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Halbmarathon-Staffel in Potsdam am 31.08.2016

Alle waren GewinnerSo viele Vegan Runners hat noch keine Laufveranstaltung in Berlin-Brandenburg bisher gesehen. Mit 20 Läuferinnen und Läufern, die sich auf vier Staffeln verteilten, waren ständig und überall Läufer*innen mit dem schwarz-grünen Shirt und der Aufschrift VEGAN RUNNERS zu sehen. Insgesamt waren um 19 Uhr 108 Staffel gestartet und kein Verein hatte so viele Staffeln am Start wie wir. Dazu kam dann noch eine Staffel der Spreeganer. Vier Runden waren für jeden Läufer zu absolvieren, dabei ging es immer um den Bassinplatz im Holländischen Viertel in Potsdam. Für die Zeitmessung gab es einen Staffelstab mit integriertem Chip, sodass für jede und jeden die Zeit registriert wurde.

Im Vorwege war das Leistungsvermögen unsere Läufer*innen abgefragt und daraus dann eine Mixed-Staffel unserer schnellsten Leute zusammengestellt worden, weil wir uns hier im Vergleich zu den Vorjahren eine Chance ausrechnen konnten. Von den fünf Läufer*innen durften zwei Männer sein und so ließen wir unseren schnellsten Mann Pit starten, gefolgt von den drei schnellsten Frauen und dem zweitschnellsten Mann als Schlussläufer.

Erst kam Pit und dann lange nichtsPit brauchte für die ersten 4,2195 Km nur 15:40 Minuten und übergab den Stab an Ute, gefolgt von Constanze und Antje. Die Frauen blieben alle deutlich unter 19 Minuten für ihre Strecke. Schlussläufer war dann Lukas, der nach insgesamt 1:28:38 die Ziellinie überquerte. In der Gesamtwertung wurde diese Staffel 20. von 106, die ins Ziel kamen. Da sie die schnellste Mixed-Staffel war, konnten wir sie bei der Siegerehrung in dieser Kategorie als Erste feiern. Der Preis war ein Getränkekasten mit einer Mischung aus Bier, alkoholfreiem Bier und Grapefruit-Weizenmix, die wir uns alle teilten. Die zweitplatzierte Mixed-Staffel kam erst über zwei Minuten später ins Ziel und die drittplatzierte noch mal zehn Minuten später.

Das SiegerteamUnsere Frauenstaffel belegte in 1:44:59 insgesamt den 69. Platz und war damit bei den Frauen fünfte.

FrauenstaffelDie Männerstaffel war mit 1:35:25 schneller und belegte insgesamt den 39. Platz. In der Männerwertung reichte das zum 19. Platz. Unsere Firmenstaffel bestand aus drei weiteren Frauen und zwei Männern. Sie wurden in 1:53:57 insgesamt 88. und in der Firmenwertung 30.

VEGAN RUNNERS BBI FirmenstaffelDie Spreeganer waren 10 Sekunden schneller und kamen einen Platz vor uns ins Ziel.

Freudige SpreeganerinWenn wir unsere schnellsten Männer alle in eine Staffel gesteckt hätten, wären sie insgesamt nur 14. und bei den Männern 9. geworden. Ähnlich bei den Frauen; die wären insgesamt 41. geworden und unter den Frauen immerhin 4. So hatten wir aber nicht nur auf der Strecke eine gute Präsenz, sondern auch bei der Siegerehrung.

Unsere schnellste Frau Antje ist mit 18:27 unter den Vegan Runnners die fünftschnellste Zeit gelaufen und unter unseren schnellsten zehn sind immerhin vier Frauen. Alle Achtung!

Die schnelle AntjeAlle hatten reichlich zum anschließenden Picknick beigetragen, sodass wir noch lange zu essen und plaudern hatten.

Picknick etwas durcheinanderLeider mussten Guido, Melanie und Felix  absagen, da  war es gut, das wir drei Ersatzläufer*innen hatten, die tatsächlich alle zum Einsatz kamen. Kurzfristig sagten an dem Abend dann noch Zuzanna und Heiko ab. Am schlimmsten hatte es Heiko getroffen, der auf dem Weg zum Start in Potsdam mit einem seine Vorfahrt missachtenden Auto kollidierte und ins Krankenhaus musste. Zum Glück im Unglück hat er sich aber nichts gebrochen. Wir wünschen ihm schnelle Genesung, damit er für den Berlin-Marathon wieder fit ist.

Heikos Unglück war mein Glück, denn nun kam auch ich noch dazu zu laufen. Wegen meine Plantar Fasciitis hatte ich mich zurück gehalten. Da Guido Zörner mich mehrfach osteopathisch behandelt hatte, ging es dann für meine Verhälnisse recht gut. Danke Guido, kann dich echt empfehlen.

Erfreulicherweise hatte die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) am Tag vor dem Rennen einen wohlwollenden Artikel über uns gebracht, der hier nachgelesen werden kann:
Vegan Runner Frank
http://www.maz-online.de/Nachrichten/Sport/Die-Vegan-Runners-sind-dabei

Die Ergebnisse können hier abgerufen werden: https://www.strassenlauf.org/ext_ergebnisse.php?id=405&match=-1

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Bilder von Stefanie Stefanie Hollnack:


Professionelle Spreeganer-Performance vor kultigen VR-Banner!

Heimfahrt:

Fakten der Vegan Runners

Die Vegan Runners wurden beim London Vegan Festival am 4. Juli 2004 in Großbritannien von der dortigen Vegan Society gegründet: http://www.veganrunners.org.uk/

VEGAN RUNNERS BBI Logo

Während die Briten sich als Verein mit Mitgliedsbeiträgen organisiert haben, sind wir eine lose Verbindung, die sich fast nur bei Rennen trifft. Unsere Gruppe wurde 2007 von Andrea Hayn ins Leben gerufen. Seit Juni 2009 haben wir eine eigene Website: http://veganrunners.de/. Dort posten wir Berichte von Rennen, an denen Einzelne von uns teilgenommen haben.

Die deutschen Vegan Runners haben eine Facebook-Gruppe mit inzwischen 1.314 Mitgliedern:https://www.facebook.com/groups/VeganRunnersGermany/ (Stand 21.08.2016).

Die Berlin-Brandenburger Vegan Runners haben seit 29. Mai 2013 ihre eigene Gruppe auf Facebook mit 181 Mitgliedern: https://www.facebook.com/groups/veganrunners/ und eine Fanpage: https://www.facebook.com/veganrunners.de/ mit ca. 800 Followern (Stand 21.08.2016). Fans kommen u. a. auch aus Brasilien, Mexiko und den USA.

Leicht zu erkennen sind wir über unsere Shirts mit dem weißen Schriftzug auf grünem Grund VEGAN RUNNERS:
VEGAN RUNNERS Shirt

Auf Veranstaltungen sind wir immer in der Nähe unseres Banners zu finden:
VEGAN RUNNERS BBI BannerWir tauschen uns über Facebook und unsere Mailingliste aus. In die Mailingliste kann man sich eintragen lassen, wenn man uns eine E-Mail schreibt.

Auf FlickR haben wir ein Archiv unserer Fotos angelegt: http://www.flickr.com/photos/veganrunners_bbi/sets/

Per E-Mail sind wir über kontakt@veganrunners.de zu erreichen.

Inzwischen organisieren sich Vegan Runners auch in Polen, der  Schweiz  und Österreich.

25. adidas Runners City Night

Wo trifft man am Sonntagabend in Berlin Vegan Runners? Wenn es der 30. Juli ist, bei der adidas Runners City Night. Ohne verabredet zu sein, sind mir dort sechs von acht teilnehmenden Vegan Runners begegnet, die alle die 10 Km gelaufen sind. Eine der seltenen Gele­genheiten den Ku’damm ohne Autoverkehr rauf und runter zu lau­fen und dabei von wenigstens vier Bands und unzähligen Zuschau­ern angespornt zu werden.

Die Bedeutung dieses Laufes, an dem 5.821 Läuferinnen und Läufer teilnahmen, wurde auch durch die Starts zweier Marathonläufer­*innen unterstrichen, die in ca. zwei Wochen in Rio de Janeiro an den Start gehen werden: Bei den Frauen war das Mayada Al-Sayad und bei den Männern Philipp Pflieger. Die Berlinerin Mayada wurde Zweite bei den Frauen und lief dabei in 0:33:43 persönlichen Re­kord. Sie wird in Rio für Palästina starten. Philipp Pflieger wurde in 29:47 unangefochten Erster und wird in Rio für Deutschland an den Start gehen.

