Getting Tough, 10.06.17

Steve Klockow in Aktion

Ein brennender Nachmittag in der sonnigen Hölle von Mellrichstadt.

Der Name: „Getting Tough“ steht an sich fĂŒr EiseskĂ€lte, Leiden und Schmerzen. Das ist es, was in mir so viel Leidenschaft erweckt. Manche Leute mögen Kegeln, Spazieren oder Fischen, ich mag es Menschen vor Schmerzen leiden zu sehen 😀

Es ist nicht das Leiden an sich, sondern mehr die Tatsache, dass diese Leute Schmerzen ertragen, sich aber trotzdem nach Vorne kĂ€mpfen. Dieses GefĂŒhl „nicht aufzugeben“ weckt in mir sehr viel Motivation und WĂ€rme. Und im Feuer von Mellrichstadt war da einiges möglich.

Nach anfĂ€nglichen Wartezeiten wegen NaturschĂŒtzern, die einen besonderen Uhu vor uns retten wollten, ging es los. Die Sonne brannte. Wie immer halb nackt, mit Flipflops oder barfuß ging ich mit den Sturmwölfen zur Startlinie.

Selbst dem Kalinator vielen meine dĂŒrftigen oder fehlenden Fußkleider auf und er fragte mich durchs Mikro, ob das tatsĂ€chlich mein Ernst sei. Meine Antwort Ă€ußerte sich in einem entspannten LĂ€cheln.

Wenn ich mich selbst frage, warum ich das immer tue, gebe ich mir immer wieder die selbe Antwort: „Ich liebe es unter den schwierigsten Bedingungen das Beste zu erreichen.“ Ich kam untrainiert, mit dickem Bauch, bei brennender Sonne, ohne Sonnencreme und ohne Schuhe. Meine Gedanken waren fokussiert. Niederlage, Aufgeben oder mich zu verletzen gab es in meinen Gedanken nicht. Ich wĂ€re auch weiter gelaufen, wenn ich mich verletzt hĂ€tte. So lange ich mich bewegen kann, komme ich durchs Ziel.

Der Startschuss fiel. Jetzt ging es los: Nun ist alles gefragt und es geht nur noch darum, wie hart du bist und was du ertragen kannst oder ob du zusammenbrichst. Was steckt in dir und wie weit gehst du wirklich?

Ich liebe es!

MĂ€nner, Frauen, alles von klein, dick, groß, schlank dabei. Die meisten natĂŒrlich muskulös, aber eben nicht alle. Und ich glaube, es zĂ€hlen nicht die Muskeln, sondern die Gedanken. Du stehst und fĂ€llst mit dem Kopf. Wenn du dich den Schmerzen ergibst, hast du verloren, egal, wie gut dein Körper trainiert ist.

Mein Geist ist stark. Mein Körper wird meinen Gedanken folgen. Und so krochen, rannten und sprangen wir in den Schlamm und die WassergrÀben.

Das ist schon alles nett, doch wie kann man einen Sommerlauf auch richtig hart machen?, wo in den WinterlĂ€ufen doch sonst die KĂ€lte das grĂ¶ĂŸte Hindernis ist.

Die Antwort war klar: „mit vielen harten und gemeinen Hindernissen“.

Nach gefĂŒhlten fĂŒnf Minuten war es soweit. Wir bekamen einen Sandsack auf die Schultern, der (wenn es mich nicht tĂ€uscht) 35 Kg schwer war. Nun ging es erstmal bergauf mit dem Sandsack, 1,9 Km lang.

Schnell machte sich bei mir das fehlende Training bemerkbar und ich schnaufte wahnsinnig wenn es hochging, und es ging sehr weit hoch.

Schritt fĂŒr Schritt. Ich versuche den Sandsack so auszubalancieren, dass ich so wenig Kraft wie möglich nutzen muss. Ein StĂŒck nach vorne zieht zu sehr nach vorn, zu weit nach hinten ist auch nicht so leicht, aber doch leichter als nach vorne, also trage ich ihn ein bisschen nach hinten geneigt.

Endlich auf dem Gipfel angekommen, ging es nun wieder bergab. Ich war jetzt schon ganz schön alle, wollte langsam gehen, hatte aber immer noch den Sandsack auf den Schultern. Ich beschloss also einen leichten Laufschritt einzulegen, um den kraftraubenden und verdammt schweren Sandsack schneller los zu werden.

Alle Wölfe außer mir waren trainiert, also alle schon lange weg.

Endlich sah ich das Ende dieser Etappe. Mein Schritt wurde schneller. Sandsack weg und weiter. „Jetzt wieder schneller laufen und die anderen einholen“. Einziges Problem: „Scheiße, ich bin total alle“. Ein unglaublich schönes PhĂ€nomen ist aber, dass man sich nach einer solchen Tortur sehr sehr leicht und befreit fĂŒhlt. Die Last auf meinen Schultern war weg und sie fĂŒhlten sich total geschmeidig an.

Nun lief ich was die Beine hergaben.

HolzwĂ€nde waren zu ĂŒberwinden, ca. 2,5 Meter hoch.

Die anderen LĂ€ufer waren von meiner fehlenden Fußbekleidung angetan und wĂŒrdigten es mit eilender Hilfe.

Nun war es fĂŒr mich an der Zeit wieder neue Menschen in mein Herz zu lassen.

Martin (mein neuer Held) rannte jedes Mal vor, wenn eine Wand kam und half mir mit einer RĂ€uberleiter drĂŒber zu kommen.

Beim ersten Mal bedankte ich mich, beim zweiten Mal lĂ€chelte ich schon mehr und beim dritten Mal nahm ich ihn in den Arm und dankte ihm herzlich, dass er mir diese MĂŒhe ersparte.

Ich liebe diesen Zusammenhalt. Wir haben uns vorher noch nie gesehen und helfen uns doch in den schwierigsten Situationen. Sowas verdient Respekt und Anerkennung.

Doch ich bin ein KĂ€mpfer und wollte mehr. Das Blut kochte in meinen Adern und ich musste mehr erreichen. Also rannte ich nach der dritten Wand nach vorn und nahm die kommenden WĂ€nde allein. Fuß an die Seite auf den StĂŒtzbalken und das andere Bein drĂŒber geschwungen. So ging es auch sehr schnell und vor allem allein. Jetzt kam der Wolf in mir zum Vorschein und ich rannte wie besessen.

Immer wieder kam ich in Situationen in denen der Boden so steinig war, dass ich am liebsten meine Flipsis angezogen hĂ€tte. Wenige Meter spĂ€ter sah ich aber wieder Schlamm und so ließ ich sie aus.

Ich liebe es barfuß zu laufen. Es ist wie eine Passion fĂŒr mich, mich natĂŒrlich zu bewegen. Viele Menschen mögen anders darĂŒber denken, aber ich liebe es. Die Haut der FĂŒĂŸe wird mit der Zeit auch immer hĂ€rter und so kann ich mittlerweile auch immer steinigere Strecken unten ohne laufen.

Nur fĂŒr besonders harte Stellen habe ich die Flipflops bei. Wenn es gefĂ€hrlich wird, weil die Steine im Untergrund durchgehend scharfkantig sind, zieh ich die kleinen Scheißer an um mich doch noch etwas zu schĂŒtzen.

