂŸe. Alles gesplitterte Steine, sau scharf. Ich ziehe die Flipflops an und gehe ganz vorsichtig hoch, nur nicht zur Seite fallen, denn der Berg ist steil und die Steine sind scharf.

Mit viel FeingefĂŒhl, das ich noch nicht verloren habe, gehe ich Schritt fĂŒr Schritt. Oben angekommen, gibt es die nĂ€chste Gemeinheit. Einen Eimer voller kleiner Steine tragen. Ich weiß nicht wie schwer er ist (sau schwer), aber ich sehe die anderen schon sehr stöhnen. Da ich ihn relativ gĂŒnstig auf den Nacken, zwischen die Schultern lege, komme ich recht gut voran. Die 100 Meter habe ich nun auch geschafft.

Es geht weiter in eine Heide. Dummerweise sehe ich in der Ferne (links von mir, mehrere hundert Meter entfernt) LĂ€ufer und weiß, dass es jetzt eine ganze Weile erstmal in der Sonne weiter geht.

Ich höre auf zu denken und nehme den Weg. Schritt fĂŒr Schritt. Die Sonne brennt, doch der Schlamm hĂ€lt sich ganz gut auf meinen Schultern. trotzdem will ich so schnell wie möglich wieder aus der Sonne kommen. Ich halte den Laufschritt, fast geradlinig. Manchmal muss ich doch gehen, da es einfach zu anstrengend ist.

Die HĂ€lfte der Strecke ist geschafft. Ich sehe wenige hundert Meter vor mir andere LĂ€ufer. Bis ich merke, dass ich an eine Kreuzung komme, an der ich noch eine ganze Strecke nach rechts und spĂ€ter links laufen muss, deprimierend aber nicht zu Ă€ndern. Wieder höre ich auf zu denken und konzentriere mich auf die Schritte. Ich atme gut, der Schritt funktioniert, die Schultern sind durch den Schlamm geschĂŒtzt, zwischendurch kommt etwas Wind. Ich fĂŒhle mich also gut.

Ich sehe das Ende des Weges. Schnell einen Stein weit werfen und ab zur nĂ€chsten Wasserstation. Endlich gibt es sogar Bananen. Nach zwei Bananen ist der Kraftspeicher und der Magen wieder gefĂŒllt. Ich kann mich etwas besser bewegen doch mir fehlt das Salz.

Ich kriege langsam kleine KrÀmpfe und das dehnen reicht nicht mehr. Schlimmer wird es bei den nÀchsten Hindernissen.

Ich komme dem Killingfield langsam nĂ€her. Aber wie heißt es immer so schön, das Beste kommt zuletzt.

Ich laufe mit großer Freude weiter, weil ich weiß, dass ich bald dort bin. Endlich kann ich die Sturmwölfe wieder sehen, mit Ihnen heulen und natĂŒrlich meine Freundin erblicken, die am Ziel schon auf mich wartet.

Ich komme ins Killingfield und nehme die nĂ€chsten Schlammlöcher. Jedes einzelne mit Bedacht. Immer StĂŒck fĂŒr StĂŒck. Wenn ich jetzt zu ĂŒberhastet bin, verletze ich mich vielleicht noch. Also alles mit viel FeingefĂŒhl meistern. Das Wasser ist kĂŒhl, aber die Berge sind rutschig, so rutschig, dass ich mir etwas ĂŒberlegen muss um aus den WassergrĂ€ben wieder raus zu kommen. Es ist nicht leicht, aber ich finde einen Weg.

An den hohen Balken, die jetzt kommen, scheitere ich beim ersten Anlauf. Doch ich gebe ich nicht auf. Der zweite Anlauf ist schneller und mit genug Power komme ich auch drĂŒber. Auf den nĂ€chsten Tonnen, die ich ĂŒberqueren muss bekomme ich starke KrĂ€mpfe. Die Wade total verkrampft und verhĂ€rtet. Ich strecke das Bein vor Schmerzen. Andere LĂ€ufer wollen mir helfen und dehnen es ein bisschen. Unter starken Schmerzen muss ich kurz sitzen bleiben. Jetzt beginnt der interessante Teil des Laufes.

Ich bin schon so ausgelaugt, dass ich kaum noch FeingefĂŒhl habe und die Schmerzen von Mal zu Mal stĂ€rker werden. Nun kommt es darauf an. Jetzt kann ich zeigen, aus welchem Holz ich geschnitzt bin.

