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Getting Tough the Race V, 04.12.16

Ein Bericht von Steve Klockow:

Mit den Schneewölfen durch die geliebte Kälte!
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Ich bin gestern mit meinen Jungs, den Sturmwölfen bei -4 bis 1 Grad den Getting Tough in Rudolstadt (Thüringen) gelaufen. 24 Km voller Eis, Schnee, Schlamm und Wasser. (Die Eishölle von Rudolstadt)

Der Anfang war sehr kühl. Es waren am Morgen -4 Grad und der Frost bedeckte alle Wiesen und Pflanzen. Die Gespräche der Läufer handelten nur davon, wie sie sich vor der Kälte schützen konnten und was sie dafür alles anzogen.

Manche trugen Neopren Anzüge, manche Plastiktüten (unter der Kleidung).
Ein paar Verrückte wollten die Strecke halb nackt bestreiten.

In der Regel bereiten sich alle gut auf diese Kälte und die Umstände vor, wir nicht!

Meine Wölfe und ich (4 Leute aus der Gruppe) starten den Lauf mit kurzen Hosen und Oberkörper frei.

Meine Ausrüstung bestand aus Shorts, Five Fingers und einer Mütze.
Handschuhe hatte ich nicht dabei, aber ich wollte sowieso mal testen, ob man auch ohne laufen kann. Heute weiß ich, das sollte man besser nicht tun.

Der Lauf begann. Wir stürmten mit unserer Fahne bewaffnet über das Feld der Ehre. Die erste Station war ein Hindernis, bei dem man unter Stacheldraht durchkriechen musste. Direkt danach ging es sofort ins Wasser. Bis zur Hüfte steckten wir im schlammigen Wasser. Nass aber fit.

Bei so einem Lauf lebt man durch die Hilfe aller. Es ist annähernd unmöglich, so einen Lauf allein zu bewältigen, da man nicht alle Hindernisse allein schaffen kann. Wenn man einen hohen, schlammigen Berg hinauf muss, an dem man immer wieder runter rutscht, ist es notwendig, dass man sich gegenseitig hilft.

Da diesmal 3000 Leute am Start waren, gab es Massen von Menschen in den ersten Wassergräben.

Durchnässt ging es weiter. Wir liefen nun ein Stück durch die Straßen und dann in den Wald. Meine Hände waren eiskalt und ich wusste, dass es eine scheiß Idee war, ohne Handschuhe zu laufen. Im Wald gab es viele Höhenmeter zu bestehen, aber das ging, da die Sonne nun schien, jetzt wurde es auch langsam warm. Es waren zwar immer noch Minusgrade, aber wir froren in der Sonne nicht.

Nun kam die erste Wartestelle. Wir standen und standen und wussten nicht, was auf uns wartet. Es war ein Hindernis, bei dem man drei Holzwände überwinden musste. Relativ einfach, aber es dauerte bis man drüber war.

Wir standen also in großer Menge und warteten. Die Leute um uns herum zitterten schon vor Kälte und traten uns mit viel Respekt gegenüber, weil wir so leicht bekleidet waren.

Viele Kilometer ging es mit diesem Spiel. Bis Kilometer 20 war alles harmlos. Nun wurde es aber langsam feucht.

Da wir diesen Lauf bereits vor zwei Jahren bestritten haben, wusste wir, dass die Hölle erst auf den letzten Kilometern ausbrechen würde.

Und so kamen wir zum großen Wassergraben. Man geht rein und läuft im Wasser bis zur Brust ca. 100 Meter in eine Richtung, dann um die Ecke, dort sieht man, dass es den gleichen Weg zurück geht. Wir handelten wie Wölfe und gingen aufrecht und ohne Klage.

Mein Körper ist ganz gut gegen kaltes Wasser abgehärtet, aber die Hände waren kaum noch zu gebrauchen. Bewegungen der Finger waren nur noch eingeschränkt möglich. Ich konnte an den Hindernissen noch die Stangen und Wände greifen, aber Feinarbeit war aussichtslos.

Ich rutschte, nach dem Wassergraben immer wieder, mit der Hacke aus meinem Schuh und schaffte es kaum, die Hacke, mit der Hand, wieder reinzubekommen.

Wir kamen an ein Hindernis, durch das man krabbeln musste. Ich kam an, sah, dass man ins Wasser musste und dann unter einer Stange (kniehoch) durch tauchen sollte.