Vom Ehrgeiz gepackt lief ich schneller und schneller. Nun kam ein neuer Gegner: „die Sonne“. Selbstredend habe ich vergessen, Sonnencreme aufzutragen. Ich creme mich so gut wie nie ein und dachte, es wird schon nicht so schlimm werden. Fazit: „es war die Hölle“. Meine Haut brannte von oben bis unten und ich war erst wenige Kilometer unterwegs. Da kam noch einiges und ich musste etwas tun.

Krebsrot dachte ich erst an Pflanzen. Spitzwegerich (sieht so Ă€hnlich aus wie Löwenzahn) bringt gute Heilung, aber nur, wenn man dann nicht mehr in der Sonne ist. Ich war aber noch ĂŒber Stunden in der Sonne unterwegs. Ich brauchte etwas, was die Haut abdeckt und kĂŒhlt. Klar, ich war ja im Wald.

Und was gibt es im Wald zur GenĂŒge? Schlamm!

Ich hielt an der nĂ€chsten PfĂŒtze an und rieb meine Schultern und meinen Hals mit Schlamm ein. Er kĂŒhlte fein. Die Haut war auch schon recht rot und heiß. Es war höchste Zeit zu handeln. Der Schlamm tat mir gut und ich rieb mich stark damit ein, damit keine Sonne mehr auf die Haut kam.

Wenn ich andere LĂ€ufer nun sah, waren die Reaktionen immer in zwei Kategorien aufgeteilt.

1. (verwundert) „Warum machst du das?“ – „Weil ich mir sonst die Haut stark verbrenne.“
2. (mit einem dicken Grinsen) „Cool, das machen die Wildschweine, Elefanten und sĂ€mtliche, andere Waldtiere auch.“

Egal, gelÀchelt und weiter, es gibt noch viel zu tun und wir sind noch nicht am Ziel.

Ich nehme die Hindernisse meist sehr schnell und leicht. Immer wieder merke ich, dass ich ziemlich gut mit den Hindernissen umgehen kann. Wenn andere Leute manchmal zwei Minuten dafĂŒr brauchen, bin ich meist in 20 Sekunden drĂŒber, dafĂŒr stinke ich total beim Laufen ab, regelmĂ€ĂŸiges Training ist eben noch nicht so meine StĂ€rke.

Ich konnte die meisten Hindernisse also sehr schnell nehmen und holte sogar meine Wölfe manchmal wieder ein. Aber einmal eingeholt, waren sie bei der nÀchsten Laufstrecke auch schon wieder verschwunden.

Nicht so schlimm, ich kann auch mal allein laufen. Der Matsch kĂŒhlte meine Haut und schĂŒtzte mich vor der brennenden Sonne. Ich fĂŒhlte mich wie ein Urmensch, aber es sah auch verdammt klasse aus 😀

Im Wald war es schattig, viele kleine, abgefuckte Übungen, Steine fĂŒr 100 Meter tragen, Holzscheiben 100 Meter tragen, SandsĂ€cke …, Kugeln …..

Mein Körper schrie nach Wasser und NĂ€hrstoffen. Zum GlĂŒck gab es Martin und seinen Freund Andreas, die mir eine dopingartig wirkende Kaumasse gaben. Andreas sagte mir: „einmal zerbeißen, in beide Backen legen und nicht weiter kauen, einfach zerlaufen lassen“. Gesagt, getan …, sofort hatte ich wieder Power und legte weiter los. Mit dicken Hamsterbacken (wegen dem Gummizeug) lief ich mit großen Schritten, gestĂ€rkt, weiter.

Endlich kam mal wieder ein Hindernis meines Geschmackes. Ein GerĂŒst mit quer liegenden Holzstangen. Über eine Stange drĂŒber klettern unter der nĂ€chsten unten durch (in 1,5 Meter Höhe), ohne runter zu fallen. Endlich durfte ich mal wieder etwas meinem Kopf einsetzen und mit relativ guter körperlicher Geschmeidigkeit glĂ€nzen 😀

Ich meisterte die Aufgabe phantastisch und scheiterte bei der letzten Stange. Schei… runtergefallen, 30 Burpees (in LiegstĂŒtzposition stehen, dann in die Hocke gehen und einen Hockstrecksprung machen)

Doch alles egal, es gab Wasser!

Kraftgetankt, weiter geht es, die HĂ€lfte ist geschafft. Der Wald zieht sich, doch die Wege sind mit viele kleinen Hindernissen wie Holz, Ästen und spitzen Steinen gefĂŒllt. Ich fokussiere mich auf die Grasnarben und laufe immer im weichen, wenn ich eine Stelle sehe.

Heute will ich mich mal nicht verletzen. Ich reiße mir oft genug die FĂŒĂŸe in den LĂ€ufen auf, damit soll heute Schluss sein. Heute will ich verletzungsfrei ins Ziel kommen. Doch selbst wenn es passiert, mache ich weiter.

Sowas kann theoretisch bei jedem Schritt passieren, also mache ich mir keine Gedanken darĂŒber und laufe einfach weiter.

Aus dem Wald geht es wieder in die Sonne und bald zum Steinbruch.

Was fĂŒr eine unfassbar schöne Umgebung. Tief beeindruckt laufe ich zu den Klippen, wo ich viele Leute warten sehe. Ich geselle mich zu ihnen und schaue was dort passiert.

Es ist eine Bergschlucht, an der man sich mit einem Seil ablassen muss. Einige LĂ€ufer sind sehr sehr schnell, andere sehr Ă€ngstlich und daher langsam. Die Schlucht ist steil und das Abseilen alles andere als alltĂ€glich. Ich verstehe jede Angst. Doch da mir der RĂŒcken von der Sonne brennt, drĂ€ngle ich mich höflich und mit einem freundlichen LĂ€cheln vor.

Ich lasse mich, ohne Schuhe, in die Schlucht hinab. Unten geht es zu einem steinigen Kreis von ca 100 Metern. Dort sollen wir eine Holzpalette mit zwei SandsĂ€cken (ca. 70 Kg) ziehen. Ich gehe zu einem LĂ€ufer, der fertig ist und sage ihm: „gib mal her, ich ĂŒbernehme ab hier“. Im nĂ€chsten Moment breche ich fast zusammen, weil ich so gut wie gar nicht voran komme. Schei… ist das Ding schwer zu bewegen. Ich kĂ€mpfe stark, weil ich mit den Flipflops nur schlecht auf dem Schotter weiter komme. Die Runde zieht sich sehr sehr lang, aber auch dieses Hindernis ist irgendwann geschafft.

Direkt danach geht es bergab, weiter in die Schlucht. Ich bin verwirrt, weil ich zwei Wege sehe, erst spÀter bemerke ich den Pfeil mit der Richtung, die wir nehmen sollen.

In der Schlucht angekommen, sehe ich einen der Helfer, der mir sagt, dass es nun nach oben geht.