Als ich mich wieder bewegen kann, klettere ich von der Tonne runter und dehne die Wade. Ich werde nun vorsichtig sein, dass ich das Bein nicht mehr so stark einbeuge, so ist die Wahrscheinlichkeit fĂŒr WadenkrĂ€mpfe geringer.

Jetzt wird es fies. Direkt am Ende, wo kein Mensch mehr Kraft hat, kommt es dick, Hangelhindernisse. Ich sehe sie und denke nichts freundliches…

Ich gehe zu dem Helfer und frage ihn, was ich machen muss, wenn ich es nicht schaffe, mich ĂŒber den Parkour zu hangeln. Er sagt, dass ich zur Strafe eine Steinkugel tragen muss.

Ich schaue nach der Steinkugel, lÀchle ihn an und gehe durch das Hangelhindernis durch, direkt zur Strafstelle und absolviere die Strafe mit der Kugel.

Ich finde es immer witzig, wenn die Strafe leichter ist als die Übung, die man machen soll, um keine Strafe zu bekommen. Die Kletterwand schaffe ich auch nicht mehr, da ich kaum noch FeingefĂŒhl in mir habe. Ich setze diese Strafe also gleich noch mit hinten dran. Wieder KrĂ€mpfe in der Wade, aber ich bin auch schon fast am Ende.

Jetzt wieder ein Hangelhindernis. Ich hangele mich tatsÀchlich bis zum Ende durch und sehe eine Wand, so wie man sie mit einem Fahrrad oder Skateboard hochfÀhrt. Ich sehe, wie die Leute mit starkem Anlauf dort hoch rennen und versuchen die HÀnde der anderen im Sprung zu greifen.

Weil ich dort ein Seil hĂ€ngen sehe, bin ich ein bisschen verwundert und gehe ganz entspannt dort hin um das Seil zu greifen. Ich gehe relativ geschmeidig hoch und werde von den anderen hochgezogen. Ich reiße das Bein ein letztes Mal hoch und rolle mich auf die Plattform. Das Bein schön gestreckt halten, damit es nicht wieder krampft.

Auf der anderen Seite muss man runter ins Wasser rutschen. Als ich im Wasser lande, bin ich ein bisschen orientierungslos, weil ich nicht weiß, wo es raus geht. Schon relativ verwirrt, folge ich der Richtung, die mir die Leute mit dem Finger zeigen.

Als ich raus klettere sehe ich auf einmal, dass ich schon im Ziel bin. Endlich kann ich fast alle Sturmwölfe und meine Freundin in die Arme schließen. Die Medaille ist wie immer wunderschön!

Fazit: Da haben sich der Kalinator und der Capitano doch ganz schön was einfallen lassen.

FĂŒr mich persönlich waren es zu viele Hindernisse, an denen man wirklich etwas schaffen musste. Ich bin ja eher so der Typ, der gern mit Geschmeidigkeit und Lösungen an schwere Hindernisse heran geht. Ich mag es mehr meinen Kopf einzusetzen. Wenn ich aber nur Kugeln tragen muss, kommt der Kopf meist zu kurz.

Im selben Moment sagt mir das aber auch, dass ich endlich mal beginnen sollte zu trainieren, aber das sage ich mir auch nach jedem anderen Lauf 😀

Mein Fazit ist also: Es war hart und gut, aber im Enddefekt ersetzt nichts die KĂ€lte des Winters. Die KĂ€lte macht fĂŒr mich den grĂ¶ĂŸten Reiz aus. Die Sonne war auch hart, aber ich konnte sie mit Schlamm ĂŒberlisten, und auch wenn er regelmĂ€ĂŸig getrocknet und dadurch abgefallen ist, hat es super funktioniert.

Resultat: Schmerz geht, Stolz, Muskelkater und Sonnenbrand bleiben noch ein paar Tage.

Treppenmarathon Radebeul, 22/24.04.17


Das vierte Mal nun sind wir angemeldet zum Mt.Everest Treppenmarathon.
Die ursprĂŒngliche Aufregung vor der Anstrengung ist verflogen. Das leidige Problem mit den abspringenden Teammitgliedern ist geblieben.
Eigentlich waren FĂ©lix, Emile und Ich angemeldet. Diesmal mussten wir den Leidensweg ein weiteres Mal ohne Emile nehmen, der aus persönlichen GrĂŒnden nicht dabei sein konnte. Immerhin fanden wir mit Jens NĂ€hler, einem erfahrenen Trail LĂ€ufer und Vegan Runner, relativ schnell Ersatz.