Ich nahm also meine Mütze ab, tauchte mit dem Kopf unter der Stange durch und hob die Mütze drüber entlang, dass sie nicht nass wurde. Das ganze Spiel machte ich zwei Mal, dann war ich kalt und nass, aber die Mütze wärmte mich wieder.

Nach so einer Aktion muss man sich erstmal wieder aufwärmen, und ich betete innerlich, dass nicht sofort das nächste Wasserhindernis kommt.
Aber selbstverständlich kam es schon. Ein Tunnel, in dem man mit Fontänen nass gespritzt wird.

Ich krabbelte so, dass mich die Fontänen kaum trafen, aber meine Hände wurden immer kälter (ständig nass) und schmerzhafter.

Ich versuchte sie unter meinen Armen zu wärmen, denn die Schmerzen wurden immer schlimmer denn Kälte und Anstrengung forderten ihren Tribut.

Aus den Kehlen der anderen hallte ein lautes: „Sturmwölfe! – Ahuuuuu!“.
So motivierten wir uns, wenn wir schwach wurden.

Wieder betete ich, dass ich mich wieder aufwärmen konnte, aber wir zitterten gemeinsam am ganzen Körper.

Das Klappern der Zähne konnte ich mit einem tiefen Atem ganz gut überlisten, aber es war ziemlich schwer, nicht die Fassung zu verlieren.

Nun liefen wir wieder schneller, damit uns endlich wieder wärmer wurde.
Die Nässe entzieht dem Körper so viel Wärme, dass man dem kaum entgegen treten kann. Zum Glück kamen ein paar Tee Stationen. Der Tee war heiß und es fühlte sich ziemlich schmerzhaft im Mund an. Wenn ich den Tee trank, merkte ich erst, wie kalt es wirklich war.

Alles OK, es ging weiter. Das Hauptspektakel war das Schwimmbecken und das stand uns noch bevor.

Man springt rein, läuft ein Stück und muss dann unter zehn Baumstämmen durch tauchen. Ich stellte mich dieser Aufgabe, wohl mit dem Wissen, dass ich jetzt fürchterliche Schmerzen erleiden würde.

Es kam schlimmer als ich es mir vorstellen konnte. Ich setzte meine Mütze ab und tauchte unter dem ersten Stamm durch. Der Kopf brannte sofort und ich hatte schreckliche Kälte-Schmerzen. Ich wusste, ich muss weiter gehen, denn über den Körper verliere ich auch Wärme im Wasser.
Also machte ich weiter. Jeder Tauchgang war die Hölle und ich schrie im Wasser vor Schmerzen, wo mich niemand hören konnte. Wenn ich auftauchte, rubbelte ich wie wahnsinnig meinen Kopf um ein bisschen die Durchblutung anzuregen und den Kopf wieder warm zu kriegen.

Zum Anfang ging es, aber das Wasser tat so weh, dass ich begann, Sterne zu sehen. Ich wusste, dass ich das nicht lange durchhalten konnte, also tauchte ich nicht mehr nach oben und nahm von nun an immer zwei Baumstämme. Die Schmerzen waren unerträglich, wenn ich auftauchte und ich begann vor Schmerzen langsam zu verzweifeln. Ich wartete kurz und rubbelte wieder meinen Kopf. Der Taucher, der neben mir stand (um die ganzen unterkühlten Wasserleichen raus zu fischen) sagte mir, dass es nur noch zwei Stämme sind, dann ich habe ich es geschafft. Ich konnte nicht mehr richtig sehen weil ich die Augen nicht mehr aufkriegte.

Ich nahm die Hürde und tauchte das letzte Mal durch, beide Stämme auf einmal. Ich schrie vor Schmerzen, doch es konnte kaum einer hören, weil alle Läufer im Wasser schrieen, kreischten und weinten. Es war ein großer Moment, als ich sah, wie alle anderen leideten und trotzdem nicht aufgaben. So viel Mut verdient Respekt und Anerkennung.

Völlig erschöpft, kam ich aus dem Wasser und versuchte mich durch ein paar Bewegungen (in der Sonne) wieder etwas aufzuwärmen. Schnell merkte ich, dass die Luft erstmal raus war. Ich musste mich kurz ausruhen, denn die Kälte hatte unglaublich viel Energie gezehrt. Ich sah, dass meine Startnummer sich an einer Nadel der Hose gelöst hatte. Ich versuchte, die Nadel zu schließen, scheiterte aber. Ich sprach einen Helfer an, der mir dann auch half.