Mit einem Blick nach oben fange ich gedanklich an zu stottern. Der scheiß Berg ist echt hoch und super steil. In solchen Situationen bekommt man sogar mich manchmal zum fassungslosen Staunen. Wenn ich mit einer Sache ĂŒberfallen werde, mit der ich ĂŒberhaupt nicht gerechnet habe.

Also bergauf und hoch hinaus.

Der Untergrund ist Gift fĂŒr meine FĂŒĂŸe. Alles gesplitterte Steine, sau scharf. Ich ziehe die Flipflops an und gehe ganz vorsichtig hoch, nur nicht zur Seite fallen, denn der Berg ist steil und die Steine sind scharf.

Mit viel FeingefĂŒhl, das ich noch nicht verloren habe, gehe ich Schritt fĂŒr Schritt. Oben angekommen, gibt es die nĂ€chste Gemeinheit. Einen Eimer voller kleiner Steine tragen. Ich weiß nicht wie schwer er ist (sau schwer), aber ich sehe die anderen schon sehr stöhnen. Da ich ihn relativ gĂŒnstig auf den Nacken, zwischen die Schultern lege, komme ich recht gut voran. Die 100 Meter habe ich nun auch geschafft.

Es geht weiter in eine Heide. Dummerweise sehe ich in der Ferne (links von mir, mehrere hundert Meter entfernt) LĂ€ufer und weiß, dass es jetzt eine ganze Weile erstmal in der Sonne weiter geht.

Ich höre auf zu denken und nehme den Weg. Schritt fĂŒr Schritt. Die Sonne brennt, doch der Schlamm hĂ€lt sich ganz gut auf meinen Schultern. trotzdem will ich so schnell wie möglich wieder aus der Sonne kommen. Ich halte den Laufschritt, fast geradlinig. Manchmal muss ich doch gehen, da es einfach zu anstrengend ist.

Die HĂ€lfte der Strecke ist geschafft. Ich sehe wenige hundert Meter vor mir andere LĂ€ufer. Bis ich merke, dass ich an eine Kreuzung komme, an der ich noch eine ganze Strecke nach rechts und spĂ€ter links laufen muss, deprimierend aber nicht zu Ă€ndern. Wieder höre ich auf zu denken und konzentriere mich auf die Schritte. Ich atme gut, der Schritt funktioniert, die Schultern sind durch den Schlamm geschĂŒtzt, zwischendurch kommt etwas Wind. Ich fĂŒhle mich also gut.

Ich sehe das Ende des Weges. Schnell einen Stein weit werfen und ab zur nĂ€chsten Wasserstation. Endlich gibt es sogar Bananen. Nach zwei Bananen ist der Kraftspeicher und der Magen wieder gefĂŒllt. Ich kann mich etwas besser bewegen doch mir fehlt das Salz.

Ich kriege langsam kleine KrÀmpfe und das dehnen reicht nicht mehr. Schlimmer wird es bei den nÀchsten Hindernissen.

Ich komme dem Killingfield langsam nĂ€her. Aber wie heißt es immer so schön, das Beste kommt zuletzt.

Ich laufe mit großer Freude weiter, weil ich weiß, dass ich bald dort bin. Endlich kann ich die Sturmwölfe wieder sehen, mit Ihnen heulen und natĂŒrlich meine Freundin erblicken, die am Ziel schon auf mich wartet.

Ich komme ins Killingfield und nehme die nĂ€chsten Schlammlöcher. Jedes einzelne mit Bedacht. Immer StĂŒck fĂŒr StĂŒck. Wenn ich jetzt zu ĂŒberhastet bin, verletze ich mich vielleicht noch. Also alles mit viel FeingefĂŒhl meistern. Das Wasser ist kĂŒhl, aber die Berge sind rutschig, so rutschig, dass ich mir etwas ĂŒberlegen muss um aus den WassergrĂ€ben wieder raus zu kommen. Es ist nicht leicht, aber ich finde einen Weg.

An den hohen Balken, die jetzt kommen, scheitere ich beim ersten Anlauf. Doch ich gebe ich nicht auf. Der zweite Anlauf ist schneller und mit genug Power komme ich auch drĂŒber. Auf den nĂ€chsten Tonnen, die ich ĂŒberqueren muss bekomme ich starke KrĂ€mpfe. Die Wade total verkrampft und verhĂ€rtet. Ich strecke das Bein vor Schmerzen. Andere LĂ€ufer wollen mir helfen und dehnen es ein bisschen. Unter starken Schmerzen muss ich kurz sitzen bleiben. Jetzt beginnt der interessante Teil des Laufes.

Ich bin schon so ausgelaugt, dass ich kaum noch FeingefĂŒhl habe und die Schmerzen von Mal zu Mal stĂ€rker werden. Nun kommt es darauf an. Jetzt kann ich zeigen, aus welchem Holz ich geschnitzt bin.

Als ich mich wieder bewegen kann, klettere ich von der Tonne runter und dehne die Wade. Ich werde nun vorsichtig sein, dass ich das Bein nicht mehr so stark einbeuge, so ist die Wahrscheinlichkeit fĂŒr WadenkrĂ€mpfe geringer.

Jetzt wird es fies. Direkt am Ende, wo kein Mensch mehr Kraft hat, kommt es dick, Hangelhindernisse. Ich sehe sie und denke nichts freundliches…

Ich gehe zu dem Helfer und frage ihn, was ich machen muss, wenn ich es nicht schaffe, mich ĂŒber den Parkour zu hangeln. Er sagt, dass ich zur Strafe eine Steinkugel tragen muss.

Ich schaue nach der Steinkugel, lÀchle ihn an und gehe durch das Hangelhindernis durch, direkt zur Strafstelle und absolviere die Strafe mit der Kugel.

Ich finde es immer witzig, wenn die Strafe leichter ist als die Übung, die man machen soll, um keine Strafe zu bekommen. Die Kletterwand schaffe ich auch nicht mehr, da ich kaum noch FeingefĂŒhl in mir habe. Ich setze diese Strafe also gleich noch mit hinten dran. Wieder KrĂ€mpfe in der Wade, aber ich bin auch schon fast am Ende.

Jetzt wieder ein Hangelhindernis. Ich hangele mich tatsÀchlich bis zum Ende durch und sehe eine Wand, so wie man sie mit einem Fahrrad oder Skateboard hochfÀhrt. Ich sehe, wie die Leute mit starkem Anlauf dort hoch rennen und versuchen die HÀnde der anderen im Sprung zu greifen.

Weil ich dort ein Seil hĂ€ngen sehe, bin ich ein bisschen verwundert und gehe ganz entspannt dort hin um das Seil zu greifen. Ich gehe relativ geschmeidig hoch und werde von den anderen hochgezogen. Ich reiße das Bein ein letztes Mal hoch und rolle mich auf die Plattform. Das Bein schön gestreckt halten, damit es nicht wieder krampft.

Auf der anderen Seite muss man runter ins Wasser rutschen. Als ich im Wasser lande, bin ich ein bisschen orientierungslos, weil ich nicht weiß, wo es raus geht. Schon relativ verwirrt, folge ich der Richtung, die mir die Leute mit dem Finger zeigen.