Der Start der adidas Runners City Night war um 20:30 Uhr. Bis dahin hatte es sich auf ca. 20 Grad abgekühlt. Die Läufer waren in Startblöcken von A bis E unterteilt, auf Grundlage der bei der An­meldung angegebenen Bestzeit der letzten drei Jahre. Das Wetter war optimal und die Strecke ebenso, auch wenn es zeitweise über Kopfsteinpflaster ging. Vielfach war jedoch bemängelt worden, dass der Veranstalter für die sichere Aufbewahrung des Gepäcks der Läufer fünf Euro verlangte. Wer mutig war, konnte seine Sachen im Umkleidezelt hinterlassen, natürlich ohne Garantie.

Die Strecke führte von der Kreuzung Joachimsthaler Straße über den Kurfürstendamm, rechts in die Nestorstraße,  über Droysen- und Windscheidstraße, dann rechts in die Kantstraße, bis zur Jo­achimsthaler Straße und wieder den Kurfürstendamm hinauf, bis fast zur Markgraf-Albrecht-Straße, wo eine Kehre war. Dann ging es gerade wieder den Kurfürstendamm hinunter, bis zum Ziel kurz hinter der Joachimsthaler Straße.

Nachdem ich mir am Mittwoch im Training die Wade gezerrt hatte und zudem an einer Plantarfaszitis laboriere, wollte ich betont lang­sam laufen. Zur Sicherheit hatte ich morgens einen kurzen Trai­nings­lauf absolviert, der mich hoffen lies heil durchkommen zu kön­nen. Andreas hatte mir am Start gesagt, dass er eine Zeit um 50 Minuten anstreben würde, sodass ich mir vornahm, ihm zu folgen. Wir liefen von Beginn an mit einem Schnitt um 5 Min/Km, was sich für mich gut anfühlte.

Auf dem ersten Kilometer lagen ein paar 50-Cent-Stücke auf der Straße, als wenn jemand die Läufer damit zum Anhalten und Auf­heben animieren wollte, um so Auflaufunfälle zu provozieren. Kurz darauf gab es eine Dusche, die wir zweimal passieren konnten. Auf der Strecke waren mehrere Bands, die mit ihrer rhythmischen Musik uns Läufern den Takt vorgaben.

Leider konnte ich Andreas nicht so gut folgen, wie ich es mir erhofft hatte. Nachdem ich ihn am ersten Verpflegungspunkt überholt hat­te, sah ich lange nichts mehr von ihm. Auf der Zielgeraden hatte er dann aber doch noch etwas zuzusetzen, und kam in 50:14 ins Ziel. Als er mich überholte, meinte er, wir würden uns am Erdinger-Aus­schank wiedersehen. Im Ziel warteten dann aber auch Nicole, Heiko und Robert – wie oben auf dem Foto zu sehen – die alle schneller waren als ich.

Wegen meiner Zerrung verzichtete ich auf einen Endspurt und kam in 50:51 Minuten ins Ziel. Damit war ich in meinem Jahrgang zwar der Schnellste, aber in der Altersklasse 65 nur der Zehnte. Mit Robert wartete ich dann geduldig in der Schlange am Erdinger-Ausschank auf unser alkoholfreies Bier. Dort wurden im Akkord, aber mit unterschiedlicher Effizienz, die Becher gefüllt. Während eine junge Frau es zuverlässig schaffte die Flaschen bis zum letzten Tropfen in die Becher zu entleeren und wie zum Beweis die Flaschen dabei am Ende umgekehrt hoch in die Luft hielt, schaff­te der Mann neben ihr mal gerade 4/5 des Flascheninhalts in die Becher zu bekommen. Von den Resten, die er an diesem Abend in den Flaschen ließ, hätte eine ganze Party versorgt werden können.

Dieser Lauf war für mich – wie für viele andere – ein Test in der Vorbereitung auf den Berlin-Marathon. Ein nächster Test wird der Stadtlauf-Berlin-Halbmarathon am 21.08. sein, für den ich mich gerade angemeldet habe. Ich hoffe, da viele Vegan Runners zu sehen.

SCC Laufcamp 2016 an der Costa de la Luz (Andalusien)

Von diesem Laufcamp hatte ich bei meinem diesjährigen Sportleistungstest beim SMS Sportmedizin Berlin (SMS Medical Institute) erfahren. Das Angebot beinhaltete die Option noch einen Startplatz für den Berlin-Marathon zu bekommen, was den Ausschlag gab, weil ich es versäumt hatte rechtzeitig zu buchen. Meine Hoffnung war, hiermit auch einen guten Start in die diesjährige Laufsaison zu haben. Mit bald 65 Jahren habe ich mir vorgenommen im Herbst meinen ersten Marathon zu laufen. In den letzten beiden Jahren hatte ich jeweils einen Halbmarathon absolviert und mich zum Aufbau für dieses Jahr bereits für die BIG25 in Berlin im Mai angemeldet.

Freitag 26.02. Anreise mit Germanwings von Berlin über Düsseldorf nach Jerez de la Frontera. In Berlin hatte ich zwei Bordkarten ausgedruckt bekommen und mich in Düsseldorf zu dem angegebenen Gate A 46 begeben. Während ich mich schon wundere, dass man noch nicht mit den Vorbereitungen zum Boarding beschäftigt ist, bekommen ich einen Telefonanruf, währenddessen ich nebenbei meinen Namen über den Flughafenlautsprecher ausgerufen höre, mit der Aufforderung mich unverzüglich zum Gate A 49 zu begeben. Dort bin ich dann der Letzte, der an Board geht. Wenn das mal kein Ohmen ist …

In Jerez habe ich einen Fiat 500 Leihwagen bestellt, weil Taxifahrten zum über 60 km entfernten Hotel fast genauso teuer geworden wären. Bei der Fahrt stelle ich fest, dass ohne einen lokalen Telefonvertrag das GPS in meinem Handy nicht funktioniert. So frage ich an zwei Tankstellen nach dem Weg und komme dann doch noch, wenn auch später als nötig, an.

Der Pool
Foto: Axel Kieser

Das Hotel IBEROSTAR Royal Andalus liegt mit anderen Hotels direkt am Strand der Costa de la Luz in der spanischen Region Andalusien. An der Rezeption spricht die Dame lieber Deutsch als Englisch mit mir und händigt mir die Türkodekarte für mein Zimmer aus. Es liegt im obersten Stockwerk, welches der zweite Stock ist, weil hier die Häuser nicht höher als die Bäume gebaut werden dürfen. Das Zimmer hat einen Balkon, von dem aus ich das Meer zwar rauschen hören, aber nicht sehen kann. Ich tröste mich damit, dass ein Balkon zum Meer und Pool durch die Leute sicher lauter gewesen wäre.

Zum Abendesse ist ein umfangreiches Buffet aufgebaut, von dem ich als Veganer nur einen Bruchteil in Betracht ziehe, aber trotzdem gut speisen kann, denn es gibt auch reichlich rohes Gemüse und einfache Salate. Das Hotel scheint ein Rentnerparadies zu sein. Ich höre, dass unter den Gästen vorwiegend Deutsch gesprochen wird. Ob das wirklich ein guter Ort für Sportler ist?

Der Wetterbericht hatte vor einer Woche für die ersten zwei Tage Regen vorhergesagt und Recht behalten. Es gießt zeitweise in Strömen, aber so günstig, dass ich in den Pausen gut mein Gepäck ausladen kann. Der Regen prasselt auf das Plastikdach des Hotelganges und erzeugt so einen erheblichen Lärm. Unten im Foyer wird bis spät in die Nacht Musik gemacht und gesungen. Trotz dieses ungewohnten Geräuschpegels schaffe ich es früh ins Bett zu gehen und einzuschlafen.

Samstag 27.02. Nachdem ich die Nacht zuvor nur vier Stunden und etwas unbequem geschlafen hatte, weil ich schon um fünf Uhr früh am Flughafen sein musste, habe ich heute bis um acht durchgeschlafen. Es regnet nun nicht mehr und sogar die Sonne ist zu sehen. Also ziehe ich Laufshorts, mein Vegan-Runners-Laufshirt und Laufschuhe an und mache mich auf den Weg. An der Rezeption frage ich nach einem Jogging Trail und erfahre, dass es an der Straße markierte Gehwege gibt. Superleistung für ein Viersterne-Hotel, in dem regelmäßig Laufcamps stattfinden.