Keine 10 Meter entfernt, musste man sich an einer Stange über das Wasser hangeln. Reihenweise vielen die Läufer von der Stange runter ins Wasser.
Ich wusste, dass ich nicht mehr so viel Kraft hatte und sprang gleich ins Wasser. Mit dem Körper kann ich Kälte recht gut ertragen. Das war kein Problem. Ich fand das Wasser nicht mal so kalt. Ich ließ sogar zwei meiner Sturmwölfe vor, bis ich dann selbst aus dem Wasser kletterte.

Jetzt wurde es aber richtig kalt, also wieder schnell laufen um aufzuwärmen. Die Hände und der Kopf taten mir weh. Ich betete für einen langen Laufweg und wenig Wasser. Zu meinem Glück zog sich die Strecke über eine längere Distanz hin. Sandsack tragen, über Gerüste klettern, durch Tunnel kriechen, alles kein Problem, denn es kam erstmal kein Wasser.

Wir wussten aber alle, das Ziel ist noch nicht erreicht. Auch wenn wir den Sprecher aus den Boxen des Ziels schon hören konnten, waren wir noch lange nicht am Ende.

Wieder kamen hohe Türme und Wasser, Wasser, Wasser. Langsam war ich so ausgelaugt, dass ich es kaum noch allein schaffte, mich über die Hindernisse zu bewegen. Ich bekam nun bei jedem mal Klettern Krämpfe in der rechten Wade. Ich versuchte dann immer den Fuß heranzuziehen, aber hatte keine Chance. Das Bein verkrampfte so stark, dass ich unter Schmerzen immer runter springen musste um das Bein zu dehnen.
Kameradschaftlich halfen mir aber alle. Keiner ließ mich hängen. Meine Jungs waren immer da, aber auch fremde Läufer halfen mir so gut es ging.

Der schlimmste Augenblick war in einem Hindernis, bei dem man auf einem Turm klettern musste, bei dem von allen Seiten Wasser-Fontänen kamen.
Ich merkte, dass ich völlig fertig war und begann die Orientierung zu verlieren. Angst und Panik machten sich in mir bemerkbar weil ich darüber nachdachte, was passiert, wenn ich irgendwo hängen bleibe und nicht raus komme.

Es ging aber alles gut und wir machten weiter.

Die Eishölle beginnt erst im Stadion auf den letzten 500 bis 1000 Metern. Dort brechen viele zusammen, wir aber nicht!

Ich kam mit den Jungs und unseren zwei Damen in die letzten Wassercontainer. Dort wollte ich durch und verlor einen Schuh im Wasser.
Das Wasser war so trüb, dass ich nichts entdecken konnte, also ging ich ohne weiter. Als ich das zweite Bein über den Container-Rand hob, verlor ich auch den zweiten Schuh. Und das bei immer noch -1 Grad.

Also lief ich ohne Schuhe weiter. Es waren vielleicht noch 500 bis 600 Meter zu schaffen und ich biss die Zähne zusammen. Da ich aber nun auch schon recht weich auf den Knien war und ständig Wadenkrämpfe bekam, war es ziemlich schwierig die großen Gerüste, barfuß, hoch und runter zu klettern. Ein Klettergerüst hatte etwa eine Höhe von vermutlich 8 bis 10 Metern. Man konnte herunter klettern oder an einer Stange rutschen. Ich wagte es und rutschte runter, weil ich keine Kraft mehr zum Klettern hatte.

Unten angekommen, kamen wieder Traktor Reifen, über die man klettern musste, keine Ahnung wie viele, 5 Stück hintereinander, 10 Stück….
keine Ahnung, es waren viele.

Einer der Helfer an der Seite sagte, es sind nur noch zwei Hindernisse.
Ich glaubte ihm nicht, weil ich so verzweifelt und fertig war, dass wenn ich es geglaubt hätte, und dann mehr gekommen wären, ich ausgerastet wäre. Ich war nervlich und körperlich lange über meine Grenzen hinausgegangen. Also machte ich einfach weiter. Und tatsächlich. Es ging über eine große Betonwand und ich konnte schon das Ziel sehen. Hoffnung machte sich neben Schmerzen und ständigen Krämpfen in mir bemerkbar.

Ich kletterte die zweite Wand herunter und ging zum letzten Hindernis.
Ein Tunnel (ich glaube, Fuchsbau Tunnel genannt oder so ähnlich, auf jeden Fall sehr eng und klein). Ich begann durch zu kriechen. Der Untergrund war mit großen und harten Kieselsteinen aufgefüllt. Jede Bewegung tat mir weh und ich stöhnte vor Schmerzen. Aber ich wusste auch, dass es gleich geschafft war. Allerdings, war ich so langsam, dass mich jemand von hinten tatsächlich an den Füßen packte und mich immer wieder vor schob.