Als ich raus klettere sehe ich auf einmal, dass ich schon im Ziel bin. Endlich kann ich fast alle Sturmwölfe und meine Freundin in die Arme schließen. Die Medaille ist wie immer wunderschön!

Fazit: Da haben sich der Kalinator und der Capitano doch ganz schön was einfallen lassen.

FĂŒr mich persönlich waren es zu viele Hindernisse, an denen man wirklich etwas schaffen musste. Ich bin ja eher so der Typ, der gern mit Geschmeidigkeit und Lösungen an schwere Hindernisse heran geht. Ich mag es mehr meinen Kopf einzusetzen. Wenn ich aber nur Kugeln tragen muss, kommt der Kopf meist zu kurz.

Im selben Moment sagt mir das aber auch, dass ich endlich mal beginnen sollte zu trainieren, aber das sage ich mir auch nach jedem anderen Lauf 😀

Mein Fazit ist also: Es war hart und gut, aber im Enddefekt ersetzt nichts die KĂ€lte des Winters. Die KĂ€lte macht fĂŒr mich den grĂ¶ĂŸten Reiz aus. Die Sonne war auch hart, aber ich konnte sie mit Schlamm ĂŒberlisten, und auch wenn er regelmĂ€ĂŸig getrocknet und dadurch abgefallen ist, hat es super funktioniert.

Resultat: Schmerz geht, Stolz, Muskelkater und Sonnenbrand bleiben noch ein paar Tage.

Braveheart Battle 2017, 11.03.17


Bischofsheim an der Rhön in Franken/Bayern! Durch die Hölle gingen hier wieder ca. 3000 mutige Extremsportler aus Deutschland und dem europÀischen Ausland. Bei nur 7 Grad C, wurden dabei von den Bravehearts 1400 Höhenmetern und eine Strecke von 24 km, mit mehreren kraftraubenden Stationen wie Schlammgruben, Kriech- u. Kletterhindernissen, Wasserdurchquerungen und unwegsamen steilen AbhÀngen und Aufstiegen quer durch den Wald bezwungen. Sieger 2017 sind Andreas Zwickel, Startnummer 213, Zeit: 2:18:26, beste Frau Ludmilla Hertle, Startnummer 2539, Zeit: 2:50:23 (Veranstalter-Info)

Braveheart Battle 2017
(Steve Klockow)

Auf den Spuren von William Wallace wollen wir heute leiden und kÀmpfen, wie er es tat.

Wir mögen keine schottischen Patrioten sein, aber wir können unsere eigene Geschichte schreiben, Schritt fĂŒr Schritt ….

Samstag, 11 Uhr ….

Wir stehen bereits am Start und sind alle heiß auf den Kampf. Die Stimmung ist so aufgeladen, dass es fast knistert. Meine Flipflops sind mit Tapeband am Hacken festgebunden, aber die selbstkonstruierte Schnalle weist sich als sehr mangelhaft heraus und so reisse ich alles ab und stecke die Flipflops hinten in die Hose.

Wir starten.

Alle stĂŒrmen los, bergab. Viele fallen hin oder rutschen aus, weil sie zu schnell los laufen. Jetzt kommt eine Schneekanone. Der Schnee ist ziemlich kalt, aber wir sind schlau und tauchen an der Seite unter dem Strahl durch. Auf einigen Wegen bin ich froh keine Schuhe zu tragen, denn hier könnte man sie jetzt schon verlieren, wenn man mit dem Fuß bis zum Knöchel in den Schlamm einsinkt. Wir werden schnell auseinander gerissen. Die Sturmwolffahne wird vom ersten Mann getragen. Ich sehe sie ein StĂŒck vor mir wehen. Vor mir Wölfe, hinter mir Wölfe. Ich bin die goldene Mitte.

Schneller werde ich erstmal nicht laufen. Die Damen hinter mir, holen mich sowieso noch schnell genug ein.

Ich bin kein schneller LĂ€ufer, aber ich kann Hindernisse meist gut ĂŒberwinden, außerdem stresst es mich, lange irgendwo anzustehen und so drĂ€ngle ich mich immer, höflich und mit einem LĂ€cheln vor.

Die Strecke zieht sich. Ich laufe schon eine ganze Weile allein, aber bald holen sie mich bestimmt ein. Ich mache mir meine Gedanken, aber keine Sorgen. Sie sind zu dritt und können sich gegenseitig helfen, wenn etwas passiert.

So viele Steigungen und Berge. Ich sehe Kilometer 6.

Die Luft ist raus, aber der Kopf schaltet sich endlich ab und ich beginne nur noch von Schritt zu Schritt zu denken, langsam werde ich warm, blende alles andere aus und kÀmpfe mit mir selbst. Ich lÀchele immer wieder und denke daran, wie meine Freundin jetzt zu Hause sitzt an mich denkt. Im Gedanken spreche zu ihr, sie soll sich keine Sorgen um mich machen, ich komme heute nicht ohne Medaille nach Hause.

Die ersten Schmerzen kommen, endlich beginnt der Kampf!

Heute wird es nichts geben, das stÀrker ist als mein Wille.

Die MÀdels haben mich eingeholt, aber beim nÀchsten Hindernis bin ich wieder schneller im VordrÀngeln und lasse sie hinter mir. Wald, Feld, Berg hoch, Berg runter.

Es zieht am Fuß. Ich schaue nach unten und sehe meinen großen Zeh bluten. Ich habe keine Schmerzen, aber die Haut hĂ€ngt nur noch dran. DarĂŒber verĂ€rgert gehe ich zum nĂ€chsten SanitĂ€ter und schreie von weitem: „ich brauche Tapeband 
.!“.

Der SanitĂ€ter kommt ganz entspannt zu mir getrabt und sagt: „wir verbinden es gleich“. Ich: „nichts verbinden, ich trage keine Schuhe und habe noch 12 Km vor mir. Wenn ich eine Binde kriege, ist sie nach 200 Metern kaputt“.

Die Sanis reinigen die Wunde und kleben etwas Tapeband drĂŒber. Der Zeh schmerzt und ich merke ihn bei jedem Schritt, versuche aber die Schmerzen zu vergessen.

Ich verschwende keinen Gedanken ans Aufgeben!

Langsam komme ich voran. Wieder schaltet sich der Kopf ab, als ich ein lautes „Steeeeeve……! „hinter mir höre. Die MĂ€dels haben mich endlich wieder eingeholt und laufen nun mit mir. Mit dem Fuß kann ich nicht so schnell laufen und sie ĂŒberholen mich bald.

Jetzt muss ich wieder stehen. Viele Leute, keine Sicht, auf das, was passiert. Ich stehe und stehe, Àtzend. Endlich sehe ich das Hindernis, ein Kriech-Hindernis. Ich lege mich hin und beginne zu kriechen.

Der Kopf ist wieder ohne Gedanken und ich bewege mich einfach fort. Mit den Flipflops, hinten in der Hose, bleibe ich an den DrĂ€hten, oben hĂ€ngen. Als ich mich los machen will und den Arm nach hinten strecke, berĂŒhre ich die Leitung und bekomme eine schöne Ladung gepfeffert. Der Strom schießt durch meinen ganzen Körper. FĂŒr einen Bruchteil einer Sekunde fĂŒhle ich mich wie gelĂ€hmt. Ein kurzer, intensiver Aufschrei, aber es geht weiter.