Pinienwäldchen
Foto: Axel Kieser

Von meinem Balkon aus hatte ich eine Holz­treppe gesehen, die in ein Pinien­wäldchen führt. Die nehme ich und komme schon nach kurzer Zeit zu einer Anhöhe, von der aus ich das Meer sehen kann. Hier bläst nun aber ein kalter Wind, der mich umkehren und wärmere Laufkleidung anziehen lässt. Unter zehn Grad und Böen mit bis zu 65 km/h sind so besser auszuhalten. Am Strand ange­kommen entscheide ich mich zunächst nach Norden gegen den Wind zu laufen, um es auf dem Rückweg einfacher zu haben. Der Sturm treibt die Gischt auf den Strand, wo sie vom Sand schnell aufgerieben wird. Trotz Jacke und langer Hose ist es recht kalt und so laufe ich nur etwas über drei Kilometer und drehe dann um. Plötzlich ist kein Wind mehr zu spüren und es läuft sich ganz leicht. Nach etwa einem Kilometer legte der Wind dann doch zu und trieb zu einem flotten Trab an. Bei einem Tempo von unter 4:30 Minuten pro Kilometer fühlt sich das Laufen fast so schön wie Fliegen an.

Nach den blumigen Beschreibungen des Strandes in den Werbe­texten des Hotels, war die Wirklichkeit doch eher ernüchternd. Teilweise ist der Strand übersäht mit Steinen und Muscheln, sodass ich aufpassen musste mit meinen Barfußlaufschuhen (VIBRAM Fivefingers) nicht draufzutreten und evtl. umzuknicken. Auch ist der Sand teilweise sehr weich, sodass man tief einsinkt, aber dicht am Wasser gibt es kaum Steine und der Sand ist zum Laufen schön fest.

Ich hatte gelesen, dass Mann im Restaurant lange Hosen tragen soll und hoffte, dass ich auch mit meiner Sporthose in den Speisesaal darf. An der Tür stand ein Hotelbediensteter, den ich freundlich mit Ola begrüßte und so anstandslos passieren durfte. Dann schaute ich mich nach einem Buffet mit Früchten um und fand frische, aufge­schnit­tene Orangen, Wasser- und Honigmelonen, frische Ananas, sowie eingelegte Pfirsiche und Mandarinen. Letztere schmeckten leider vergammelt und auch die Wassermelone war nicht von guter Qualität. Es gab auch acht verschiedene Säfte und mindestens sechs weitere Buffets mit Sachen, die für mich zumindest zum Frühstück nicht in Frage kamen. Leider wurden außer Kürbiskernen weiter keine Samen oder Nüsse angeboten bzw. ich habe sie an diesem Morgen nicht gefunden.

Am Nachbartisch sitzen drei sportlich aussehende jüngere Männer und eine Frau. Zwei davon tragen Shirts vom 41. Berlin-Marathon. Ob die zum Team des SCC-Laufcamps gehören? Die sind gut mit sich selbst beschäftigt, sodass ich die Frage zurückstelle, aber später als ich einen von ihnen an der Rezeption anstehen sehe, frage ich doch. Er bestätigt meine Vermutung und stellt sich als Srdan (Dr. Srđan Popović) vor, meint aber der Einfachheit halber dürften alle ihn Serge nennen. Er war auch schon am Strand laufen gewesen, sodass wir uns kurz über das Wetter unterhalten. Dann sagt er mir, dass wir uns um 19 Uhr im Konferenzraum zur Vorbesprechung und offiziel­lem Beginn des Camps treffen würden.

Wir habe mit dem Hotel Frühstück und Abendessen gebucht, sodass wir uns mittags selber versorgen können/müssen. Dafür habe ich mir am Vorabend bereits einen Becher mit Studentenfutter einge­weicht. Leider musste ich dabei feststellen, dass das Leitungswasser hier chloriert ist, sodass ich dann doch lieber ein paar Flaschen Wasser im Supermarkt einkaufen werde. Neun Liter sollten für die Zeit hier reichen.

Der aktuelle Wetterbericht kündigte bis Sonntag in einer Woche keinen weiteren Regen an, dafür ab morgen 15 °C und in den Folgetagen teilweise bis 18 °C. Gute Aussichten also.

Um 19 Uhr treffen sich alle im Konferenzraum des Hotels. Die vier Coaches stellen sich vor: Claudia als Physiotherapeutin (Claudia Helmstorf), Serge als Biomechaniker, Benny als Lauftrainer (Benja­min Schalanda) und Nico als Spezialist für Stabilisierungs- und Kraftübungen. Insgesamt haben sich 32 Läufer*innen eingefunden, von denen ca. zehn bereits im Jahr zuvor, beim ersten Laufcamp des SMS Medical Institutes dabei gewesen waren.

Der Strand am Morgen
Foto: Axel Kieser

Sonntag 28.02. 7:30 Uhr auf zum leichten Galopp am Strand mit nachfolgenden Dehnübungen. Dann gibt es Frühstück: Orangen, Honigmelone, Pfirsiche (ein­gelegt), Wasser­melone, Ananas und dann eine Schüssel mit Samen (Leinsaat, Sesam, Mohn, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne), Haferflocken und Soja­milch. Das werde ich mir morgen früh vor dem Lauf zusammen­mischen und dann länger einweichen lassen, damit es sich besser kauen lässt.

Um 10:30 Uhr ging es dann zu einem Intervalltraining: 1.000 m im Halbmarathontempo, zwei Minuten gehen, dann 800 m etwas schneller, gefolgt von wieder zwei Minuten gehen, dann 600 m noch schneller, gefolgt von wieder zwei Minuten gehen, dann 400 m so schnell es (dann noch) geht. Das ganze zwei Mal und dann im leichten Trab zurück.

Für um 14:50 Uhr hatte ich mich zur Physiotherapie bei Claudia angemeldet, die alle 20 Minuten jemanden von uns durchwalkte. Ich hab mir heute eine Behandlung meiner Schulterprellung erbeten. Sie machte das sehr gut, meinte aber, ich solle mir dafür zuhause noch mehr Physiotherapie verschreiben lassen.

Um 15:30 Uhr ging es dann im leichten Trab in einen nahe gelegenen Park und von dort am Strand zurück zum Hotel. Dort folgte dann noch eine Dehnungssession.

Alles zusammengerechnet bin ich heute 19,5 Km gelaufen.

Montag 29.02. Um 10:30 Uhr fand der Y-Test und dann Laufform­übungen am Strand statt. Beim Y-Test sollten wir zunächst einen Schieber auf einer Art Metermaß mit jeder Fußspitze soweit wie möglich nach hinten schieben. Dann mit einem Fuß so weit wie möglich nach rechtshinten und danach mit dem gleichen Fuß so weit wie möglich nach linkshinten, und dann das gleiche mit dem anderen Fuß. Die Werte wurden addiert und durch die dreifache Schrittlänge geteilt. Daraus soll sich ein allgemeines Verletzungsrisiko und ein Rechts-/Linksvergleich ableiten lassen. Bei mir erschien alles im positiven Bereich und relativ ausgeglichen.

Um 15 Uhr sollte eine Laufstilanalyse auf dem Laufband stattfinden, aber die Lichtverhältnisse spielten nicht mit, denn die Sonne schien jetzt direkt in das Fitnessstudio. Die Analyse wurde daher auf den frühen Morgen verschoben. Statt dessen fanden dann noch weitere Laufformübungen am Strand statt. Abends hat Serge einen Lichtbildvortrag zum Thema Laufkoordination gehalten. Fazit: „Forget almost everything“, but remember Form and short Steps.

MotionMetrix Laufanalyse
MotionMetrix Laufanalyse

Dienstag 01.03. 7:30 Uhr: Es steht zwar nicht im Plan, aber ich mache trotzdem einen leichten 20-minütigen Jog am Strand. Zuvor hatte ich mir ein Müsli gemischt und eingeweicht. Um 8:20 Uhr bin ich dran zur verschobenen Laufstildiagnostik. 30 Sekunden bei 12 Km/h auf dem Laufband joggen, in bester Haltung. Dabei von zwei Kame­ras gefilmt werden, wobei mit einer Software Markierungspunkte auf die Aufnahme projiziert werden, die meine Gelenke kennzeich­nen sollen und durch verbindende Linien meine Haltung leichter beurteilbar machen soll. Es gibt eine Auswertung wie beim Kühl­schrank von A bis E, wobei A die beste Note ist. Bei mir reicht es nur zum E, wobei Serge meint, nicht alle Indikatoren wären zuverlässig und mein Ergebnis eigentlich nicht schlecht.

Um 9 Uhr geht es schon weiter zur Aqua-Power-Gymnastik im beheizten Pool. Vor der regulären Öffnungszeit ist der Spa-Bereich für uns reserviert, wo wir in drei Gruppen jeweils 30 Minuten lang Aqua-Jogging und -Gymnastik machen. Hinterher noch schnell in die Dampfsauna und dann ist frei bis um Drei. Da das Spa täglich schon um 19 Uhr schließt und 90 Minuten Aufenthalt 15 Euro kosten, fällt das Spa für mich im Folgenden aus.

Für um 15:30 Uhr ist für 50 Minuten Tempowechsel-Dauerlauf angesetzt, gefolgt von Strechingübungen. Insgesamt bin ich heute 15 Km gelaufen.