Auf diesem Wege, möchte ich dir danken. Ich war geistig nicht mehr in der Lage mich umzudrehen und dir in die Augen zu schauen um mich dafür zu bedanken. Du hast mir bestimmt 3 bis 4 Minuten erspart.

Aus dem Tunnel, ging es direkt zum Ziel. Die Veranstalter schauten nicht schlecht, als sie uns (halbnackt und ich ohne Schuhe) dort ankamen sahen. Wir bekamen unsere Medaille und ich ging sofort ins Kleidungszelt, zog meine Jacke an und legte mich erstmal direkt neben die Heizung um schnell wieder aufzuwärmen. Meine Hände und Füße waren so taub von der Kälte, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte.

Die Partnerin meines Freundes Marco, zog mir darauf hin die Socken und Schuhe an, weil ich dazu nicht mehr in der Lage war. Jemand anders machte mir eine Banane auf und eine Flasche mit Fanta wurde mir aufgedreht. Leicht benebelt wurde ich von allen versorgt 😀

Wir fuhren dann ins Hotel. Ich sprang sofort unter die Dusche. Mit vielen Schmerzen erlebte ich, wie mein Körper sich langsam wieder zur Normaltemperatur aufwärmte. Es dauerte bestimmt zwei Stunden, bis ich wieder vollkommen warm war.

Mein Fazit von diesem Lauf ist: Der härteste Hindernis-Lauf, den ich mir bisher vorstellen konnte. Ich habe auch schon härtere Läufe gemacht, weil ich manchmal ein bisschen verrückt bin, aber noch nie einen derartig harten Hindernislauf.

Meinen Dank und Respekt an alle Organisatoren, ihr seid wahre Sadisten.
So viel Leid, wie ihr uns zugeführt habt, kann nur einer kranken Seele entspringen. Ihr habt meinen vollen Respekt dafür.

Das Motto war: „Schmerz geht, Stolz bleibt“. Die Definition für dieses Statement habe ich nun selbst am eigenen Leib zu spüren bekommen und kann dem nur beipflichten. Ich habe vieles bei diesem Lauf gelernt und bin unheimlich dankbar für die Erfahrung und alle Schmerzen.

Getting Tough

Rennsteiglauf Supermarathon, 21.05.16

Rennsteiglauf, Supermarathon
(Ein Laufbericht von Pit Reger.)

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AUA.
Das ist so plus minus das Resumé.
Nachdem ich terminlich meine Teilnahme am Trail-Uewersauer im November 2015 habe absagen müssen, habe ich mich im Herbst letzten Jahres spontan für die Teilnahme am Rennsteig Supermarathon im Mai 2016 entschieden. Rückblickend war die Entscheidung naiv und großartig zusammen.
Am Anfang war es ja noch so ein abstraktes Projekt. 72,8km laufen.
Das waren fast 20km mehr als ich je am Stück gelaufen bin. Im November war die Option viel zu trainieren ja noch da. Dann kam Weihnachten, dann Januar, Februar, März… Irgendwann waren es dann nur noch ein paar Wochen bis zum Lauf. Trainiert habe ich wie immer, lässig, mittel viel, aber nie weit. Meine längste Trainingsdistanz waren 26km.

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Also lies ich es drauf ankommen. Ich stand der ganzen Sache relativ emotionslos gegenüber. Entweder wirds was, oder nicht.
Freitag nachts fuhr mich mein Kumpel nach Eisenach. Um 6 Uhr morgens war Start. Außer einem kleinen Nickerchen vorher und einer „Ruhephase“ im Auto konnte ich keinen richtigen Schlaf verbuchen. Ich war aufgeregt, müde und wunderte mich warum neben mir noch über 2000 Leute die gleiche bescheuerte Idee hatten.
Startschuss. Ich ging das Rennen äußerst gemütlich an. Immerhin war es 6 Uhr morgens! Leicht schläfrig, trabte ich die die Straße hoch in den Wald. Mit der früh morgendlichen Sonne kam auch der Enthusiasmus. In 5 Kilometer Abschnitten ging es voran. Es machte erstaunlich Spaß. Während uns am Anfang noch ein Helikopter von oben verfolgte, kehrte nach einer Weile Ruhe ein.