Nur nicht nochmal da oben ran kommen, denn das hat ganz schön geknallt. Leider ist der Typ vor mir echt langsam und ich bin nicht gut im Kriechen. Immer wieder komme ich gefĂ€hrlich hoch mit dem RĂŒcken und dem Kopf. Als ich das zweite Mal einen Stromschlag bekomme, sehe ich mich nun doch etwas mehr vor.

Wieder rein in den Wald. Die Berge runter rutschen. Nicht so lang und steil wie beim ersten Mal, aber trotzdem gefĂŒhlte 50 Meter. Ich sehe einen verletzten-, von SanitĂ€tern eingepackten, Mann zwischen den BĂ€umen liegen. Er sieht ziemlich schlecht aus. Ich rufe ihm zu, dass ich ihm alles Gute wĂŒnsche und laufe weiter. Jetzt kommt der Fluß. Mit kaputtem Zeh ziehe ich die Flipflops an und steige ins Wasser. Die Strömung ist ziemlich stark und da wir gegen den Strom laufen und Hindernisse zu meistern haben, rutsche ich immer wieder aus. Ich kann mich nur schwer halten, bin schon leicht benommen, eben ein Tief.

Ich mache mir bewusst, dass man als LĂ€ufer immer mal ein Tief hat und ich da schon wieder raus kommen werde.

Es kommt ein Netz, das ĂŒber die LĂ€ufer gespannt ist. Man muss sich ducken um darunter lang laufen zu können. Es ist eine riesige Qual die Balance zu halten und gegen die Strömung in dem unebenen Fluss zu laufen. Die Strömung und die Steine reißen mir oft die FĂŒĂŸe weg. Um die Balance nicht zu verlieren, muss ich mich irgendwo festhalten. Es gibt nichts außer diesem Netz, unter dem wir gebĂŒckt lang laufen mĂŒssen, weil es uns im Nacken hĂ€ngt. Ich strecke seitlich die Arme aus und drĂŒcke sie mit der Oberseite gegen das Netz. So treffe ich zwar immer wieder andere LĂ€ufer am Kopf, aber es geht nicht anders. Umfallen heißt sich eventuell stark zu verletzen, denn die Steine im Fluss sind teilweise sehr spitz und die Strömung unbarmherzig.

Ich kann das Ende des Netzes sehen. Nur noch wenige Meter. Ich gehe am rechten Flussrand, weil ich mich dort an den Steinen abstĂŒtzen kann. Endlich, ich sehe den Ausstieg aus dem Wasser. GlĂŒcklich nehme ich ihn, als ich wieder ein „Steeeeeeve 
… !“ hinter mir höre. Ein Bekannter aus SaarbrĂŒcken, hat mich eingeholt. Ich war letztes Jahr fĂŒr seine Freundin beim Braveheart Battle eingesprungen und nun laufen wir zusammen. Was fĂŒr ein schöner Schicksalsschlag. Peter ist mir eine große Hilfe und seine Damen: Cindy und ihre Tochter stehen an der Strecke und unterstĂŒtzen uns mit viel Pfefferminztee.

Ich bin schon ziemlich dehydriert und bei den Verpflegungsstellen stehen immer zu viel Leute an oder es wird nur sĂŒĂŸer Tee ausgeschenkt.

Ich trinke ca. einen halben Liter, bis mein Durst gestillt ist. Jetzt hab ich wieder Power. Es geht weiter.

Wieder ab in den Fluss und gut an allem festhalten, was sich zu greifen bietet, auch andere LĂ€ufer dienen dazu. Entschuldigen braucht man sich nicht, denn wir sitzen alle im selben Boot und stĂŒtzen uns gegenseitig, auch wenn wir uns vorher noch nie gesehen haben, halten wir zusammen.

Ich liebe diesen Zusammenhalt.

Wieder bergauf, die Berge sind so rutschig und so schlammig, dass man mit bloßen FĂŒĂŸen nicht einfach hoch kommt. Peter hilft mir und drĂŒckt mich so gut es geht nach vorne. Der erste Berg ist geschafft, aber mein Tape lockert sich vom Fuß. Ich ziehe es immer wieder zurecht, muss mich aber auch auf die Strecke konzentrieren. Der zweite Berg kommt und wieder muss ich alles geben. Das Tape lockert sich und fĂ€llt ab, wĂ€hrend mich Peter hoch drĂŒckt. Der Zeh ist frei, aber Peter ruft: „du hast etwas verloren“. Er wirft es mir hoch und ich rufe ihm zu, dass er mein Held ist. Jetzt kommt der letzte Berg und diesmal merke ich, dass es jetzt einfach zu locker- und kaputt ist. Ich werfe es weg und laufe auf der Wunde weiter.

Wenn der Zeh an der Unterseite offen ist, bekommt man natĂŒrlich Angst, dass sich der Dreck zu tief in die Wunde setzt und so starken Schaden anrichten könnte, aber ich vertraue auf meinen Körper und ignoriere die Schmerzen.

Meine Gedanken sagen: Ich verstehe die Schmerzen, aber ich bin noch nicht am Ende und muss einfach weiter laufen. Beim nĂ€chsten SanitĂ€ter versuche ich es nochmal. Kein gutes Tapeband, beim ĂŒbernĂ€chsten das selbe. Egal, dann laufe ich ohne weiter.

Ich blende alles aus.

Peter wird etwas schneller, so dass ich nicht mehr mithalten kann und so schicke ich ihn weiter.

Jetzt muss ich mich ausruhen und mein eigenes Tempo laufen. Ich sehe Kilometer 16 und werde immer mĂŒder. Kein Essen fĂŒr mich (nur Leberwurst- und Nutella-Brote an der Strecke, ess ich beides nicht).

Die Hindernisse fordern ihren Tribut.

Ich werde immer langsamer.

Ich schaue wieder auf meinen Fuß, wieder Blut an der Wunde. Was tun? Neben mir verlĂ€uft ein Fluss. Wenn man den Fuß lange genug ins Wasser hĂ€lt, wird die Wunde vielleicht ein bisschen gesĂ€ubert und die Blutung stoppt, weil das Wasser so kĂŒhl ist. Gesagt, getan, klappt, super, also weiter 😀

Immer wieder zollen mir die LĂ€ufer, die an mir vorbei laufen Respekt fĂŒr die fehlenden Schuhe.

Ein LĂ€ufer gesellt sich zu mir und fragt ob alles in Ordnung ist, als er mich hinken sieht. Er sagt: „Ich habe mir bei Kilometer vier den Finger gebrochen. Die SanitĂ€ter wollten dass ich aufhöre, aber ich bin ja schon vier Kilometer gelaufen, da höre ich doch nicht mehr auf“. Ich liebe solche verrĂŒckten Menschen, sie passen einfach phantastisch zu mir.