Und eigentlich kann ich Jens‘ ursprĂŒnglichen FB Bericht nichts mehr beifĂŒgen:

Heute war Staffel, die sogenannte Dreierseilschaft, angesagt, Start um 0 Uhr ĂŒber 100 Runden in Radebeul. Das sind: 84,390 km mit 8848 m Höhenunterschied. 39.700 Stufen aufwĂ€rts, 39.700 abwĂ€rts. Dazu am Ende der Treppe eine Steigung, wie sie manch einer in der Woche nicht rennt. Und oben auch.

Weil Felix (im Bild mitte) leider nach 15 von ihm gelaufenen Runden verletzt ausfiel, haben Pit und ich allein weitergemacht – wohl wissend, dass wir aus der Wertung fallen (weil jeder der drei LĂ€ufer mindestens 25 Runden absolviert haben muss), obwohl wir mehr rennen mĂŒssen. Dabei sein ist alles…
Der Treppenmarathon war definitiv das HĂ€rteste, das ich lĂ€uferisch bisher je gemacht habe. Nicht zu vergleichen mit irgendwas! Und es gibt Athleten, die laufen 24 Stunden allein, um mindestens die 100 Runden zu erreichen, mit denen man den Mt. Everest erklommen hĂ€tte! In der Staffel (Seilschaft) geht es dagegen darum, dieses Ziel möglichst schnell zu schaffen. Ich habe den allergrĂ¶ĂŸten Respekt vor allen LĂ€ufern – gegen diese Treppe sind die Kaskadentreppen in Kassel, obwohl mehr und lĂ€nger, eine Wohltat fĂŒr die Beine…
Am Ende behaupteten wir unseren zweiten Platz – trotz eines LĂ€ufers weniger sogar mit fast drei Runden Vorsprung – und sind zumindest fĂŒr uns trotzdem zweiter Sieger (der Herzen).
War eine Lektion in Sachen Mentaltraining fĂŒr mich: Als irgendwann feststand, dass Felix definitiv nicht mehr wĂŒrde laufen können, wollte ich ernsthaft abbrechen, weil ich mir weitere 28 Runden nicht zutraute. Und wir Sonne erst erhielten, als wir im Ziel waren. Davor: Nacht, Wind, Regen, KĂ€lte, Hagel – und damit einhergehende Erschöpfung. Man muss sich das runterrechnen, kleine Ziele setzen. Wir legten dann fest, doppelte Runden zu laufen – so waren es dann nur noch 14 x 2 Runden. Und wenn man erst bei Runde zehn ist, steigt man dann auch nicht mehr aus (auch wenn die zehn zwanzig Runden entspricht).
Jede einzelne Runde war hart – aber am Ende war ich meist sogar in der zweiten Runde schneller als in der ersten und blieb hintenraus erstaunlich konstant auf gutem Niveau mit etwa 7:40 min pro Runde. Bei jeder Runde musste ich auf die ZĂ€hne beißen und fluchen. Aber aufgeben? Never. Klingt etwas pathetisch, ist es auch. Doch ich wollte diese Herausforderung unbedingt meistern.
Am Ende lief ich 43 Runden, 3800 HM. Wir waren in etwas ĂŒber 12 Stunden durch. Man stellt einfach immer wieder fest, dass man viel mehr leisten kann als man zuvor vermutet hat.

Fazit: Ein großartig, hochanspruchsvolles Event, das heute besseres Wetter verdient hĂ€tte.
Danke an meine MitlĂ€ufer, die tolle Orga, die netten Helfer, die herrliche Massage und die Zuschauer, die sich an die Strecke verirrt haben. Und einen ganz besoderen Dank an Claudine, die unermĂŒdlich unsere Zeiten notierte und uns die ganze Nacht und den Rest unterstĂŒtzte! Wow. ïżŒ👍
Ach ja: Ich bin fix und alle und mĂŒde.

Pit Reger und Jens NĂ€hler

Weitere Links:
Erfahrungsbericht eines anderen LĂ€ufers
– Veranstalterseite: SĂ€chsischer Mt. Everest Treppenmarathon