Die über 2000 Leute fingen an sich auf dem Rennsteig zu verteilen. Jeder fand so langsam sein Tempo. Die Atmosphäre war locker.
Jedoch dauerte es fast bis zu Kilometer 40 bis man das erste Mal „alleine“ war. Die Teilnehmerzahl war so hoch, dass man sich quasi dauernd in einer Gruppe von 8-10 Leute wieder fand. Das führte zwar zu einer tollen Stimmung, das Tempo wurde dadurch aber konsequent hochgehalten. Man hatte keine Zeit sich ablenken zu lassen oder langsamer zu werden. Meine 10km Durchgangszeiten lagen bei durchschnittlich 55Minuten.
Es ging mir gut. Und das wunderte mich. Bis auf 2 Klopausen lief ich bis zur 54km Marke durch.
Dort konnte erwartete mich Felix, mein Kumpel. An der Stelle konnte man nämlich aussteigen und trotzdem eine Zeit bekommen.
Doch aufhören war keine Option. Nach einem kleinem Snack ging es weiter. Noch 18Kilometer lagen vor mir.

Bis Kilometer 65 ging es weiterhin „wie geschmiert“. Inzwischen meldeten meine Beine zwar schon deutlich, dass ich bereits über 5 Stunden auf den Beinen war, jedoch lag alles noch im grünen Bereich. Erst die letzen 5-6 Kilometer wurde es richtig schmerzhaft. Nachdem ich zum Teil vergeblich auf Kilometersteine gewartet hatte, fing die Moral an mir ein Schnippchen zu spielen. Ich wollte nur noch ankommen. Als ich dann endlich die Häuser von Schmiedefeld, dem Zielort erblickte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Noch ein paar Meter ging es durchs Dorf, um dann hellauf erleichtert durchs Ziel zu stolpern.
Mit einer Endzeit von 7:24 brutto war ich dann auch mehr als zufrieden, obwohl ich kurzzeitig mit einer Zeit unter 7 Stunden geliebäugelt habe.
Damit denke ich dann aber auch vorerst mein Distanz Maximum erreicht zu haben.

Danke an alle die mir geholfen habe, an alle Mitleidensgenossen, ehrenamtlichen Helfer, und und und.
Rennsteig ist ein Hammer Rennen das nicht um sonst so gefeiert wird!

Hier meine Ergebnisse:
rennsteiglauf.de/wettkampf/ergebnisse
20. Platz AK, 230. Platz insgesamt, Gesamtzeit: 07:24:01
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Bis zum nächsten Mal:
Pit Reger

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43. GutsMuths-Rennsteiglauf, 09.05.15

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Ein Laufbericht von Steve Klockow

72 Km voller Emotionen

Ich bin gestern in Thüringen den Rennsteig Supermarathon zum ersten Mal gelaufen. Eine wunderschöne Atmosphäre, mit viel Natur, aber auch vielen Teilnehmern und vor allem, vielen Höhenmetern.

Wir starteten Punkt 6 in Eisenach. Ich bemerkte, dass ich richtig gut drauf war und viel Energie in mir trug. Ich lief also recht schnell, aber trotzdem sehr besonnen.

Alles lief einfach phantastisch. Ich lief über 20 Km wie ein junger Gott und flog förmlich dahin.

Leider muss ich aber gestehen, dass ich nicht immer der vernünftigste Läufer bin und gern Dinge austeste, die mich oft in schwierige Situationen bringen.

Dieses Mal wollte ich unbedingt mit meinen neuen Five Fingers laufen. Sie haben keine richtige Sohle und dementsprechend auch keine Dämpfung. Und so merkte ich bei jedem Schritt, jeden spitzen Stein.

Ich habe nicht erwartet, dass es am Rennsteig auf den Pfaden so viele spitze Steine gäbe und so taten mir nach ca 20 Km so sehr die Füße weh, dass ich mir etwas überlegen musste.

Ich lief also jedes Mal, wenn ich die Möglichkeit hatte auf einer Grasnarbe, denn diese waren meist sehr weich und steinfrei. Oft ging es aber leider nicht und ich musste wieder auf den Wegen laufen.

Und so schleppte ich mich dahin, Schritt für Schritt. Wenn man weiß, dass man noch über 50 Km vor sich hat, denkt man nur noch Schritt für Schritt. Ich motivierte mich mit der Tatsache, dass jeder weitere Schritt einer in Richtung Ziel ist und ich hielt mir vor Augen, wie mir im Ziel die Medaille umgehangen wird. Das ist eine starke Motivation, wenn es mir nicht gut geht. Und so kämpfte ich mit mir.