Wieder geht es bergauf und ich merke, dass ich nicht mehr kann. Es geht nichts mehr. Ich brauche eine Pause. Ich lege mich an der Seite auf den RĂŒcken. Ein Junge mit ca. 12 Jahren kommt zur mir und sagt: „steh auf, du bist noch nicht am Ende“. Ich antworte: „Ich brauche eine kurze Pause, lass mich kurz liegen“. Er sagt: „Wir machen einen Deal. Du stehst auf und ich gebe dir dafĂŒr Traubenzucker“. Ich lĂ€chle ihn an und richte mich auf. Er gibt mir den Traubenzucker und mein Körper beginnt sich wieder von allein zu bewegen. Neue KrĂ€fte kommen zum Vorschein. Ich kann endlich wieder laufen. Er lĂ€uft mit mir weiter.

Nach einer Zeit, sage ich ihm, wie glĂŒcklich ich bin, dass er bei mir ist. LĂ€chelnd und dankbar antwortet er, dass er froh ist, jemanden gefunden zu haben fĂŒr den es etwas bringt.

Ich bin ziemlich von ihm beeindruckt. Ca. 12 Jahre alt und schon so empathisch. Den letzten Kilometer lÀsst er mich allein laufen weil er auf Freunde warten will.

Es kommt ein Weg der eine lĂ€ngere Strecke bergab geht. Ich laufe schnell und werde immer noch schneller. So schnell, dass ich beschließe meine Schritte etwas sprunghafter zu wĂ€hlen um noch weiter zu kommen. Mit jedem Sprung komme ich noch ein gutes StĂŒck weiter, als wenn ich nur so laufen wĂŒrde.

Endlich, das Ziel ist schon zu hören. Ich laufe auf ein Feld zu. Schei….. wieder bergauf. Egal, die letzten Meter laufe ich, jetzt wird nicht mehr gegangen. 100 Meter spĂ€ter Ă€ndert sich meine Meinung, weil der Weg einfach zu steil ist. Ich muss nochmal kurz gehen. Jetzt wieder bergab, der Boden ist rutschig, aber ich renne wieder was das Zeug hĂ€lt. Die Gefahr ist groß auszurutschen, aber es sind auch nur noch wenige Meter also gehe ich das Risiko ein und renne so schnell mich die FĂŒĂŸe tragen. Nun ist das Ziel in Sicht. Die Leute applaudieren schallend. Ich laufe durchs Ziel und bekomme meine Medaille.

Ich bin so glĂŒcklich und ausgelaugt zugleich.

Das Duschen nach dem Lauf ist immer das Schlimmste. Wenn der Schlamm sich getrocknet hat, ist die Haut total wund und angespannt. Ich stehe dann immer unter der Dusche und leide mehr als beim Laufen. Dieses Mal war ich so fertig, dass ich im Sitzen, halb liegend geduscht habe. Es war die Hölle, ich war um 9 im Bett und habe 11 Stunden geschlafen.

Muskelkater gab es reichlich und der Zeh macht mir noch ein paar Probleme, aber das kriege ich auch wieder hin.

Veranstalter: braveheartbattle.de

WeihnachtsmÀrkte laufend erkunden, 09.12.16


Laufend ein paar WeihnachtsmĂ€rkte in Berlin erkunden und mal schauen, was es so fĂŒr vegane Köstlichkeiten gibt. Treffpunkt war fĂŒr uns 4 VeganRunner der Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus, dort gab es erstmal einen Kinderpunsch zum „warmwerden“, von dort aus ging es zum Potsdamer Platz, hier gab es die erste Klopause und eine kleine StĂ€rkung: frische Maronis. Lecker! Im Laufschritt ging es dann zum Ku’Damm, hier sind die Kartoffelpuffer mit Apfelmus lt. Mitarbeiter vegan 🌱 aber noch viel besser war der Stand Israeli Street Food: Seetang-Burger, Falafel, Schawarma und SĂŒĂŸkartoffelpommes. Alles vegan! SEHR LECKER! Ein Bratapfelpunsch spĂ€ter ging es dann noch zum Schloss Charlottenburg. Hier gab es nur noch einen HeidelbeerglĂŒhwein zum Abschluss, ein paar gebrannte Mandeln und immer wieder komische Blicke anderer Besucher.

Gelaufen sind wir locker und flockig ca. 9km von Markt zu Markt. NĂ€chstes Jahr werden wir das wiederholen, mit hoffentlich noch mehr LĂ€ufern.

Wir wĂŒnschen Euch ein schönes Weihnachtsfest mit all euren Lieben sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr.

(Anika Wolters)

Der Berliner Weihnachtsmarktfahrplan 2016:

Quelle: www.anamea.de
Der Weihnachtsmarktfahrplan fĂŒr Berlin. Grafik: Eike Mitte

Getting Tough the Race V, 04.12.16

Ein Bericht von Steve Klockow:

Mit den Schneewölfen durch die geliebte KÀlte!
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Ich bin gestern mit meinen Jungs, den Sturmwölfen bei -4 bis 1 Grad den Getting Tough in Rudolstadt (ThĂŒringen) gelaufen. 24 Km voller Eis, Schnee, Schlamm und Wasser. (Die Eishölle von Rudolstadt)

Der Anfang war sehr kĂŒhl. Es waren am Morgen -4 Grad und der Frost bedeckte alle Wiesen und Pflanzen. Die GesprĂ€che der LĂ€ufer handelten nur davon, wie sie sich vor der KĂ€lte schĂŒtzen konnten und was sie dafĂŒr alles anzogen.

Manche trugen Neopren AnzĂŒge, manche PlastiktĂŒten (unter der Kleidung).
Ein paar VerrĂŒckte wollten die Strecke halb nackt bestreiten.

In der Regel bereiten sich alle gut auf diese KÀlte und die UmstÀnde vor, wir nicht!

Meine Wölfe und ich (4 Leute aus der Gruppe) starten den Lauf mit kurzen Hosen und Oberkörper frei.

Meine AusrĂŒstung bestand aus Shorts, Five Fingers und einer MĂŒtze.
Handschuhe hatte ich nicht dabei, aber ich wollte sowieso mal testen, ob man auch ohne laufen kann. Heute weiß ich, das sollte man besser nicht tun.

Der Lauf begann. Wir stĂŒrmten mit unserer Fahne bewaffnet ĂŒber das Feld der Ehre. Die erste Station war ein Hindernis, bei dem man unter Stacheldraht durchkriechen musste. Direkt danach ging es sofort ins Wasser. Bis zur HĂŒfte steckten wir im schlammigen Wasser. Nass aber fit.

Bei so einem Lauf lebt man durch die Hilfe aller. Es ist annÀhernd unmöglich, so einen Lauf allein zu bewÀltigen, da man nicht alle Hindernisse allein schaffen kann. Wenn man einen hohen, schlammigen Berg hinauf muss, an dem man immer wieder runter rutscht, ist es notwendig, dass man sich gegenseitig hilft.

Da diesmal 3000 Leute am Start waren, gab es Massen von Menschen in den ersten WassergrÀben.

DurchnĂ€sst ging es weiter. Wir liefen nun ein StĂŒck durch die Straßen und dann in den Wald. Meine HĂ€nde waren eiskalt und ich wusste, dass es eine scheiß Idee war, ohne Handschuhe zu laufen. Im Wald gab es viele Höhenmeter zu bestehen, aber das ging, da die Sonne nun schien, jetzt wurde es auch langsam warm. Es waren zwar immer noch Minusgrade, aber wir froren in der Sonne nicht.