Zum Abendessen hatte ich bei der Küchenleitung angefragt, ob sie nicht mal Hummus anbieten kann. Die Reaktion war sehr freundlich und aufgeschlossen, und ließ mich hoffen. Es hieß ich solle ihnen zehn Minuten Zeit geben. Nach zehn Minuten bekam ich eine Schüssel mit einer hellbraunen Masse überreicht. Hocherfreut und mit einem Ausdruck südländisch überschwänglicher Dankbarkeit, nahm ich die Schüssel mit zu meinem Platz, schnitt mir ein paar Scheiben des einzigen etwas dunkleren Brotes ab und bestrich es mit dem „Hummus“. Zu meiner Überraschung und Enttäuschung zeigte sich, dass es lediglich pürierte Kichererbsen waren, ohne irgendwelche Würze. Also organisierte ich mir Zitrone, Paprika und etwas Salz, und machte mir die Masse etwas schmackhafter.

Nach dem Abendessen schrieb ich ein einfaches Rezept für Hummus auf und gab es der Küchenleitung als Anleitung für den nächsten Versuch. Wieder zeigte sie sich sehr aufgeschlossen und zuvor­kommend, und fragte, was sie sonst noch tun könnten. Ich bat um gebratenen Tofu und Süßkartoffeln, sowie wenigstens einen von vier Salaten ohne tierische Produkte. Das mit dem Salat klappte dann leider nur an einem der Folgetage.

Mittwoch 02.03. Die Hälfte des Camps liegt schon hinter uns. Ich hab zwar eine leichte Achillessehnenreizung, bin aber sonst froh, dass ich mich bisher nicht verletzt habe und auch meine Gelenke mir nicht die befürchteten Schmerzen bereiten. Nachdem ich Anfang des Jahres vermehrt Gelenkschmerzen hatte, habe ich meine Diät radikal umgestellt und auf Kaffee, Alkohol, Zucker und Weißmehl komplett verzichtet. Das scheint nicht ohne Wirkung zu sein, also weiter so.

Um 7:30 Uhr ist wieder allgemeines Joggen am Strand mit folgen­dem Stretching angesetzt. Die Coaches haben immer wieder neue und überraschend wirkende Übungen parat und haben uns versprochen, uns diese in einem Script nachzusenden. Da freue ich mich schon drauf, denn dieses Camp soll einen bleibenden Einfluss auf mein Training haben.

Um 10:30 Uhr ist Krafttraining angesetzt, das wir in drei Gruppen absolvieren. Claudia zeigt uns ein paar sehr effektive Pilates-Übungen. Serge hat Gummibänder mitgebracht, die uns bei einigen Beinübungen zusätzlichen Widerstand aufbürden. Benni hat dann auch noch eine Reihe Kraftübungen für uns, die auch ohne Hilfsmittel durchgeführt werden.

Um 14:10 Uhr bin ich wieder bei Claudia zur Physiotherapie dran. Diesmal geht es mir an die Beine. Insbesondere in den Oberschenkeln vorne spüre ich Muskelkater. Claudia walkt mich richtig schön durch, sodass hinterher alles wieder wie neu ist.

Zu um 15 Uhr ist ein Long Jog angesetzt. Im Pinienwäldchen von Novo Sancti Petri ist dafür von den Coaches ein fünf Kilometer-Parcours abgesteckt, den wir in 50 Minuten soweit durchlaufen sollen, wie wir können. Ich lasse mich von meiner neuen Laufuhr derart irritieren, dass ich die aktuelle mit der Durchschnitts­geschwindigkeit verwechsle und so zunächst schneller laufe als gut für mich ist. In der dritten Runde werde ich darum merklich langsamer, aber schaffe sie doch noch bis zu Ende. Wir sollten dann wieder die drei Kilometer zum Hotel zurücktraben. Irgendwie bin ich jetzt der letzte Läufer und als die verletzte Alex mit unserem Begleitfahrzeug und zwei anderen geschafften Läufer*innen mich überholt und fragt ob ich mitfahren will, nehme ich dankbar an. Insgesamt binich heute 19,5 Km gelaufen.

Um 17:30 Uhr gibt Benny dann einen Workshop zur Trainings­planung, der zwar einiges Grundwissen vermittelt, aber nicht ausreicht einen brauchbaren eigenen Trainingsplan aufzustellen. Da wartet noch einige Arbeit auf mich …

In der Bodega Luis Pérez
Foto: Axel Kieser

Donnerstag 03.03. 7:30 Uhr findet der obli­gatorische Jog am Strand mit nachfolgendem Stretching statt. Nach dem Früh­stück folgt dann ein lockerer Dauerlauf im Park. Mittags fahren wir mit einem gecharterten Bus zu einem Winzeranwesen – der Bodega Luis Pérez – wo wir von einer sehr engagierten und begeisterten jungen Dame in die Besonderheiten dieses Anwesens und deren Anbaumethoden eingeführt werden. Darauf folgte eine Weinprobe dreier Rotweine, die alle ganz hervorragend schmeckten. Zum Neutralisieren der Geschmacksnerven gab es nicht nur Weißbrot und ein sehr aromatisches Olivenöl, sondern für uns drei Veganer sogar vegane Buscettas und Gemüsebällchen. Die anderen bekamen Schinken und Käse serviert. Dazu erhielt jeder eine Flasche Olivenöl zum Mit-Nachhause nehmen. Wer wollte konnte sich auch noch ein paar Flaschen Rotwein dazukaufen.

Freitag 04.03. Der letzte Tag! Um 7:30 Uhr mache ich wieder meinen Morgenlauf, der nicht auf dem Plan stand, sodass ich alleine war. Um 10 Uhr sind wir dann zur sog. Camp-Challenge in den Park getrabt. Dort hat uns Serge zunächst mit einem Lauf-ABC aufgewärmt. Die Coaches hatten einen 250-Meter-Rundkurs mit Tape markiert. Dann wurden wir in zehn gemischte Teams eingeteilt und sollten als Dreierstaffel diesen Kurs in 60 Minuten so oft durchlaufen wie wir können. Nach dem Ende der Zeit wurde Maß genommen, wie weit jedes Team gekommen war. Ich hatte das Glück mit Sonja und Antje zu laufen, die beide sehr gute Läuferinnen sind. Es ging heiß her und einige entwickelten etwas überzogenen Ehrgeiz. Als Joker hatte sich Benny bereit erklärt, auf Wunsch je einmal für ein Team zu laufen, sodass die Läufer*innen eine etwas längere Pause hatten. Die Ergebnisse wurden bis zum Abschlusstalk am Abend geheim gehalten. Insgesamt bin ich heute 10 Km gelaufen.

Um 14:50 Uhr hatte ich meine letzte Physiotherapiesession bei Claudia. Glücklich das Camp erfolgreich und unverletzt beendet zu haben, lasse ich meine Beine und diesmal auch die Achillessehne durchwalken. Um 15:30 Uhr gibt es noch eine Stretch- & Relax-Session, in der wir u. a. von Bennie lernen uns mit der Faszienrolle zu malträtieren. Serge zeigt uns weitere neue Dehnungen, von der eine ein Sofa als Hilfsmittel vorsieht und Benny leitet die dritte Gruppe beim Krafttraining an.

Zum Abendessen gibt es wieder pürierte Kichererbsen, die ich mir mit Knoblauchöl, Zitronensaft und Paprika etwas schmackhaft mache. Dazu gab es panierten und gebratenen Seidentofu, es geschmacklich auch nicht überzeugen konnte. Zudem hatte man ein paar fast quadratische Scheiben Süßkartoffeln angegrillt. Ich einem Viersterne-Hotel sollte man etwas mehr erwarten dürfen.

Nach dem Abendessen findet auf den Sofas in der Hotellobby der Abschlusstalk und die Verkündung der Ergebnisse der Challenge statt. Unser Team hat einen guten fünften Platz geschafft.

Während der letzten Tage hatte Gloria – die einzige vegane Frau – heimlich von uns Geld gesammelt und für jeden Coach ein kleines Geldgeschenk und eine sehr anrührende und wertschätzende Rede vorbereitet und gehalten.

Samstag 05.03. Morgens fand ein letzter Auflocker­ungsjog am Strand statt, zu dem sich diesmal ca. zehn Teilneh­mer*innen einfanden. Wir verabschieden uns innerlich von Strand und Meer, und dann auch voneinander.