Bei ca. 30 Km sah ich eine junge Frau, die sich schmerzverzehrt das Knie hielt. Ganz der Kavalier, fragte ich, ob alles in Ordnung wäre und sie sagte „nein, ich habe plötzlich starke Schmerzen im Knie“. Ich sagte ihr, dass wir ja ein Stück zusammen gehen können und dass der Schmerz auch so plötzlich verschwinden könne, wie er kam.

Wir liefen also zusammen und stellten uns einander vor. Anne lief ihren ersten Ultra und hatte sich ein großes Team aus zwei weiteren Läufern und vielen Betreuern mitgebracht, die sie alle anfeuerten. Als Neuling war sie die letzte der Truppe und nun mit mir unterwegs.

Ich war froh, dass ich einen Leidenspartner hatte, mit dem ich mich absprechen und gegenseitig motivieren konnte. Wir führten viele Gespräche und versuchten uns gegenseitig abzulenken. Aber die Schmerzen blieben trotzdem und so kämpften wir uns Schritt für Schritt in Richtung Ziel.

Wir hatten laufend die Zeit im Auge und merkten irgendwann, dass wir es nicht mehr schaffen würden, wenn wir so weiter machten.

Hinzu kam, dass die Strecke etwas mit der Länge verwirrte. Wir wussten nicht genau, ob es 72 oder mehr Km sind. Das ist natürlich kein Problem, wenn man noch genug Zeit hat, aber in unserem Fall war es tragisch, denn wir waren beide total fertig und quälten uns schon seit einigen Stunden.

Ich merkte, dass ich mit ihrer Geschwindigkeit nicht mehr mithalten konnte und sagte ihr, dass sie vorrennen solle. Als sie dann weg war, packte mich aber der Ehrgeiz und ich versuchte mich mental zu besinnen. Ich setzte mich, schloss die Augen, dehnte mich kurz und beschloss nun wie der Teufel zu rennen.

Ich fragte beim nächsten Verpflegungspunkt, wie weit es noch wäre. Die Dame sagte mir, es wären noch 9 Km in 1.13 Stunden. Ich wusste aber, dass ich nicht ordentlich auftreten konnte, weil mir bei jedem Schritt die Füße weh taten.

Jetzt wusste ich aber, es geht ums ganze.

Ich würde niemals in so einer Situation das Handtuch werfen. Wenn ich schon so leiden muss, will ich auch die Medaille dafür bekommen. Also rannte ich los und spürte meine Füße und meine muskulären Schmerzen. Mein Knie tat weh, meine Hüfte schmerzte und meine Füße bekamen jedes Mal einen starken stechenden Schmerz, wenn ich auf einen der vielen Steine trat.

Ich biss die Zähne zusammen und ballte meine Fäuste vor Schmerz, aber ich wusste, dass das alles bald vorbei wäre, wenn ich jetzt weiter machte. Jetzt musste ich kämpfen und alles geben, damit es nicht umsonst war. Ich überholte nun viele weitere Läufer und konnte auch Anne wieder einholen. Sie lief mit mir im selben Tempo und wir versuchten uns gegenseitig zu pushen.

Als wir dann das Tor sahen, viel uns beide eine große Last von den Schultern. Wir liefen etwas langsamer und entspannter hin und merkten auf einmal, dass es gar nicht das Ziel-Tor war sondern nur ein Tor, das zum Ziel führte. Die Dame am Tor sagte: „nur noch einen Kilometer, dann habt ihr es geschafft“.

Ihr könnt euch denken, wie es mir in diesem Moment ging.

Ich rannte also weiter mit Anne und wir rannten durch ein zweites Tor, bis wir dann endlich das Ziel-Tor entdeckten.

Ich war so voller Glückshormone, dass ich nochmal alles aus mir herausholte, um nicht durchs Ziel zu kriechen.

Endlich kam der lang ersehnte Moment und ich bekam meine Medaille, Anne und ich schlossen uns gegenseitig in die Arme und direkt darauf, legte ich mich auf die Wiese und wollte nur noch ausruhen. Ich konnte dann aber im Bus über eine Stunde schlafen, was mir sehr weiter half.