Nun kam die erste Wartestelle. Wir standen und standen und wussten nicht, was auf uns wartet. Es war ein Hindernis, bei dem man drei HolzwĂ€nde ĂŒberwinden musste. Relativ einfach, aber es dauerte bis man drĂŒber war.

Wir standen also in großer Menge und warteten. Die Leute um uns herum zitterten schon vor KĂ€lte und traten uns mit viel Respekt gegenĂŒber, weil wir so leicht bekleidet waren.

Viele Kilometer ging es mit diesem Spiel. Bis Kilometer 20 war alles harmlos. Nun wurde es aber langsam feucht.

Da wir diesen Lauf bereits vor zwei Jahren bestritten haben, wusste wir, dass die Hölle erst auf den letzten Kilometern ausbrechen wĂŒrde.

Und so kamen wir zum großen Wassergraben. Man geht rein und lĂ€uft im Wasser bis zur Brust ca. 100 Meter in eine Richtung, dann um die Ecke, dort sieht man, dass es den gleichen Weg zurĂŒck geht. Wir handelten wie Wölfe und gingen aufrecht und ohne Klage.

Mein Körper ist ganz gut gegen kaltes Wasser abgehÀrtet, aber die HÀnde waren kaum noch zu gebrauchen. Bewegungen der Finger waren nur noch eingeschrÀnkt möglich. Ich konnte an den Hindernissen noch die Stangen und WÀnde greifen, aber Feinarbeit war aussichtslos.

Ich rutschte, nach dem Wassergraben immer wieder, mit der Hacke aus meinem Schuh und schaffte es kaum, die Hacke, mit der Hand, wieder reinzubekommen.

Wir kamen an ein Hindernis, durch das man krabbeln musste. Ich kam an, sah, dass man ins Wasser musste und dann unter einer Stange (kniehoch) durch tauchen sollte.

Ich nahm also meine MĂŒtze ab, tauchte mit dem Kopf unter der Stange durch und hob die MĂŒtze drĂŒber entlang, dass sie nicht nass wurde. Das ganze Spiel machte ich zwei Mal, dann war ich kalt und nass, aber die MĂŒtze wĂ€rmte mich wieder.

Nach so einer Aktion muss man sich erstmal wieder aufwÀrmen, und ich betete innerlich, dass nicht sofort das nÀchste Wasserhindernis kommt.
Aber selbstverstÀndlich kam es schon. Ein Tunnel, in dem man mit FontÀnen nass gespritzt wird.

Ich krabbelte so, dass mich die FontÀnen kaum trafen, aber meine HÀnde wurden immer kÀlter (stÀndig nass) und schmerzhafter.

Ich versuchte sie unter meinen Armen zu wÀrmen, denn die Schmerzen wurden immer schlimmer denn KÀlte und Anstrengung forderten ihren Tribut.

Aus den Kehlen der anderen hallte ein lautes: „Sturmwölfe! – Ahuuuuu!“.
So motivierten wir uns, wenn wir schwach wurden.

Wieder betete ich, dass ich mich wieder aufwÀrmen konnte, aber wir zitterten gemeinsam am ganzen Körper.

Das Klappern der ZĂ€hne konnte ich mit einem tiefen Atem ganz gut ĂŒberlisten, aber es war ziemlich schwer, nicht die Fassung zu verlieren.

Nun liefen wir wieder schneller, damit uns endlich wieder wÀrmer wurde.
Die NĂ€sse entzieht dem Körper so viel WĂ€rme, dass man dem kaum entgegen treten kann. Zum GlĂŒck kamen ein paar Tee Stationen. Der Tee war heiß und es fĂŒhlte sich ziemlich schmerzhaft im Mund an. Wenn ich den Tee trank, merkte ich erst, wie kalt es wirklich war.

Alles OK, es ging weiter. Das Hauptspektakel war das Schwimmbecken und das stand uns noch bevor.

Man springt rein, lĂ€uft ein StĂŒck und muss dann unter zehn BaumstĂ€mmen durch tauchen. Ich stellte mich dieser Aufgabe, wohl mit dem Wissen, dass ich jetzt fĂŒrchterliche Schmerzen erleiden wĂŒrde.

Es kam schlimmer als ich es mir vorstellen konnte. Ich setzte meine MĂŒtze ab und tauchte unter dem ersten Stamm durch. Der Kopf brannte sofort und ich hatte schreckliche KĂ€lte-Schmerzen. Ich wusste, ich muss weiter gehen, denn ĂŒber den Körper verliere ich auch WĂ€rme im Wasser.
Also machte ich weiter. Jeder Tauchgang war die Hölle und ich schrie im Wasser vor Schmerzen, wo mich niemand hören konnte. Wenn ich auftauchte, rubbelte ich wie wahnsinnig meinen Kopf um ein bisschen die Durchblutung anzuregen und den Kopf wieder warm zu kriegen.

Zum Anfang ging es, aber das Wasser tat so weh, dass ich begann, Sterne zu sehen. Ich wusste, dass ich das nicht lange durchhalten konnte, also tauchte ich nicht mehr nach oben und nahm von nun an immer zwei BaumstĂ€mme. Die Schmerzen waren unertrĂ€glich, wenn ich auftauchte und ich begann vor Schmerzen langsam zu verzweifeln. Ich wartete kurz und rubbelte wieder meinen Kopf. Der Taucher, der neben mir stand (um die ganzen unterkĂŒhlten Wasserleichen raus zu fischen) sagte mir, dass es nur noch zwei StĂ€mme sind, dann ich habe ich es geschafft. Ich konnte nicht mehr richtig sehen weil ich die Augen nicht mehr aufkriegte.

Ich nahm die HĂŒrde und tauchte das letzte Mal durch, beide StĂ€mme auf einmal. Ich schrie vor Schmerzen, doch es konnte kaum einer hören, weil alle LĂ€ufer im Wasser schrieen, kreischten und weinten. Es war ein großer Moment, als ich sah, wie alle anderen leideten und trotzdem nicht aufgaben. So viel Mut verdient Respekt und Anerkennung.

Völlig erschöpft, kam ich aus dem Wasser und versuchte mich durch ein paar Bewegungen (in der Sonne) wieder etwas aufzuwĂ€rmen. Schnell merkte ich, dass die Luft erstmal raus war. Ich musste mich kurz ausruhen, denn die KĂ€lte hatte unglaublich viel Energie gezehrt. Ich sah, dass meine Startnummer sich an einer Nadel der Hose gelöst hatte. Ich versuchte, die Nadel zu schließen, scheiterte aber. Ich sprach einen Helfer an, der mir dann auch half.

Keine 10 Meter entfernt, musste man sich an einer Stange ĂŒber das Wasser hangeln. Reihenweise vielen die LĂ€ufer von der Stange runter ins Wasser.
Ich wusste, dass ich nicht mehr so viel Kraft hatte und sprang gleich ins Wasser. Mit dem Körper kann ich KĂ€lte recht gut ertragen. Das war kein Problem. Ich fand das Wasser nicht mal so kalt. Ich ließ sogar zwei meiner Sturmwölfe vor, bis ich dann selbst aus dem Wasser kletterte.