Sonnenuntergang an der Costa de la Luz
Foto: Axel Kieser

Da mein Flug erst am nächsten Morgen zurück­ging, machte ich mit zwei Lauf­kame­rad*innen einen Ausflug nach Cádiz, wo uns die zentrale Markthalle (Mercado Cen­tral) mit den vielen verschie­denen kleinen Ständen und dem regen Treiben beeindruckt. Danach besuchten wir noch den einzigen Bioladen der Stadt (La Huerta de San Miguel). Ein zweiter ist erst in ca. 50 Km Entfernung zu finden. So ganz nebenbei konnten wir einen Abschiedsappell auf dem Viermastschoner der spanischen Marine „Juan Sebastián de Elcano“ beobachten, welcher dann mit Böllerschüssen verabschiedet wurde und in See stach.

Auf dem Rückweg wählen wir die Route less traveled und fuhren über die Dörfer zurück zum Hotel. Danach machten sich dann auch die Letzten von uns auf den Heimweg.

Fazit: Das Training war super, aber für uns drei Veganer war das Essen eine Enttäuschung. Vielleicht gibt es ja mal irgendwo ein veganes Laufcamp …

Fotos von dem Camp sind auf der Facebook-Seite vom SMS Medical Institute zu finden.

Tempelhof Airfield Run – Marathonstaffel am 22.11.2015

Eigentlich hätte der Wecker um 7:30 Uhr klingeln sollen – tat er aber nicht. Zum Glück hat mich dann die Morgendämmerung aufgeweckt, oder war es die schmerzende Schulterprellung? Egal – ich bin rechtzeitig wach, um mich auf die Marathonstaffel heute um 10:30 Uhr auf dem Tempelhofer Flugfeld vorzubereiten.

Der Blick aufs Außenthermometer lässt nichts Gutes ahnen: 1,8 °C. Etwa in der Größenordnung war auch die Wettervorhersage gewesen. Etwas Gymnastik im Bett zeigt mir, dass alles außer der Schulter soweit in Ordnung ist. Nun wird der Smoothie zubereitet, für den ich gestern Abend bereits eine Samenmischung sowie Nüsse und Trockenfrüchte eingeweicht hatte. Nun kommt das alles in den Mixer und dazu frischer Ingwer, etwas Zimt und Kakao sowie zwei Bananen und Wasser. Das wird gemixt und dann in zwei Halbliterflaschen abgefüllt. Der Rest wird gleich verputzt.

Vegan Runner im EinsatzDie Vegan Runners haben für heute vier Staffeln mit je fünf Läufern angemeldet. Der oder die erste soll 12 Km, der zweite 10, die dritte fünf, der vierte wieder 10 und die Schlussläufer*in noch mal fünf Km laufen. Ursprünglich hatten wir zwei Ersatzläufer vorgesehen, aber es haben sich schon zwei verletzt gemeldet. Es kommt also jetzt auf jeden einzelnen an, also auch auf mich. So packe ich dann noch Wäsche zum Wechseln ein und ziehe meine wärmsten Laufsachen an. Eine persönliche Bestzeit werde ich mir für heute nicht vornehmen – ankommen ist alles.

Um 8:15 Uhr trinke ich den ersten halben Liter des Smoothie. Den anderen hebe ich mir für nach dem Lauf auf. Daneben bringe ich noch selbstgemachten Humus für das Schlemmen hinterher mit. Der Bus kommt pünktlich und bringt mich zum Potsdamer Bahnhof. Dort kaufe ich schnell noch drei Vollkornbaguette ein und springe in den Regionalexpress. Mit der U-Bahn fahre ich das letzte Stück bis zur Paradestraße, da sind dann schon gefühlte 50 % der Reisenden Läufer, die mit mir aussteigen.

Um 9:45 Uhr kommen wir an und finden vor dem Hangar eine riesige Menschenmenge wartend, ohne dass ersichtlich ist warum. Zunächst denke ich, wir sind zu früh und es ist noch kein Einlass, aber dann bewegt sich die Masse doch ganz langsam auf eines der Tore zu. Es zeigt sich, dass dort eine Sicherheitskontrolle ist, die darauf wacht, dass kein Glas mit hinein genommen wird. Ich habe ein großes Küchenmesser dabei, um das Baguette aufschneiden zu können und sorge mich darum, aber die Überprüfung ist recht oberflächlich und mein Messer bleibt unentdeckt.

Beim Warten waren mir die ersten Vegan Runners begegnet und zusammen suchen wir nach unserem Sammelplatz. Andreas hatte für uns ein strategisch günstiges Plätzchen direkt am Zieleinlauf reserviert und war schnell gefunden. Gleich neben uns hatten sich die Spreeganer*innen eingerichtet, die in der Folge sehr kreativ für Stimmung sorgten und auch ein reichhaltige Buffet anzubieten hatten.

Startnummern und Zeitmess-Chips der Vegan RunnersStartnummern und Zeitmessungs-Chips wurden verteilt und unsere Startläufer begannen sich aufzuwärmen. Doch dann erfuhren wir, dass der Start um 30 Minuten verschoben wurde, weil noch nicht alle durch die Sicherheitsüberprüfung gekommen waren. Kurioserweise waren einige von uns über das Flugfeld gekommen und nicht kontrolliert worden. Soviel zur Sicherheit …

Doch dann ging es endlich los. Gestartet wurde in zwei Wellen, weil der Startbereich sehr eng war und 1.437 Staffeln am Start waren. Ich war als zweiter vorgesehen und nahm mir noch 55 Minuten Zeit, bevor ich mich bereit machte. Dann begab ich mich zur Wechselzone. Hier war es jetzt noch enger, weil die Laufbahn frei bleiben musste, und so standen die Leute in Sechserreihen vor mir und verdeckten meine Sicht auf die Läufer. Es gab zwar eine Riesenleinwand, auf die der Zieleinlauf projiziert wurde, aber der Einlauf in die Wechselzone war dabei abgeschnitten, sodass die Leinwand nur ablenkte aber nicht half. An deren Rand wurden die Startnummern der einlaufenden Läufer angezeigt, aber bei der Menge huschten die Zahlen viel zu schnell aus dem Bild. Dermaßen abgelenkt habe ich dann Antje erst nach einer Weile bemerkt und von ihr den lila Alustaffelstab übernommen.

Die Strecke war im Wesentlichen wie im Vorjahr und musste zweimal durchlaufen werden. Es lief sich sehr schön, weil es trocken und nicht zu windig war. Die nach mir liefen wurden dann mit wechselnden Verhältnissen konfrontiert. Erst gab es mehr Wind, und nach etwa zwei  Stunden kam die Sonne durch und krönte so die Veranstaltung, aber weitere 60 Minuten später fing es plötzlich an zu schneien und entwickelte sich zu einem richtigen Schneetreiben.

Spreeganer*innen und Vegan Runners GruppenfotoImmer wenn einer von uns oder von den Spreeganer*innen sich dem Ziel näherte, wurden wir in bester Cheerleadermanier von den Spreeganer*innen angefeuert. Sie hatten sogar grüne Pompons mitgebracht und unterstützen damit ihre Motions. Nach und nach kamen alle glücklich im Ziel an. Es wurde reichlich gefuttert und dazu gab es vom SCC spendierten Tee oder ein alkoholfreies Hefeweizen von Erdinger. Es gab sogar die Gelegenheit sich zu duschen, und dass ohne warten zu müssen. Die Möglichkeit hatte sich wohl noch nicht herumgesprochen.

Unsere Staffeln platzierten sich alle im Vorderfeld. Die erste wurde 73. in 3:03:44, die zweite 106. in 3:08:12, die dritte 297. in 3:26:54 und die vierte 489. in 03:36:33 und war damit noch fast im ersten Drittel. Die Spreeganer*innen hatten beeindruckende sieben Staffeln am Start, wovon eine eine Halbmarathonstaffel war.

Alle Bilder:

Müggelsee-Halbmarathon, 18.10.15

Am 18. Oktober fand der 9. Müggelsee-Halbmarathon statt.
Nachdem es an den Tagen zuvor regnerisch war und für das Wochenende keine wesentliche Verbesserung vorhergesagt worden war, überraschte der Sonntag dann doch mit idealem Laufwetter. Dass es voll werden würde, zeigte sich bereits in Köpenick am Bus, der so voll war, dass er nicht abfahren konnte und einige wieder aussteigen mussten. Der nächste Andrang war dann bei den Toiletten am Start. Zehn Minuten Wartezeit und später sogar mehr, sind nicht akzeptabel. Da hatte der Veranstalter am falschen Ende gespart.

Neben mir hatten sich zwei weitere Vegan Runners angemeldet, wie ich bei der Online-Registrierung in Erfahrung gebracht hatte. Ulises war ich bereits an der Bushaltestelle begegnet und Karl fand dann beim Umkleiden zu uns. Wir klärten, was wir uns vorgenommen hatten und erkannten, dass ein Zusammenlaufen unseren Möglichkeiten nicht gerecht werden würde. Um den starken Andrang für die schmalen Wege zu kanalisieren, wurde der Start in drei Wellen durchgeführt. Karl und ich starteten in der ersten und Ulises in der dritten Welle. Durch die Chips am Schuh eigentlich kein Problem für die Zeitmessung, aber die schnellen Läufer der zweiten und dritten Welle mussten dann mit den langsameren Läufern der vorhergehenden Wellen kämpfen.