Trotz der vielen harten Umstände, konnten wir es schaffen. Wir haben nicht aufgegeben, obwohl wir beide stark gelitten haben. Aber das ganze Leiden hat sich gelohnt, denn nun haben wir beide eine Geschichte, die wir für ewig positiv erzählen können, anstatt allen zu erklären, warum wir es nicht schaffen konnten.

Veranstalter: Rennsteiglauf

11. Bleilochlauf, 25.04.15

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Ich dachte immer „Ultras“ sind gemütliche Läufe mit Kuschelpace ohne Laktathusten…ich wurde eines besseren belehrt…
Ein Bericht von Kathi Schichtl
Wieder eines dieser typischen Wochenenden im Leben eines Läufers, an denen man nicht weiß, bei welchem der vielen tollen Events man an den Start gehen soll…es fallen einfach immer zu viele klasse Veranstaltungen auf einen Termin. Meine Freundinnen Iwi und Sonja machen mir allerdings den Bleilochlauf schmackhaft – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: alles komplett vegan!!! Landschaftlich klasse, nette Orga – Jungs, peinlich günstige Startgebühr inkl. Shirt…. und da ich in Leipzig meine Eltern besuche bietet sich dieser kleine Kuschelultra mit 46 km und 1.150 HM rund um Deutschlands größten Stausee ja quasi förmlich an.

Die Anreise erfolgte am Vorabend ins verlassene ostdeutsche Örtchen Saalburg-Klosters. Dass es sich um eine familiäre Veranstaltung handelt merkt man sofort. Ich werde am Bahnhof in Schleiz von der Ehefrau vom Hauptorganisator abgeholt, da die Verbindung mit den Öffis katastrophal ist. Was für ein Service. In Saalburg-Klosters am Campingplatz beim Stausee werde ich sehr freundlich empfangen. Es folgt der Zimmerbezug im 16er-Zimmer und ein kurzer Rundgang. Ich bin eine der wenigen die am Vorabend anreisen. Wir sind lediglich knapp 15 Leute in der kleinen Herberge. Iwi, Sascha, Jan Albert und ich drehten zum „Beine“-Vertreten noch eine kleine 5 km – Sonnenuntergangs-Selfies-Runde. Da fiel bereits auf: landschaftlich ist es hier wirklich traumhaft schön. Auf dem Campingplatz waren die Jungs vom Orga Team ebenfalls noch fleißig am Werkeln. Es wurde tonnenweise „Chili sin Carne“ gekocht und wir durften die ersten Schüsselchen des sehr leckeren veganen Chili genießen. Den Abend ließen wir gemütlich mit Rotwein und von Männerhand selbstgebackenen Kuchen ausklingen und krabbelten nicht allzu spät in unsere Doppelstockbetten. Direkt am Fenster unterm Sternenhimmel.
Am nächsten Morgen erfolgte die Startnummernausgabe. Anders als wir es gewohnt sind, war 2 Stunden vorm Start fast nichts los. Insgesamt standen drei Strecken zur Auswahl: Ultra 46 km mit 1.150 HM, Classic 24 km und light 12 km sowie ein Bambinilauf mit etwas über 300 Teilnehmern. Die Stimmung war ausgelassen und man hatte nicht das Gefühl, dass man am Start eines Rennen steht. Es wurde viel gelacht, alles waren locker und es wurden ´zig Selfies geschossen… Iwi hat uns noch schnell alles Gute gewünscht und ist nach Hamburg weitergereist, da sie dort beim HASPA Marathon an den Start geht. Punkt 9 Uhr ging es dann auf die Strecke. Ich habe mich vorne eingereiht, damit ich gleich als erste Frau in Führung lag und somit einen guten Überblick hatte. Das Tempo war von Anfang an sehr zügig mit 4er Pace. Zu schnell für einen Ultra… wenn das mal gut geht. Dennis hat mich die ersten 10 Kilometer ordentlich gezogen. Es geht schnell auf Trails und lang am wunderschönen Stausee. Das Wetter ist perfekt. Nach kurzer Zeit ziehe ich bereits meine Jacke aus, weil die Sonne angenehm wärmt. Der Veranstalter und auch der Ruf der Veranstaltung haben nicht übertrieben. Landschaftlich einfach wunderschön mit fluffigen Trails. Der Hammerschlag kam dann bei km 12, als mich die 2. Frau einholt. Es handelt sich um die Vorjahressiegerin. Wir verstehen wir uns gleich richtig gut und laufen knapp 6 km zusammen und reden über Wettkämpfe, weitere Pläne und tauschen Tipps aus. Bei km 20 lasse ich sie ziehen – behalte sie allerdings stets im Blick. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich. Ein ständiges hoch und runter. Über Trails, Kies-, Wurzel- und Mooswege; meistens mit Blick auf den schönen See. Alle 6-7 km wurden wir mit veganen Schlaraffenland-Versorgungsstellen von sehr freundlichen Helfern und Kindern verwöhnt. Danke an dieser Stelle für die liebevolle Mühe. Auf der Strecke wird es auf der zweiten Hälfte langsam einsam. Von einem Streckenposten erfahre ich, dass ich von allen Ultraläufern sogar auf Platz 5 liege. Das macht mich schon sehr stolz…Letzter Versorgungspunkt bei km 41; nun heißt es nur noch bergab…5 km Asphalt, die wirklich weh taten. Aber das Ziel ist zum Greifen nah und ich hoppel die letzten Kilometer als glückliche 2. FRAU mit 3:54 Std. und insgesamt 7. FINISHERIN ins Ziel, wo mich alle lachend empfangen und gratulieren. Geschafft. Schön war es – aber hart! Aber wie heißt es so schön: Der Schmerz vergeht, der Ruhm bleibt…Also ab unter die heiße Dusche und Dreck abwaschen, in gemütliche Klamotten schlüpfen und hübsch machen für die Siegerehrung, sowie veganes Kuchenbuffet plündern. Besonders empfehlen kann ich den genialen Schokokuchen der nach alten Geheimrezept gebacken wurde. Balsam für den Gaumen. Als Siegerpreise gab es ebenfalls richtig brauchbare Sachen: Chiasamen und das Buch „born to run“, welches in keinen Ultraläufer-Haushalt fehlen darf. Dennis kam knapp 30 Minuten nach mir ins Ziel und war ebenfalls sehr zufrieden. Er musste sich die Kräfte einteilen, immerhin stand er am Sonntag schon wieder am Start beim Hermannslauf.
Als Resümee kann ich sagen: Next year do it again!!!! Und dann hoffentlich mit mehr ASICS Frontrunnern 🙂
Günstige Startgebühr, familiäre Veranstaltung, sehr nette Organisatoren, kuscheliges 16er Zimmer, landschaftliche Traumkulisse, veganes Schlaraffenland, tolle Preise, nettes „come-together“ mit den üblichen Verdächtigen! Danke an Rico und Daniel, sowie Koch und Praktikant und alle fleißigen Ehefrauen, die uns mit den veganen Köstlichkeiten verwöhnt haben! It’s a big world – go run it!