Jetzt wurde es aber richtig kalt, also wieder schnell laufen um aufzuwĂ€rmen. Die HĂ€nde und der Kopf taten mir weh. Ich betete fĂŒr einen langen Laufweg und wenig Wasser. Zu meinem GlĂŒck zog sich die Strecke ĂŒber eine lĂ€ngere Distanz hin. Sandsack tragen, ĂŒber GerĂŒste klettern, durch Tunnel kriechen, alles kein Problem, denn es kam erstmal kein Wasser.

Wir wussten aber alle, das Ziel ist noch nicht erreicht. Auch wenn wir den Sprecher aus den Boxen des Ziels schon hören konnten, waren wir noch lange nicht am Ende.

Wieder kamen hohe TĂŒrme und Wasser, Wasser, Wasser. Langsam war ich so ausgelaugt, dass ich es kaum noch allein schaffte, mich ĂŒber die Hindernisse zu bewegen. Ich bekam nun bei jedem mal Klettern KrĂ€mpfe in der rechten Wade. Ich versuchte dann immer den Fuß heranzuziehen, aber hatte keine Chance. Das Bein verkrampfte so stark, dass ich unter Schmerzen immer runter springen musste um das Bein zu dehnen.
Kameradschaftlich halfen mir aber alle. Keiner ließ mich hĂ€ngen. Meine Jungs waren immer da, aber auch fremde LĂ€ufer halfen mir so gut es ging.

Der schlimmste Augenblick war in einem Hindernis, bei dem man auf einem Turm klettern musste, bei dem von allen Seiten Wasser-FontÀnen kamen.
Ich merkte, dass ich völlig fertig war und begann die Orientierung zu verlieren. Angst und Panik machten sich in mir bemerkbar weil ich darĂŒber nachdachte, was passiert, wenn ich irgendwo hĂ€ngen bleibe und nicht raus komme.

Es ging aber alles gut und wir machten weiter.

Die Eishölle beginnt erst im Stadion auf den letzten 500 bis 1000 Metern. Dort brechen viele zusammen, wir aber nicht!

Ich kam mit den Jungs und unseren zwei Damen in die letzten Wassercontainer. Dort wollte ich durch und verlor einen Schuh im Wasser.
Das Wasser war so trĂŒb, dass ich nichts entdecken konnte, also ging ich ohne weiter. Als ich das zweite Bein ĂŒber den Container-Rand hob, verlor ich auch den zweiten Schuh. Und das bei immer noch -1 Grad.

Also lief ich ohne Schuhe weiter. Es waren vielleicht noch 500 bis 600 Meter zu schaffen und ich biss die ZĂ€hne zusammen. Da ich aber nun auch schon recht weich auf den Knien war und stĂ€ndig WadenkrĂ€mpfe bekam, war es ziemlich schwierig die großen GerĂŒste, barfuß, hoch und runter zu klettern. Ein KlettergerĂŒst hatte etwa eine Höhe von vermutlich 8 bis 10 Metern. Man konnte herunter klettern oder an einer Stange rutschen. Ich wagte es und rutschte runter, weil ich keine Kraft mehr zum Klettern hatte.

Unten angekommen, kamen wieder Traktor Reifen, ĂŒber die man klettern musste, keine Ahnung wie viele, 5 StĂŒck hintereinander, 10 StĂŒck….
keine Ahnung, es waren viele.

Einer der Helfer an der Seite sagte, es sind nur noch zwei Hindernisse.
Ich glaubte ihm nicht, weil ich so verzweifelt und fertig war, dass wenn ich es geglaubt hĂ€tte, und dann mehr gekommen wĂ€ren, ich ausgerastet wĂ€re. Ich war nervlich und körperlich lange ĂŒber meine Grenzen hinausgegangen. Also machte ich einfach weiter. Und tatsĂ€chlich. Es ging ĂŒber eine große Betonwand und ich konnte schon das Ziel sehen. Hoffnung machte sich neben Schmerzen und stĂ€ndigen KrĂ€mpfen in mir bemerkbar.

Ich kletterte die zweite Wand herunter und ging zum letzten Hindernis.
Ein Tunnel (ich glaube, Fuchsbau Tunnel genannt oder so Ă€hnlich, auf jeden Fall sehr eng und klein). Ich begann durch zu kriechen. Der Untergrund war mit großen und harten Kieselsteinen aufgefĂŒllt. Jede Bewegung tat mir weh und ich stöhnte vor Schmerzen. Aber ich wusste auch, dass es gleich geschafft war. Allerdings, war ich so langsam, dass mich jemand von hinten tatsĂ€chlich an den FĂŒĂŸen packte und mich immer wieder vor schob.

Auf diesem Wege, möchte ich dir danken. Ich war geistig nicht mehr in der Lage mich umzudrehen und dir in die Augen zu schauen um mich dafĂŒr zu bedanken. Du hast mir bestimmt 3 bis 4 Minuten erspart.

Aus dem Tunnel, ging es direkt zum Ziel. Die Veranstalter schauten nicht schlecht, als sie uns (halbnackt und ich ohne Schuhe) dort ankamen sahen. Wir bekamen unsere Medaille und ich ging sofort ins Kleidungszelt, zog meine Jacke an und legte mich erstmal direkt neben die Heizung um schnell wieder aufzuwĂ€rmen. Meine HĂ€nde und FĂŒĂŸe waren so taub von der KĂ€lte, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte.

Die Partnerin meines Freundes Marco, zog mir darauf hin die Socken und Schuhe an, weil ich dazu nicht mehr in der Lage war. Jemand anders machte mir eine Banane auf und eine Flasche mit Fanta wurde mir aufgedreht. Leicht benebelt wurde ich von allen versorgt 😀

Wir fuhren dann ins Hotel. Ich sprang sofort unter die Dusche. Mit vielen Schmerzen erlebte ich, wie mein Körper sich langsam wieder zur Normaltemperatur aufwÀrmte. Es dauerte bestimmt zwei Stunden, bis ich wieder vollkommen warm war.

Mein Fazit von diesem Lauf ist: Der hĂ€rteste Hindernis-Lauf, den ich mir bisher vorstellen konnte. Ich habe auch schon hĂ€rtere LĂ€ufe gemacht, weil ich manchmal ein bisschen verrĂŒckt bin, aber noch nie einen derartig harten Hindernislauf.

Meinen Dank und Respekt an alle Organisatoren, ihr seid wahre Sadisten.
So viel Leid, wie ihr uns zugefĂŒhrt habt, kann nur einer kranken Seele entspringen. Ihr habt meinen vollen Respekt dafĂŒr.

Das Motto war: „Schmerz geht, Stolz bleibt“. Die Definition fĂŒr dieses Statement habe ich nun selbst am eigenen Leib zu spĂŒren bekommen und kann dem nur beipflichten. Ich habe vieles bei diesem Lauf gelernt und bin unheimlich dankbar fĂŒr die Erfahrung und alle Schmerzen.

Getting Tough