Dieser Lauf ist insgesamt sehr flach, bietet aber nach vier Kilometern eine Besonderheit, nämlich einen Tunnel unter der Spree hindurch. Etwa 40 Stufen zunächst hinab und auf der anderen Seite wieder hoch. Danach geht es ungefähr acht Kilometer auf Straßen und Fußwegen entlang, bis es in Hessenwinkel diesmal per Brücke wieder über die Spree geht. Von da ab sind es nur noch Waldwege. Alle Kilometer waren deutlich ausgeschildert und Streckenposten sicherten Abzweigungen, damit niemand verloren ging. Zunächst alle fünf Kilometer und später etwa alle drei Kilometer waren Getränkestationen, an denen es Wasser und leicht gesüßten Tee gab.

Da ich ziemlich weit vorne gestartet war, ließ ich mich vom Tempo der Anderen mitreißen und absolvierte die ersten fünf Kilometer in 23 Minuten. Das war dann aber für die Distanz für mich zu schnell, sodass ich etwas nachließ und so die 10-Kilometer-Marke nach 48 Minuten passierte. Doch dann wurde es langsam hart für mich. Ich merkte, dass mir für ein so schnelles Rennen noch die Ausdauer fehlt. Ab ca. 14 Kilometern musste ich richtig kämpfen, aber viel Tempo war nicht mehr rauszuholen. Immer wieder wurde ich überholt und die letzten vier Kilometer wurden zu einer Tortur.

Nachdem ich im letzten Jahr in 1:53:46 den 511. Platz belegt hatte und damit in meiner Altersgruppe (M60) Sechster geworden war, hatte ich mir als Minimalziel gesetzt, unter 1:50:00 zu laufen. Das ist dann auch mit viel Mühe gelungen. 1:49:30 zeigte die Uhr im Zieleinlauf an. Damit wurde ich insgesamt 348. (bei den Männern 308.), aber nur Neunter in meiner Altersgruppe.

Sieger wurde bei den Männern mit 1:15:28 der Berliner Tobias Singer und bei den Frauen in 1:26:01 die Kenianerin Magdaline Chemjor. In meiner Altersgruppe siegte mein Potsdamer Sportkamerad Wolfgang van Straten in phänomenalen 1:33:26!

Und die anderen Vegan Runners? Karl wurde 117. in starken 1:38:25 und Ulises braucht sich mit seinen 1:51:45 und dem 404. Platz auch nicht zu verstecken. Insgesamt waren 1.054 Läufer und Läuferinnen ins Ziel gekommen.

Im Zieleinlauf gab es dann wieder Wasser und Tee sowie in Stücke geschnittene Bananen. Jeder hatte zudem einen Gutschein für einen Teller Erbsensuppe bekommen. Leider war die aber traditionell mit Speck zubereitet. Vielleicht kann sich der Veranstalter da in Zukunft zu einem inklusiveren Angebot durchringen. Bei einer Startgebühr von 22 Euro dürfte das nicht zu viel verlangt sein. Nicht nur für Veganer ist diese Suppe so nichts, auch Juden und Muslime werden ausgegrenzt. Mal sehen, wie es nächstes Jahr aussieht …

Veranstalter: mueggelsee-halbmarathon.de

Erdlingslauf (Etappe 5 + 6), 29./30.08.15

Gruppenfoto der letzten Staffel vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz
Gruppenfoto der letzten Staffel vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz

Mitgefühl für Tiere auf dem Mauerweg

Ein Erlebnisbericht von Frank Spade.

„Für Mitgefühl laufen“, das war das Motto einer Staffel von ca. 150 Veganern und Sympathisanten, die am 29. und 30. August innerhalb von 24 Stunden, in 12 Etappen, einmal auf dem Mauerweg ca. 170 km rund um Berlin liefen. Sie hatten sich vorgenommen Geld für die Unterstützung des Erdlingshofs im Bayerischen Wald zu sammeln, wo aus der Massentierhaltung befreite Kühe, Schweine, Hühner und Pferde ohne Gefahr für Leib und Leben ihre verbleibenden Tage und Jahre in Frieden leben können. Da mit dieser Art Tierhaltung kein Geld zu verdienen ist, kamen die Berliner Vegan Runners im letzten Jahr auf die Idee, mit einem Spendenlauf zur Unterstützung des Hofs beizutragen.

Die Läuferinnen und Läufer verteilten sich auf 12 Abschnitte, wobei einige auch mehr als einen Abschnitt liefen. Hier folgt jetzt ein Bericht von der 5. (und 6.) Etappe, die gegen 20 Uhr in der Nähe des S-Bahnhofs Hennigsdorf beginnen sollte.

Als ich mit der Bahn dort ankam, war ich zunächst desorientiert, in welche Richtung vom Bahnhof aus der Lauf gehen sollte. Bevor ich beurteilen konnte, wem von den Umstehenden ich genügend Ortskenntnis zutrauen würde um ihn oder sie zu fragen, bemerkte ich einen Polizeibus auf dem Bahnhofsvorplatz. Die sollten sich auskennen, dachte ich, und trat an der Beifahrerseite an das Fahrzeug heran. Das Fenster war heruntergekurbelt und bevor ich etwas fragen konnte, sagte einer der Polizisten „Sie wollen bestimmt zum Mauerweg!?“ Ich war wegen meines Outfits als Läufer einzuordnen, aber doch überrascht, über diese Ansprache. Als nächstes stieg er aus dem Fahrzeug, um mir die Richtung zu zeigen. Er bestätigte, dass die Polizei unseren Lauf auf dem Schirm hätte und wünschte mir zum Abschied viel Freude und Erfolg dabei. Langsam trafen einige der anderen Läufer ein, aber wir hatten von unserer Einsatzzentral am Stand des Erdlingshofs auf dem Alex erfahren, dass einer unserer Läufer den Zug verpasst hatte und 20 Minuten später eintreffen würde. Von einem der Begleiter der Läufer, die den Abschnitt vor unserem liefen, erfuhr ich, dass auch sie Verspätung hatten, sodass wir gelassen auf die nächste S-Bahn warten konnten.

Als wir dann vollzählig waren, trabten wir gemächlich zum Treffpunkt, als plötzlich wieder der Polizeiwagen auftauchte, um uns – getreu dem Motto „die Polizei dein Freund und Helfer“ – darauf hinzuweisen, dass wir rechts abbiegen müssten, um zum Mauerweg zu gelangen. Wir wurden freundlich verabschiedet und stellten dann aber fest, dass wird bereits am Treffpunkt waren. Also stellen wir uns darauf ein, hier auf das Eintreffen der Läufer*innen des Abschnitts 4 zu warten. Es dauerte nicht lange, da sahen wir sie die Brücke über den Oder-Havel-Kanal überqueren, gekrönt von einem riesigen Vollmond direkt über ihren Köpfen (ich hoffe jemand hat ein Foto davon gemacht und stellt es uns zur Verfügung).

Ich hatte mir einen 20-Km-Abschnitt ausgesucht, als Vorbereitung auf den Müggelsee-Halbmarathon am 18. Oktober. Dies war ein Abschnitt, für den ein flottes Lauftempo von sechs Minuten pro Kilometer vorgesehen war und tatsächlich zeigte sich, dass die sechsköpfige Läufergruppe sehr zügig durch die Nacht huschte. Die Strecke verlief hauptsächlich über isolierte Fuß- und Radwege, wo uns in der bald einsetzenden Dunkelheit kaum jemand begegnete. Wenn wir aber durch bewohnte Straßen liefen, bekamen wir gelegentlich aufmunternde bzw. anerkennende Zurufe zu hören und an den Straßen wurde uns vereinzelt zugehupt. Seit über einer Stunde war es dunkel und einige von uns trugen LED-Kopflampen, um den Weg auszuleuchten. Trotzdem plärrte unser Streckenführungsnavi plötzlich „umkehren!“. Wir waren in einem Moment der Unaufmerksamkeit an einer Abzweigung vorbeigelaufen und mussten nun ca. 600 m zurück. Danach ging es auf direkten Wege weiter, immer begleitet von dem wunderschön klaren Vollmond. Am S-Bahnhof Staaken wurden wir nach zwei Stunden dann mit viel Applaus und Hallo von der nächsten Gruppe und deren Begleitern begrüßt. Wir hatten uns gut an unsere Zeit gehalten, aber die Verspätung von der vorherigen Gruppe nicht reduziert, sodass auch der nächste Abschnitt mit einer Verspätung startete. Das war von vorneherein einkalkuliert, zumal es hier nicht um einen Wettkampf, sondern um ein Gemeinschaftserlebnis ging.