http://www.bleilochlauf.de/

Alle Bilder:

Kristall-Lauf, 26.10.13

Glück Auf!
Oder: Marcus, Steffi, Tim und Auge in unglaublicher Tiefe.
(*)
(16. Internationaler Sondershäuser Kristalllauf, Brügman-Schacht.)

2013_kristalllauf1Verfasst von Auge
Ein Erlebnisbericht über den Besuch der ältesten noch befahrbaren Kaligrube der Welt:
Die Autofahrt von Berlin nach Sondershausen dauert etwa drei Stunden. Mit einem Navigationsgerät der ersten Generation gegebenenfalls auch länger. Trotz einer Straßenführung ins Blaue, blieb Steffi guter Dinge, denn das Gerät, so behauptete sie verbissen, habe sie immer gut und richtig geführt. Da spielte es keine Rolle, ob die eine oder andere Straße nicht mehr existierte. Als jedoch eine markante Landschaft mit Windrädern und mittendrin ein einsam und verlassen wirkendes Hotel mal links, dann wieder rechts an uns vorbei zogen, und das Navi munter im Kreis führte, schaltete ich nach der Begegnung der dritten Art meine Handynavigation dann doch ein. Trotzdem blieb es eine fahrige Angelegenheit, weil Autobahnabschnitte ohne Umleitung einfach gesperrt waren. – Nach mehr als vier Stunden Fahrt, der Stress hatte schon spürbar an unserem Nervenkostüm genagt, waren wir gegen 11 Uhr endlich da. Am Parkplatz, vor dem Bergwerkseingang, trafen wir auf Marcus und Tim, die den richtigen Weg etwas früher gefunden hatten.
Nach einem kurzen Team-Check: “Laufbekleidung, Laufschuhe, vorgeschriebener Fahrradhelm – Check!“ und mit dem Empfang der Startnummern, war alle Hektik verflogen. –

Kristall-Lauf, 26.10.13 weiterlesen