Am Tag zuvor hatte ich hier mein Fahrrad angeschlossen und freute mich, dass es noch da war. Ich hatte vor, den nächsten Abschnitt bis zu meinen Haus in Neu Fahrland zu begleiten; etwa 28 Km. Leider hatte mein Fahrrad dann doch Schaden genommen. Zunächst stelle ich fest, dass das Licht nicht mehr ging (was ich in der Woche davor hatte reparieren lassen), und dann schleifte mein Frontschutzblech hörbar und irritierend am Reifen. Letzteres konnten wir mit einer rabiaten Verbiegung beheben. Das Licht ließ sich nicht in Gang setzen, sodass auch ich eine Kopflampe aufsetzte, die sich als hilfreicher erwies, als es mein Scheinwerfer gewesen wäre, weil ich so die Umgebung besser nach den Hinweisschildern für den Mauerweg und den gelben Markierungen des 100-Meilen-Laufs absuchen konnte.

Gruppenfoto - Läuferinnen Etappe 6
Gruppenfoto – LäuferInnen Etappe 6

Plötzlich sahen wir vor uns zwei helle Lichter, die sich dicht über dem Erdboden auf den Weg zu bewegten. Glühwürmchen dachte ich, in Brandenburg? Die waren mir zumindest in der Vergangenheit noch nicht begegnet. Im Licht der Kopflampe ließ sich dann aber schnell erkennen, dass es sich um einen jungen Fuchs handelte. Kurz darauf begleitete mich ein Hase am Wegesrand, und dann noch einer. Ob die sich gerade mit dem Fuchs „Gute Nacht!“ gesagt hatten?

Aber auch unsere Läuferinnen und Läufer gaben interessante Bilder ab. Die Reflektoren an ihrer Kleidung von hinten beleuchtet, hüpften scheinbar allein durch die Nacht, weil von den Läufer*innen selbst kaum etwas zu erkennen war. Und von vorne betrachtet waren nur fünf helle Kopflampen zu sehen. Auf halbem Weg zwischen Schloss Sacrow und der Römerschanze, lag dann ein Baum quer über unserem Weg. Den hatte ich tags zuvor bereits über www.maerker.de gemeldet, aber er lag immer noch da; was mich nicht wirklich überraschte. Vorsichtshalber hatte ich bereits zuvor so viel Gestrüpp entfernt, dass Läufer und Radfahrer – wenn auch mit etwas Mühe – darunter durchkamen. Die Wege waren überwiegend befestigt und in gutem Zustand, doch an einigen Abschnitten, im Raum Gatow, hatten Wurzeln den Asphalt hochgedrückt und brachten manchen von uns zum Straucheln, und einmal sogar zu Fall, weil die Wurzeln im Dunkeln schlecht zu erkennen waren. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

In Neu Fahrland haben wir uns dann die Freiheit genommen den von dem 100-Meilen-Lauf vorgezeichneten Track zu verlassen, denn vor erst vier Wochen war ein Rad- und Wanderweg direkt am Ufer des Jungfernsees eröffnet worden. Der war viel schöner und angenehmer zu laufen, als die Strecke an der vielbefahrenen B2. Nach 1,5 Km mündete dieser Weg dann in die Bertinistraße und vereinigte sich so wieder mit dem so genannten Mauerweg. Dieser folgt den ehemaligen DDR-Grenzanlagen, was nicht immer eine Mauer war, sondern auch die Ufer von Gewässern und Kolonnenwege, die von den Grenztruppen benutzt wurden.
Am Eingang zum Neuen Garten in der „Berliner Vorstadt“ in Potsdam habe ich mich dann nach nunmehr 30 Km-Fahrradbegleitung von der Gruppe verabschiedet. Zu fünft, mit zwei Radbegleitern, huschten die dann weiter durch die Nacht. Es war kurz vor drei Uhr früh und meine Muskeln und Gelenke waren dankbar endlich etwas Ruhe zu bekommen, bevor ich am nächsten Mittag das letzte Teilstück vom Brandenburger Tor bis zum Alex mitlief.

Abschluss auf dem Veganen Sommerfest Berlin
Abschluss auf dem Veganen Sommerfest Berlin

Potsdam Halbmarathon-Staffel, 26.08.15

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Bei der BARMER GEK Halbmarathon-Staffel am 26.08.2015 waren die Vegan-Runners mit drei Staffeln vertreten: einer Frauen-, einer Männer- und einer gemischten Staffel. Insgesamt hatten sich 99 Staffeln angemeldet (2014 waren 112). Wärend wir im letzten Jahr mit einer Staffel in der Firmenwertung in 1:25:41 zweite, aber insgesamt 13 geworden waren, belegten unsere Frauen in 1:41:49 unter den Frauen den fünften Rang unter 12 Frauenstaffeln. Unsere gemischte Staffel wurde in 1:46:17 11. unter 20 Staffeln und die Männer belegten in 1:23:55 den 7 Platz unter 22 Männerstaffeln. Kurioserweise gibt es in der Ergebnisliste dieses Jahr keine Gesamtwertung. Wir können aber sehen, dass wir mit unserer Männerstaffel auch dieses Jahr in der Firmenwertung den zweiten Platz belegt hätten. Insgesamt waren unsere Männer fast zwei Minuten schneller als letztes Jahr! Bravo! Hinterher hatten wir ein umfangreiches, köstliches Picknick und freuen uns jetzt auf den Erdlingslauf.
Frank Spade

Bilder: Ulises Rey

8. Müggelsee-Halbmarathon, 19.10.14

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Ein Laufbericht voon Frank Spade:

Der Müggelsee ist der größte und schönste See Berlins. Nachdem ich ihn in der Vergangenheit schon mit dem Fahrrad umrundet und auch schon mal an einem 10 km-Rennen an seinem Ufer teilgenommen hatte, wolle ich ihn nun laufend umrunden. Dafür kam der 8. Müggelsee-Halbmarathon gerade recht. Leider hatte ich es nicht geschafft mich rechtzeitig anzumelden, sodass im am Sonntag vor 9 Uhr da sein musste, um mich nachzumelden. Die Website warnte, dass es keine Garantie gäbe, noch einen Startplatz zu bekommen.

Zu allem Übel streikten die Lokführer an diesem Wochenende, sodass ich einen Tag früher von Nuthetal anreiste und bei einer Bekannten in Schöneweide übernachtete. Zur Vorbereitung wollte ich mir Informationen von der Website holen, fand dort aber nur die Ausschreibung des 7. Müggelsee-Halbmarathon zum Download. Da es wahrscheinlich in den wesentlichen Punkten unverändert sein dürfte, versuchte ich sie herunterzuladen, bekam aber eine Fehlermeldung, dass die Datei nicht zu finden sei. Auch der Link zum Download im Hauptmenü führte nicht zum Ziel. Erst ein weiterer Link, der anzeigte, wie oft die Datei bereits heruntergeladen wurde, führte zum Erfolg.

Ähnlich problematisch war es hinterher die Ergebnisse zu finden, denn die Website hatte nur die Ergebnisse von 2013 verlinkt. Nachdem ich den URL entsprechend korrigiert hatte, war auch die Hürde genommen. Doch nun zum Lauf selber:

Start und Ziel sind im Rübezahl Ferienpark Müggelsee, der sich auf der Südseite des Sees befindet. Wegen des Streiks hatte ich mein Fahrrad mitgenommen und fuhr damit die 14 km bis zum Start. Ich konnte mich dann tatsächlich noch anmelden. Für die Aufbewahrung der Klamotten war ein überdachter Bereich reserviert, aber man hielt es nicht für nötig dafür eine Aufsicht abzustellen. Das wenig überzeugende Argument war: Läufer sind doch ehrliche Leute, und: hier ist noch nie etwas weggekommen.

Im Start und Zielbereich gab es vor dem Rennen kein Trinkwasser, außer man kaufte es sich an einer der Bars. Der Start war direkt am See und wurde in mehreren Wellen durchgeführt, weil sich ca. 1.200 Läufer angemeldet hatten und die Wege am Ufer sehr schmal sind. Zwischen den Starts war jeweils eine Pause von fünf Minuten, damit sich das Feld verteilen konnte. Ich fand mich dann am Ende der zweiten Welle wieder, was mich aber nicht störte, denn ich hatte mir vorgenommen das Rennen langsam anzugehen. Immerhin war dies mein erster Halbmarathon seit 30 Jahren und ich war mir nicht sicher, ob ich optimal vorbereitet war.

Die Wege um den Müggelsee sind teilweise asphaltiert und der Rest feste Waldwege. Das Rennen führte im Uhrzeigersinn um den See und nach ca. vier Kilometer durch den Spreetunnel. Das hieß ca. 22 Stufen in die Tiefe, durch den Tunnel laufen und auf der anderen Seite wieder hoch. Ich hatte eine Kollegin getroffen, die eine erfahrene Marathonläuferin ist und mich die ersten fünf Kilometer an sie gehängt. Die 27 Minuten für diesen Abschnitt, waren für meine Verhältnisse sehr langsam, aber ich wollte ja die vierfache Distanz schaffen. Dann kam der erste Getränkepunkt, wo ich mir dann ein paar schnellere Läufer als Pacer aussuchte.

Wir liefen den Müggelseedamm und dann die Fürstenwalder Allee durch Rahnsdorf. Am Straßenrand standen immer wieder Zuschauer, die uns anspornten. Über die Brücken in Hessenwinkel ging es dann auf die Südseite der Müggelspree und auf dem Müggelheimer Damm durch den Berliner Stadtforst. Etwa bei Kilometer 13,5 bekam ich einen Krampf im rechten Unterschenkel, der mich zwang achtsam langsamer zu laufen. Tatsächlich ging der Krampf dann wieder weg, sodass ich das Tempo wieder erhöhen konnte.

Die Strecke war sehr gut mit Getränkeständen ausgestattet, wo es Tee und Wasser gab. Ich griff mir jeweils zunächst einen Becher mit Tee, den ich schnell trank und dann einen Becher Wasser, den ich mir über den Kopf goss. Das Wetter war optimal, etwas kühl, aber mit freundlichem Sonnenschein, der in der ersten Hälfte uns Läufer erreichte. Danach verhinderten die Bäume, dass die Sonne durchdringen konnte.

Ab Kilometer 15 begann ich das Tempo weiter anzuziehen, weil ich mich überraschend gut fühlte. Die letzten sechs Kilometer lief ich dann unter 30 Minuten und kam letztlich mit einer Nettozeit von 1:53:46 als 6. meiner Altersklasse ins Ziel. Leider wurde mein Name von der Anmeldung nicht richtig übertragen und der Verein ganz unterschlagen. Immerhin waren aber meine Klamotten noch an der Stelle, wo ich sie hinterlassen hatte. Womit wohl bewiesen wäre, dass Läufer ehrliche Menschen sind.

Auf dem Rückweg musste ich dann 19 Kilometer mit dem Rad fahren, um die Chance zu erhöhen einen Regionalzug Richtung Potsdam zu erwischen. Nach Rehbrücke fuhr dann tatsächlich nichts mehr, sodass ich nochmal 8 Kilometer von Potsdam Hbf. bis Nuthetal fahren durfte. Nach einem heißen Vollbad, fühle ich mich jetzt schon wieder sehr viel besser.

Veranstalter-Seite: laufzeit.de/mueggelsee

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Davengo war so nett meine Daten zu korrigieren. Danke. Jetzt glaub‘ ich’s selber …

Asics Grand 10 Berlin, 12.10.14

Ein Bericht von Frank Spade:
14_asics_laufAm Morgen des ASICS 10K in Berlin finde ich heraus, dass ich meine Startunterlagen spätestens am Vortag bei Karstadt hätte abholen sollen. Kein Hinweis, ob die Abholung auch heute noch möglich ist. Eine so wichtige Information, über ein unübliches Vorgehen, hätte direkt in die Anmeldebestätigung gehört und nicht vergraben in einen Anhang. Da aber noch Nachmeldungen möglich sein sollten, versuchte ich mein Glück und fuhr früher als nötig los. Mein Glück wurde dann aber schon schneller auf die Probe gestellt als mir lieb war. Auf halbem Weg zum Bahnhof bremste ich mein Fahrrad ohne das Nasse Laub unter den Rädern wahrzunehmen, was zu einem Blockieren des Vorderrades führte. Was dann geschah erinnere ich nicht. Als ich aufwache bin ich von fünf besorgten Menschen umringt, die bereits einen Krankenwagen gerufen hatten. Ich sortierte mich und stellte fest, dass ich aus einigen Wunden blutete. Am schlimmsten hatte es meinen rechten Daumen erwischt, aber alle Knochen und Sehnen schienen heil zu sein. Unter dem Protest der Helfer bestieg ich mein Rad und fuhr weiter zum Bahnhof, nicht ohne mich vorher bei ihnen bedankt zu haben. Die Blutungen hörten langsam auf und für den Daumen bekam ich vom Zugbegleiter des Regio ein Pflaster.

Ich war extra so losgefahren, dass ich eine Stunde vor dem Start eintreffe, falls es Schwierigkeiten mit den Startunterlagen gibt. Die Sorge stellte sich dann aber als unnötig heraus. Man wollte wohl mit der Ankündigung für den Starttag den Andrang reduzieren, was auch gut funktionierte. Leider fand ich dann kein Café, wo ich meinen üblichen Pre-Run Kaffee-Soja-Latte bekommen konnte, der mir sonst immer gut getan hatte. Das einzige Café, wo man mir einen Kaffee-Latte anbot, servierte mir zunächst einen regulären Latte. Nach meiner Reklamation und dem Bestehen auf Sojamilch bekam ich einen Latte mit laktosefreier Milch. Es stellte sich herraus, dass sie gar keine Sojamilch hatten. So viel Dreistigkeit war mir noch nicht untergekommen.
Bei der Anmeldung waren wir nach unserer Zielzeit gefragt worden, wo ich übermütig 41 Minuten angegeben hatte, um in einem der vorderen Böcke starten zu können, mit der Chance auf eine schnellere Zeit. Auf meiner Startnummer stand dann aber B4, was der letzte Startblock war. Ich fragte den nächsten Läufer, der mir begegnete und B3 auf seiner Startnummer hatte, was seine Zielzeit wäre. Als er 60 Minuten antwortete wusste ich, dass die Einordnung belanglos war und schlich mich in den B3er-Block, für den eine Zielzeit von 50 Minuten angegeben war. Wie ich feststellen konnte, war ich hier nicht der einzige B4er. Neben anderen war da auch eine Frau, die sich von einem Offiziellen die B4 in B3 hatte ändern und abstempeln lassen. Tatsächlich sah ich aber niemanden, der den Zugang zu den Startblöcken kontrollierte.
Der Start war dann sehr langsam. Es dauerte 73 Sekunden bis ich die Startlinie überqueren konnte. Die Dichte des Feldes machte das Überholen am Anfang sehr schwer. Es war so eng, dass ich beim Spurwechsel fast wieder gestürzt wäre. Dann bot sich rechts ein Fahrradstreifen an, der von vielen zum Überholen genutzt, aber von Offiziellen immer wieder dabei gestört wurden. Nachdem die Werbung für den Lauf davon gesprochen hatte, dass die Strecke durch den Zoo führen würde, hatte ich mir mehr als ca. 400 m davon versprochen. Aber ich glaube, für die Tiere wäre das sowieso ein fragwürdiges Erlebnis gewesen.
Nachdem ich am Anfang dem Pacer mit der 45 Minutenflagge weglaufen konnte, dachte ich, ich bin gut im Rennen, bis er mich etwa bei Kilometer sieben locker überholte und ich nicht folgen konnte. Das Ziel kam dann aber schon bald und mir wurde die Finischermedaille umgehängt. Nach dem Abholen meiner Klamotten ließ ich mich vom Roten Kreuz verarzten. Dabei stellte ich fest, dass ich den Chip noch am Schuh hatte. Wenn der nicht abgegeben würde, müsste ich nochmal 24 Euro bezahlen, wofür ich im Voraus meine Zustimmung geben musste. Der Weg zur Abgabestelle war ein arges Gedränge, weil inzwischen die meisten der ca. 7.500 Läufer ins Ziel gekommen waren. Um dann zum Bus zu kommen musste ich nochmal durch das Gedränge, um dann 20 Minuten vergeblich auf einen Bus zu warten. In der Zeit hätten zwei kommen müssen. So machte ich mich dann zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof. Später wurde mir erzählst, dass die Busse bestreikt worden wären.
Ich hab mich vor und nach dem Rennen nach Vegan Runners umgesehen, aber keinen gefunden. Dafür wurde ich während des Rennens zwei Mal anerkennend auf mein »Vegan Runners«-Shirt angesprochen. Aus der Ergebnisliste konnte ich dann ersehen, dass drei weitere Veganer mitgelaufen waren, zwei von ihnen schneller als ich, aber alle wesentlich jünger. Ich konnte unter 6511 Startern den 1099. Platz belegen und in meiner Altersklasse unter 114 den 15. Platz mit schwachen 47:33 Minuten.
Mit 24 Euro war dies Event für meinen Geschmack ziemlich überteuert und wird wohl eine einmalige Erfahrung bleiben.

Veranstalter: Berlin Läuft